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Die Aussichten für die Logistikbranche sind positiv, wenngleich es einige Rückschläge und Herausforderungen gibt, so das Fazit des HSH Nordbank Branchenberichts Logistik & Infrastruktur

Das Zeitalter der Globalisierung hält nicht nur an, es intensiviert sich noch weiter. Das sind beste Voraussetzungen für die Logistikbranche. „Trotz kleiner Widrigkeiten und Hindernisse sind die Aussichten für die Felder Logistik und Infrastruktur deutlich positiv“, sagt Roland Schwab, Abteilungsleiter des Bereichs Logistik & Infrastruktur bei der HSH Nordbank und einer der Autoren des Branchenberichts Logistik & Infrastruktur, den die HSH Nordbank kürzlich veröffentlicht hat. Wir beleuchten im folgenden die drei Subsegmente „Schienengüterverkehr“, „Flughäfen“ und „Spedition & Logistik“, die in dem Bericht genauer untersucht wurden.

Der Schienengüterverkehr hängt dem Potenzial hinterher, holt aber wieder langsam auf

Manchmal können ein paar Tage Streik reichen, um auf einem Markt eine nachhaltige Veränderung zu bewirken. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurde der Schienengüterverkehr elf Tage lang bestreikt. Obwohl es einen Ersatzfahrplan gab und es am Ende nur zu einer Ausfallquote von 20 Prozent kam, lässt sich noch nicht abschätzen, ob die teilweise Verlagerung des Transports von der Schiene auf die Straße vorübergehend war oder dem Schienengüterverkehr dauerhaft schadet. Die Streiks sind nicht der einzige Gegenwind, mit dem der Schienengüter in jüngster Zeit zu kämpfen hat. Unzureichende Investitionen in die Schieneninfrastruktur führen zu überlasteten Hauptstrecken und häufigen Betriebsstörungen. Der niedrige Dieselpreis erhöht den Preisdruck von Seiten der Straße. Zudem ist der Transport konjunktursensitiv, demzufolge hinterlassen Wirtschaftskrisen wie die von 2008 und den Folgejahren immer auch ihre Kerben in der Bilanz des Schienengüterverkehrs.

Auf den ersten Blick scheint die Schiene unter den genannten Schwächen und Risiken nicht Recht zu einer Dynamik zu finden. In der EU ging die Schienengüterverkehrsleistung um 1. Halbjahr 2015 um 0,6 Prozent zurück. Im gesamten letzten Jahrzehnt konnte der Modal Split Anteil, also der Anteil der Schiene am Gesamttransport, nicht gesteigert werden. „Das alles aber scheint nur eine Art Luftholen zu sein für weiteres Wachstum“, sagt Roland Schwab.

Doch es gibt eine Reihe von Faktoren, die für eine dynamischere Zukunft des Schienengüterverkehrs sprechen. Ganz wichtig: „Es gibt zunehmend private Anbieter auch auf den Schienen, das belebt das Geschäft und sorgt für Dynamik am Markt“, sagt Schwab. Weitere Faktoren: Die Mautpflicht schwächt die Konkurrenz von Seiten der LKWs wieder ein Stück weit ab. Die politische Rückendeckung für den Verkehrsträger Schiene ist groß, ist es doch ein politisches Ziel von Deutschland und auch Europa, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Durch den zunehmenden Welthandel erlangt der Seehafenhinterlandverkehr immer größere Bedeutung. Das und noch einige andere Faktoren führen dazu, dass das Verkehrsministerium BMVI in seiner Verkehrsverflechtungsprognose 2030 bereits mit einem leicht überproportionalen Wachstum des Schienengüterverkehrs von 1,8 Prozent pro Jahr gegenüber 1,6 Prozent Wachstum beim Gesamtgüterverkehr rechnet.

Die Flughäfen sind von beständig hohen Wachstum verwöhnt und reagieren gleichzeitig empfindlich auf nicht beeinflussbare Risiken

Von diesem Wachstum können andere Bereiche nur träumen: Das Fluggastaufkommen in den europäischen Airports ist 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Prozent gewachsen. Und das auf breiter Ebene: Die südeuropäischen Krisenlänger wie Spanien, Portugal und Griechenland haben eine rasante Erholung erlebt, in Deutschland ging es immerhin um 3,9 Prozent nach oben.

