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Erneuerbare Energien
23.09.2016

Bislang gab es für Strom aus erneuerbaren Energien staatlich festgesetzte Fördersätze. Doch ab dem kommenden Jahr gilt der Grundsatz: Wer am wenigsten für den wirtschaftlichen Betrieb seiner Anlage fordert, wird gefördert. Eine veränderte Situation für den Windenergie-Markt. Klarheit verschafft eine neue Studie, welche die HSH Nordbank nächste Woche veröffentlicht.

Die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland ändert sich grundlegend. Das hat auch Folgen für die Refinanzierung von Windenergie-Projekten. (©Getty Images)

Die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland ändert sich grundlegend. Das hat auch Folgen für die Refinanzierung von Windenergie-Projekten. (©Getty Images)

Die Windenergie ist und bleibt eine Erfolgsstory – vor allem in China und Europa trägt sie zunehmend zur Stromversorgung bei. Weltweit wurden 2015 Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt rund 63 Gigawatt in Betrieb genommen. Also fast 22 Prozent mehr als im Jahr 2014. Dreißig Jahre nachdem die kommerzielle Nutzung der Windenergie begann, ist diese Energieform in vielen Ländern zu einer bedeutenden Säule bei der Stromversorgung geworden und voll in die Strommärkte integriert. Das Maß an staatlicher Förderung kann zurückgefahren werden, denn die Windenergie an Land ist mittlerweile fit genug, sich dem Wettbewerb zu stellen. Das hat auch die EU erkannt und ihre Mitgliedsländer dazu angehalten, die Vergütungshöhe des erneuerbaren Stroms ab 2017 nicht mehr – wie bisher – staatlich festzulegen, sondern durch Ausschreibungen am Markt zu ermitteln.

Durch den Umbau der Förderregime befinden sich somit alle Marktteilnehmer in einer neuen Situation. Manche Marktbeobachter sprechen gar von einem Paradigmenwechsel. Zahlreiche Änderungen sind erklärungsbedürftig, bevor es an die Umsetzung geht.

„Das Branchentreffen auf der Wind Energy 2016 Hamburg ist ein guter Anlass, die Umbrüche und Trends in den europäischen Windenergiemärkten mit einer neuen Branchenstudie zu begleiten“, sagt Volker Brokelmann, Senior Credit Analyst der HSH Nordbank. In der Studie, die ab nächster Woche vorliegt, befasst sich die HSH Nordbank intensiv mit Marktentwicklung und aktuellen Trends, dem Umbau der Förderregime sowie ersten Erfahrungen mit Ausschreibungsverfahren. Im Zentrum stehen Länderreports, in denen die spezifischen Bedingungen in 19 Staaten Europas beleuchtet werden. „Nicht nur Projektierer, sondern auch alle anderen Marktakteure bekommen mit der Studie einen guten Überblick über die aktuellen Rahmenbedingungen und die Wachstumsperspektiven in den europäischen Kernmärkten“, sagt Brokelmann.

Zwei Jahre nach der Publikation der letzten Fassung, richtet die HSH Nordbank mit der Studie erneut ihren Fokus auf die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt der Windenergie – einem Markt, der mit Blick auf das Erreichen der Klimaziele stets auch eine politische Dimension hatte. Die internationalen Bemühungen zur Begrenzung der Erderwärmung richten sich weiterhin darauf, fossile Energieträger sukzessive durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Eine Aufgabe, die sich weltweit zunehmend mehr Staaten auf die Fahnen geschrieben haben. China, das seit Jahren unter einem signifikanten Smog-Problem leidet, ist nur ein Beispiel dafür. Der Ausbau von Erneuerbaren Energien ist gesellschaftlich gewünscht und wird in immer mehr Ländern von den Regierungen vorangetrieben. Entsprechend beleuchtet die Studie nicht die einzelnen Hersteller und Anlagentechnologien, sondern stellt die politischen Rahmenbedingungen, die Weiterentwicklung der Fördersysteme und die Ausbauziele der einzelnen Länder in den Vordergrund.

Angesichts einer schwankenden Stromerzeugung und begrenzter Leitungskapazitäten bedeutet die langfristige Umstellung der Stromerzeugung zu wesentlichen Teilen auf erneuerbare Energien dabei für die Stromnetze eine wachsende Herausforderung. Der Zubau bei den erneuerbaren Energien muss daher mit Netzertüchtigungen, einer Flexibilisierung der Stromnachfrage, sowie dem Ausbau von internationalen Stromnetzverbünden einhergehen. Leistungsfähige und intelligente Stromnetze sind das Gebot der Stunde. Wenn diese nicht im ausreichenden Maße vorhanden sind, drohen gravierende Ineffizienzen wie etwa im vergangenen Jahr in China. Dort konnten wegen Netzengpässen etwa 15 Prozent der Windstromerzeugung des Landes nicht ins Netz eingespeist werden.

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