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Brexit

„Investoren aufgrund der Verunsicherung verhaltener“

05.09.2016

Der Brexit kann den Handel zwischen der EU und Großbritannien stark verändern – Markus Humfeldt, Leiter Mergers & Acquisitions bei der HSH Nordbank, erklärt, was das für grenzüberschreitende Firmenübernahmen bedeutet.

Zurückhaltung bei Geschäften mit Großbritannien-Bezug? (Bild: ©All Mauritius Images)

Zurückhaltung bei Geschäften mit Großbritannien-Bezug? (Bild: ©All Mauritius Images)

Ende Juni haben die Briten für den Austritt aus der EU gestimmt. Hat sich der Markt für Firmenkäufe beziehungsweise Verkäufe dadurch verändert?
Markus Humfeldt:
Bis jetzt sind bei uns aufgrund der Entscheidung der Briten noch keine Transaktionen abgesagt worden. Allerdings fällt auf, dass – so zeigen es zumindest Indikatoren – die Stimmung hinsichtlich M&A-Aktivitäten in Großbritannien verhaltener geworden ist, während sie in Europa prinzipiell deutlich positiver ist, vor allem in Deutschland. Hierzulande sehen wir bis zum Jahresende eine vergleichsweise hohe Dealaktivität. Das deutet darauf hin, dass es bei Geschäften mit einem starken Bezug zu Großbritannien eine gewisse Zurückhaltung gibt. Die Investoren sind aufgrund der Verunsicherung verhaltener und treffen derzeit keine strategischen Entscheidungen.

Markus Humfeldt, Leiter der Mergers & Aquisitions bei der HSH Nordbank

Markus Humfeldt, Leiter der Mergers & Aquisitions bei der HSH Nordbank

Ist es eine Option für Firmen aus Großbritannien, in der EU ein Unternehmen zu kaufen, um den Zugang zum europäischen Binnenmarkt langfristig sicher zu stellen?
Markus Humfeldt:
Theoretisch ist das eine Option. Aber davon spüren wir konkret noch nichts. Aber solche Überlegungen gibt es natürlich, unter anderem im Finanzsektor. Dort geht es insbesondere darum, den EU-Pass zu erhalten, um in Europa Geschäfte machen zu können.

Welche Rolle spielt die Abwertung des britischen Pfund?
Markus Humfeldt:
Der Sprung nach Europa ist durch die Verluste des britischen Pfund teurer geworden, der Sprung nach Großbritannien dagegen günstiger. Aber bei strategischen Unternehmenstransaktionen sind Währungseffekte in der Größenordnung von etwa zehn Prozent nicht ausschlaggebend. Diese Veränderungen bei den Wechselkursen spielen eher im Kapitalmarkt eine Rolle, also bei der Frage, ob man eine Aktie kauft oder nicht.

Trotz Brexit ist die Stimmung der Verbraucher in Großbritannien gut. Die Lage scheint insgesamt entspannt. Wurden die möglichen negativen Auswirkungen eines Brexit unter Umständen überschätzt?
Markus Humfeldt:
Das kann man noch nicht sagen. Noch ist ja völlig unklar, wie der Austritt Großbritanniens aus der EU vonstattengehen wird und zu welchen Konditionen. Die Konsumenten nehmen die mittel- und langfristigen Gefahren durch den Brexit derzeit einfach nicht wahr, weil noch nichts passiert ist – das kann sich aber bald ändern.