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Ölpreis
14.09.2016

Selten zuvor war eine US-Präsidentschaftswahl so entscheidend: Ob ein Ölpreis von bis zu 100 Dollar erreicht wird, hängt davon ab, für wen die Amerikaner stimmen, meint Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank.

Experten erwarten einen deutlichen Abwärtsrend der Ölpreise nach der US-Wahl (Foto: ©dpa Picture Alliance)

Experten erwarten einen deutlichen Abwärtsrend der Ölpreise nach der US-Wahl (Foto: ©dpa Picture Alliance)

"Wir werden buddeln und fracken wo es nur geht"

Während des Vorwahlkampfs hat Donald Trump mehrfach erklärt, eine Kehrtwende in der amerikanischen Energiepolitik einzuschlagen, sollte er am 8. November ins Präsidentenamt gewählt werden. Der Republikaner verspricht im Erfolgsfalle die Regulierungen im Energiebereich zu lockern, temporär zu verbieten bzw. auf ihre Notwendigkeit überprüfen zu lassen – darunter insbesondere Umweltschutzauflagen. Trump legt seinen Fokus auf billige Energie als Jobmotor. Die Bekämpfung des Klimawandels sei „die größte Bedrohung für zukünftige Generationen“, sie vernichte den Wohlstand. Klimaschutzmaßnahmen sollen daher beendet werden und die konventionelle Energieversorgung wieder zu alter Stärke zurückfinden.

Trump verspricht daher die Förderung von Rohöl auszubauen und den Konkurrenten wie der OPEC Marktanteile abzunehmen. Dies bekräftigte er mit der Aussage: „Der Nahe Osten muss unsere Botschaft laut und deutlich zu hören kriegen: Wir hören auf, auf Knien zu euch gekrochen zu kommen. Wir werden buddeln und fracken, wo es nur geht, Hauptsache, die Energiepreise würden sinken und die Abhängigkeit von Energie aus anderen Staaten auch.“ Mit einer möglichst regulierungsarmen Politik soll die US-Ölindustrie kostengünstig Öl fördern können, um im Wettbewerb mit den OPEC-Staaten und Russland standhalten zu können. Um dies zu ermöglichen plant Trump zusätzliches Land zur Erschließung und Förderung von Rohöl freizugeben. Dabei würde das Augenmerk vor allem auf die großen US-Schieferölregionen (Permian, Bakken. Eagle Ford) gelegt werden, wo die Erschließung und Förderung besonders kostengünstig möglich ist. Umständliche Hürden bei der Projektentwicklung verspricht Trump zu beseitigen (z.B. Beschleunigung der Bearbeitungszeit von Förderanträgen), um die Kosten möglichst gering zu halten.

Trump könnte mit dieser Politik den Grundstein für eine erneute Ausweitung des US-Ölangebots legen, nachdem in den letzten Monaten die Förderung deutlich zurückgegangen war. Derzeit produziert die USA rund 10 Prozent des weltweiten Fördervolumens. Wenn es Trump gelingt, die US-Ölförderung in den nächsten zwei Jahren um ein bis zwei Millionen Barrels/Tag anzuheben, würde das weltweite Überangebot weiter steigen und den Ölpreis unter Druck setzen. Hier könnte sich die Katze allerdings in den Schwanz beißen: je erfolgreicher Trump die Ölförderung nach oben treibt, desto tiefer würde der Ölpreis fallen. Bei Preisniveaus von 35 US-Dollar/Barrel für die Sorte Brent können viele Fracker nicht mehr mithalten, Regulierungsabbau hin oder her. Der Preis würde sich rasch wieder erholen. Dennoch: Bei 40 US-Dollar könnte sich unter einem Trump-Regime für einige Jahre tatsächlich das Preisniveau einpendeln. Denn die Frackingindustrie hat in den vergangenen Jahren kräftige Effizienzzuwächse erzielt. Zudem haben die Zulieferfirmen deutliche Rabatte auf die Förderausrüstung gewährt. Kommen jetzt noch Einsparungen durch schlankere Genehmigungsverfahren und geringere Umweltauflagen dazu, ist es möglich, dass der Ölpreis wieder dahin gelangt, wo er im Jahr 2009 zurückgefallen war, bei 40 US-Dollar pro Barrel.

