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Auf einen Espresso mit …

Cyrus de la Rubia zur Leitzins-Entscheidung der Fed

23.09.2016

Der Chefvolkswirt der HSH Nordbank zu der Absurdität negativer Zinsen und wie man sich darauf einstellen kann.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Dr. Cyrus de la Rubia: Ende 2015 hat die amerikanische Zentralbank den Leitzins erstmals seit 2006 wieder erhöht. In diesem Jahr haben viele mit vier Erhöhungen gerechnet. Das hätte bedeutet, dass der Leitzins in den USA Ende dieses Jahres bei etwa 1,5 Prozent liegt, stattdessen befinden wir uns bei 0,25 bis 0,5 Prozent.

Weshalb gab es die erwarteten Erhöhungen nicht?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen war der wirtschaftliche Start in das Jahr recht unruhig, die Aktienmärkte in China sind eingebrochen, die Konjunkturdaten in den USA waren schlechter als erhofft. Dazu kommt: Es gibt eine allgemeine Sorge, dass eine Zinserhöhung die Konjunktur in den USA abwürgen könnte. In der letzten Fed-Sitzung haben sich bereits – und das ist ungewöhnlich – drei Mitglieder der Zentralbank klar für eine Zinserhöhung ausgesprochen. Sie wollen eine Rückkehr zur Normalität und fürchten eine Blasenbildung an den Asset-Märkten, beispielsweise im Immobilienbereich.

Die Fed erklärt seit langem, dass sie die Zinsen erhöhen will, tut es aber nicht.
Jetzt müssen Taten folgen. Dieses Jahr ist nichts passiert, das war für die Glaubwürdigkeit nicht gut. Die Fed argumentiert im Zusammenhang mit Zinsschritten gern mit der Inflationsrate, die bei zwei Prozent liegen sollte – von dieser Marke ist die Inflation aber gar nicht weit entfernt.

Welche Rolle spielen die Wahlen bei der Leitzinspolitik in den USA?
Ich glaube nicht, dass das aktuell eine besondere Rolle gespielt hat. Allerdings gehe ich davon aus, dass die Fed keinesfalls direkt vor den Wahlen einen Zinsschritt verkündet.

Wird es 2017 Zinserhöhungen in den USA geben?
Das denke ich schon. Ich glaube allerdings nicht, dass es dieses Jahr noch einen Schritt gibt. Je nach Wahlausgang könnte es zu Turbulenzen an den Aktienmärkten kommen, auch die Wachstumszahlen dürften für das dritte und vierte Quartal nicht so überzeugend sein, denn viele Unternehmen halten sich im Hinblick auf die Wahlen zurück.

Die Bank of Japan hat mit ihren Entscheidungen in dieser Woche die Nullzinspolitik für Jahre festgeschrieben. Ist das die Blaupause für die EZB?
Die übliche Zentralbankpolitik besteht darin, den kurzfristigen Zins zu steuern. In Japan soll nun der Zins für zehnjährige Staatsanleihen bei etwa null Prozent gehalten werden. Das ist eine neue Qualität, denn die Bank of Japan muss so viele Anleihen aufkaufen bis die Zinsen bei null Prozent liegen. Das heißt: Sie hat über die Menge der Anleihen keine Kontrolle – das ist ein gewagtes Experiment. Ich glaube aber nicht, dass das eine Blaupause für die EZB ist – allein weil im Euroraum verschiedene Staaten Anleihen ausgeben, das macht es viel komplexer. Die EZB müsste für jedes Land eine Zielrendite angeben, das ist unrealistisch.