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07.10.2016

Banken profitieren von EZB-Gerüchten und möglicherweise niedrigeren Zahlungen der deutschen Bank, meint HSH-Analyst Patrick Harms

Die Aktienmärkte zeigten in dieser Woche eine leicht positive Tendenz (© Getty Images)

Per Saldo legte der DAX in dieser Woche leicht zu und notiert derzeit bei 10589 Punkten, was einem Zuwachs um 0,48% entspricht. Als der DAX am Dienstag wieder nah an die Marke von 10650 Punkten kletterte, sah es so aus, als könnte der Aktienindex in dieser Woche deutliche Gewinne erzielen – die Zugewinne verschwanden größtenteils wieder am Mittwoch. Der S&P 500 verzeichnete in dieser Woche einen leichten Rückgang um 0,45% und liegt derzeit bei 2160 Punkten, der Eurostoxx 50 notierte zuletzt bei 3034 und stieg um 0,48%.

Die Zugewinne starteten am vergangenen Freitag, als die französische Nachrichtenagentur AFP bekanntgab, dass die Forderung des US-amerikanischen Department of Justice gegenüber der Deutschen Bank deutlich niedriger ausfallen könnte. Der Bericht nannte eine Summe von 5,4 Mrd. US-Dollar anstatt der bisher diskutierten 14 Mrd. Für viele Anleger schien damit die größte Sorge der letzten Wochen – nämlich ein Szenario, in dem die Deutsche Bank angesichts einer extremen Strafe in die Knie gehen könnte – vom Tisch. Davon profitierte der DAX am Dienstag merklich.

Mit der guten Stimmung war es allerdings schon am Mittwoch wieder vorüber, als die Meldung öffentlich wurde, es gebe innerhalb des EZB-Direktoriums einen „informellen“ Konsens über ein „Tapering“ der Anleihekäufe um 10 Milliarden Euro im Monat. Diese Meldung wurde an den Märkten als Signal aufgenommen, die EZB könnte in Kürze beginnen, ihr Quantitative Easing-Programm abzubauen. Die EZB allerdings dementierte die Meldung umgehend – auch steht sie nicht in Widerspruch mit einer Verlängerung des Programms über den März 2017 hinaus. Vielmehr bedeutet es, dass erst wenn eine Beendigung des Programms beschlossen wird, der Ausstieg ähnlich graduell verlaufen wird wie der Ausstieg der Fed aus ihrem Programm. In den USA waren schon in der letzten Woche Stimmen laut geworden, die eine Zinserhöhung im November nicht mehr gänzlich ausschlossen. In dieser Woche kam noch der als „Taube“ bekannte Fed-Präsident Evans aus Chicago hinzu, der unter der Bedingung, dass die Datenlage erfreulich bleibt, ebenfalls eine Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlich hält und auch einen Schritt im November nicht gänzlich ausschloss. Daraufhin stieg die aus den Fed-funds-futures abgeleitete Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im November von 14 auf 21% und die Aktienkurse in den USA reagierten mit einem leichten Rückgang. Mit der wahrgenommenen Aussicht auf steigende Zinsen und der Beruhigung um die Deutsche Bank legten die Banken im Stoxx Europe in dieser Woche um 3,7% zu, mit dem weiter steil aufwärts gerichteten Ölpreis gewannen Öl- und Gasunternehmen 2,2%. Hinten dran waren in dieser Woche die Energieversorger mit -3,8% und die Telekommunikationsbranche mit -2,7%. Der Index insgesamt gewann daher nur 0,4%.

In der kommenden Berichtswoche erhalten EZB-Präsident Draghi und weitere Offizielle der Notenbank die Gelegenheit, im Rahmen der jährlichen IWF-Konferenz für mehr Klarheit zu sorgen. Sollte es in der Pressekonferenz am 8. Oktober zu Hinweisen über die Zukunft des Quantitative Easing-Programms geben, wird dies die Aktienmärkte in der nächsten Woche bewegen.