Die Kehrseite ist, dass der Investitionsstau bei den besonders kapitalintensiven Ölprojekten wie Tiefseebohrungen und Ölsanden anhalten würde, was in vier oder fünf Jahren dann zu einem Preissprung am Ölmarkt führen würde, zumal auch die Frackingquellen in den USA endlich sind. Ein Ölpreis von 100 US-Dollar wäre dann in fünf Jahren ohne weiteres möglich.

Clintons Energiewende wird die Ölnachfrage dämpfen

Hillary Clinton hingegen hat angekündigt, im Fall ihrer Wahl eine vollkommen andere Politik zu verfolgen. Die Demokratin möchte den Ausstieg aus der konventionellen Energieerzeugung. Die angekündigte „Energiewende“ der Demokratin Clinton stellt eine langfristige Bedrohung für die US-Ölnachfrage und die Ölindustrie dar. Nachdem die USA sich nun dem Pariser Klimaabkommen angeschlossen haben und auch in Amerika zunehmend ein Bewusstsein für die Gefahren des Klimawandels zu entstehen scheint, wirken die geplanten Vorhaben wesentlich glaubwürdiger als in der Vergangenheit. Schaffen es die USA – mit einem Anteil von 19 Prozent größter Rohölkonsument der Welt – ihre Ölnachfrage nachhaltig in einen sinkenden Trend umzukehren, wird dies am Ölmarkt Spuren hinterlassen, deutlicher und vor allem nachhaltiger als bei Trumps Politik. Innerhalb von zehn Jahren soll die Ölnachfrage gemäß Clintons Wahlprogramm um vier bis fünf Millionen Barrels/Tag sinken, was vermutlich in erster Linie zu Lasten der Importe gehen dürfte. Zwar hat Clinton auch eine strengere Regulierung für den Frackingsektor angekündigt, aber eine harte Linie gegen diese Industrie ist von der für ihren Pragmatismus bekannte Clinton nicht zu erwarten.

US-Rohölnachfrage in 1000 Barrel/Tag

Der Rohölpreis würde dabei nicht nur durch den Rückgang der Nachfrage belastet, sondern auch durch die zu erwartenden Gegenreaktionen der übrigen ölproduzierenden Staaten. Für sie stiege die Gefahr, langfristig auf ihrem Öl „sitzenzubleiben“. Die rationalste Reaktion wäre in einem solchen Fall, den Output möglichst zeitnah zu steigern. Dadurch würden die Preise zusätzlich unter Druck geraten, doch wäre dies immer noch die ertragsreichere Variante, als Ölvorräte in ferner Zukunft gar nicht mehr absetzen zu können.

Zwar würden viele Produzenten aufgrund von Kostenüberlegungen ihre Investitionstätigkeit einstellen, was das Angebot belasten dürfte. Mit dem gleichzeitigen Rückgang der Nachfrage hielte sich der dadurch ausgelöste Preiseffekt jedoch in Grenzen. Und das ist der grundlegende Unterschied zum Trump-Scenario: Der Rückgang des Ölpreises wäre unter Clinton nachhaltiger als bei Trump. Auch wenn die im Wahlkampf kommunizierten Einsparziele der Demokratin zu ehrgeizig formuliert sein mögen, rechnen wir dennoch auf lange Sicht, dass die Pariser Klimaziele von einer demokratischen Präsidentin nicht ignoriert werden. Damit aber würden die Ölpreise vermutlich auch im Jahr 2020 noch unter 40 US-Dollar liegen.

Düstere Perspektiven für den Ölpreis

So oder so, es bleibt für den Ölpreis turbulent in den kommenden Jahren. Über die nächsten drei Jahre dürften die Ölpreise sowohl bei einer Clinton-Administration als auch bei einem Präsidenten Trump unter Druck geraten. Clinton dürfte für eine geringere Nachfrage nach dem schwarzen Gold sorgen, Trump den Boom im Frackingsektor verlängern und dadurch das Ölangebot ausweiten.

Ölpreisentwicklung (Brent) in beiden Szenarien

Bei einer Präsidentin Clinton werden die Ölpreise vermutlich auch noch im Jahr 2020 unter 40 US-Dollar liegen. Trumps Energiepolitik wird dagegen dazu führen, dass der globale Investitionsstau bei komplexen Ölprojekten anhält und der Ölpreis 2025 ohne weiteres auf den Knappheitspreis von 100 US-Dollar steigen würde.

Ölpreisprognose

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