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09.09.2016

Die 3D-Druck-Technologie entwickelt sich rasant weiter, die Einsatzmöglichkeiten steigen, bei gleichzeitig sinkenden Anschaffungskosten. Gelingt es den Logistikern, Teil der Wertschöpfungskette zu bleiben, bieten sich ihnen auch künftig gute Chancen.

Nicht mehr nur Zukunftsmusik sondern echt Chance für Logistiker: 3D-Druck (Bild: ©Getty Images Creative)

Nicht mehr nur Zukunftsmusik sondern echt Chance für Logistiker: 3D-Druck (Bild: ©Getty Images Creative)

Beim 3D-Druck werden Teile aus Kunststoffen, Harzen, Keramik oder Metallen in einem additiven Fertigungsverfahren gedruckt, sprich: Schicht für Schicht aufgebaut. So entstehen komplexe, hochpräzise und voll funktionsfähige Bauteile. Die bislang verhältnismäßig teure und langsame Technik wird bisher vor allem für die Herstellung von Prototypen, wertvollen Einzelteilen oder auch in der Medizin eingesetzt. Mit der permanent weiterentwickelten und verbesserten Hardware sinken die Herstellungskosten für diese Fertigung jedoch und die Einsatzgebiete werden vielfältiger. Auch wenn diese Technologie auf absehbare Zeit kein Ersatz für Massenfertigung sein wird, für Kleinserien rückt eine effiziente Fertigung in greifbare Nähe.

Weltweit werden nach einer Studie von Ernst & Young (EY) bereits heute geschätzt 10 Mrd. Euro Umsatz mit Produkten aus dem 3D-Druck gemacht, rund eine Milliarde davon allein hierzulande. Deutsche Unternehmen liegen bei der Nutzung des 3D-Drucks vorn: Mehr als ein Drittel nutzen die Technik bereits, gefolgt von Südkorea und China mit rund einem Viertel und den USA mit 16%.

Ersatzteile nach Bedarf spart teure Lagerung

Stellt ein Unternehmen Ersatzteile mit Hilfe eines 3D-Druckers her, entfällt nicht nur die teure Lagerung von auf Vorrat produzierten Teilen, sondern auch die zeitsensitive Lieferung zum Kunden. Ein Ersatzteil für ein Flugzeug könnte beispielswiese an Ort und Stelle ausgedruckt, müsste nicht aufwändig beschafft werden. Statt Teile physisch vorzuhalten, gibt es eine „Lagerhaltung“ von digitalen Datensätzen und Druck „on demand“ vor Ort. Das spart Lagerkapazitäten, verkürzt die Transportwege und ermöglicht einen Ressourceneinsatz nach Bedarf. Für traditionelle Logistikunternehmen könnte das wesentliche Umsatzeinbußen für Lager- und Ersatzteillogistik bedeuten, insbesondere bei Express-Lieferungen und Luftfracht mit lukrativen Margen.

Erweitert der Logistiker jedoch seine Produktpalette ─ beispielsweise um 3D-Druck ─ stehen die Chancen gut, sich auch künftig fest in der Wert-schöpfungskette zu verankern. Er könnte die digitalen Baupläne verwalten und den Ausdruck der bestellten Teile dezentral und „just in time“ mit eigener Hardware in Druckzentren übernehmen. Vernetzt man alle Prozessbeteiligten optimal untereinander, könnten Ressourceneinsatz und Routenmanagement effizient und damit kostensparend gesteuert werden.

Der Kunde ist König: individualisierte Produkte

Ob ein selbstgestaltetes Mobiltelefon oder einzigartige Schmuckstücke ─ nach den individuellen Wünschen des Kunden gefertigte Produkte werden immer beliebter. Der 3D-Druck bietet hier ganz neue Möglichkeiten. Konsumenten designen Einzelstücke ─ Produzenten und Handel liefern maßgeschneiderte Produkte. Und das schnell. Denn die Kunden erwarten schnellstmögliche Lieferung zu einem fixierten Zeitpunkt, die Logistik wird zunehmend komplex. Hier gilt es, die dezentrale Lagerung oder eben die Fertigung mittels 3D-Druck sowie auch die Lieferung „auf der letzten Meile“ zu optimieren.

Logistikdienstleister erobern neue Aufgaben

Der Trend zum Outsourcing klassischer Logistikaufgaben in Industrie & Handel verstärkt sich seit Jahren. Kontraktlogistiker, die mit Herstellern und Händlern kooperieren und umfangreiche individuelle Leistungspakete anbieten, übernehmen immer mehr logistiknahe Dienstleistungen. Konfektionierung, Kommissionierung, Sendungsverfolgung sowie die Vormontage von Baugruppen und Lieferungen direkt an die Bänder der Automobilindustrie – Leistungen, die bereits heute von Logistikern angeboten werden. Ein eigenes 3D-Druck-Equipment könnte diese Palette in Zukunft um einen weiteren Baustein ergänzen. Bereits heute macht die Kontraktlogistik für Industrie und Konsumgüter mit rund 90 Mrd. Euro Umsatz nahezu 40 % des gesamten Logistikmarkts aus. Tendenz steigend.

Für viele Hersteller dürfte eine Auslagerung des 3D-Drucks an Dritte eine interessante Alternative sein. Insbesondere kleinere Unternehmen sind noch sehr zurückhaltend: In einer von EY durchgeführten Befragung nannten 40% der Unternehmen hohe Anschaffungskosten als Hinderungsgrund, 28% gaben an, dass die nötige Expertise fehle, und rund ein Fünftel fürchten zu hohe Material- und Servicekosten.

Für Kai-Uwe Höhs, Kundenberater Corporates Logistik bei der HSH Nordbank, ist die zentrale Frage, ob Industrie und Handel selber in den 3D-Druck investieren und diesen Teil der Supply Chain künftig inhouse abdecken werden, oder ob sie die Herstellung an Logistiker outsourcen. „Entscheidet sich ein Unternehmer der Logistikbranche dafür diesen Service künftig anzubieten, wird er zunächst investieren müssen. Kann er sich damit jedoch nachhaltig in der Wertschöpfungskette verankern, wird er sein Geschäftsmodell mittelfristig um einen wichtigen Baustein mit Ertragspotenzial erweitern.“ Erste Versuche von Unternehmen die 3D-Technologie im eigenen Haus zu integrieren gibt es bereits. So testet Panalpina eigene 3D-Druck Zentren und auch DHL und UPS haben Pilotprojekte gestartet.

Quelle: Fraunhofer Top 100 der Logistik 2014/2015

Quelle: Fraunhofer Top 100 der Logistik 2014/2015

Baustellen und Hindernisse

Ob 3D-Druck, Digital Warehousing oder Online-Handel – jede neue technologische Entwicklung bringt auch Risiken mit sich. Eine angemessene IT-Sicherheit bei Datenübertragung und Datenhaltung ist zum Beispiel in den Forschungs- & Entwicklungseinheiten ein zentrales Thema. Auch einige rechtliche Aspekte wie Haftungs- und Gewähr-leistungsfragen oder Fragestellungen rund um Patent- und Lizenzrechte sind noch nicht oder nur teilweise geklärt. Unternehmer, Logistiker und Gesetzgeber werden sich mit diesen Hürden künftig noch beschäftigen müssen.

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