Dieses erhöhte Fluggastaufkommen bietet den Flughäfen eine ideale Grundlage, um weiter zu wachsen. Dabei liegen die Ertragschancen nicht nur auf sogenannten aeronautical Revenues (Start und Landegebühren für Airlines, Terminalnutzungsgebühren, etc.), sondern auch auf den sogenannten nonaeronautical Revenues (Umsätze aus Mieten, Handelskonzesionen, Parkplatzgebühren). Wenngleich sich das Wachstum bei den nonaeronauticel Revenues etwas abgeschwächt hat, gibt es hier immer noch gute Aussichten. Aber auch die aeronautical Revenues werden steigen, brauchen sich die meisten Flughäfen über Konkurrenz doch kaum Sorgen zu machen, besitzen sie in ihrem Einzugsgebiet doch oft ein regionales Monopol.

Bei den Drehkreuzen hingegen kommt es vermehrt zu Wettbewerb um die Umsteigepassagiere. Oft findet dieser Wettbewerb mittels Rabatt- und Anreizsystemen für die Flughafengebühren statt, die die Umsätze schmälern. Auch kleine Airports haben zu kämpfen, haben sie doch oft nur wenige oder gar nur eine einzige Airline, von der sie abhängig sind. Und dann ist da noch die aktuelle Zinssituation: das niedrige Zinsniveau senkt die Kosten der kapitalintensiven Flughafenindustrie, denn gut 10 Prozent der Gesamtkosten der Airports entfallen auf Zinsaufwand. Das ist aktuell erfreulich für die Airports und erleichtert die Finanzierung notwendiger Investitionen in die Flughafeninfrastruktur.

Am bedrohlichsten aber sind wohl die sogenannten externen Schocks: Streiks, Unwetter, Terroranschläge, ansteckende Krankheiten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sie den Flugverkehr schlagartig lahmlegen können. „Wir haben es jüngst in Brüssel erleben können, welche enormen wirtschaftliche Auswirkungen eine tagelange Sperrung des Flughafens zur Folge haben kann“, sagt Schwab. „Andererseits gab es danach auch wieder eine relativ rasche Erholung. Solche Vorfälle sorgen für Dellen, aber normalerweise bewirken sie keine Trendumkehr.“

Der Bereich Spedition & Logistik profitiert vom weiter andauernden Trend zur Globalisierung – leidet aber auch unter Modernisierungs- und Konkurrenzdruck

Das gesamte Feld Spedition & Logistik in Statistiken zusammenzufassen und zu vereinheitlichen, ist so gut wie unmöglich, dazu ist das Segment zu vielfältig. Im Branchenbericht wurden daher drei größere Teilbereiche herausgegriffen und genauer betrachtet: Die „Güterbeförderung im Straßenverkehr“, die „Post-, Kurier- und Expressdienste“ und der Zweig „Lagerei und sonstige Dienstleistungen“.

Der erste Befund ist kennzeichnend für die aktuelle Situation der Logistikbranche: Im Bereich „Lagerei und sonstige Dienstleistungen“ kam es im dritten Quartal 2015 zu einem Umsatzrückgang von 0,5 Prozent, bei der „Güterbeförderung im Straßenverkehr“ ging der Umsatz im dritten Quartal 2015 gar um 0,9 Prozent zurück. Lediglich das Subsegment „Post-, Kurier- und Expressdienste“ legte leicht zu (0,6 Prozent), aber auch hier ist das Wachstum abgeschwächt gegenüber den vorigen Quartalen. Diesen leicht negativen Trend bestätigt auch der Branchenverband Bundesvereinigung Logistik (BVL): Der Stimmungsindikator Logistik des BVL befindet sich unter dem Normal-Niveau der letzten Jahre. „Es deutet allerdings vieles darauf hin, dass diese Stagnation nur eine Art Luftholen für weiteres Wachstum ist“, sagt Schwab.

Denn ungebrochen hält der Trend zur weiteren Globalisierung an, davon profitiert natürlich auch die Logistikbranche, insbesondere in Deutschland mit seinem starken Außenhandel und seiner geografischen Lage im Herzen Europas. Große Logistikkonzerne mit globaler Aufstellung können beim globalen Transport die gesamte Wertschöpfungskette abbilden haben dabei besonders gute Chancen auf Wachstum. Für kleinere Unternehmen hingegen ist die Konkurrenz besonders hoch, weil sie meist nur Teile der Logistik anbieten können.

Eine Chance wiederum bietet die Digitalisierung, Stichwort Industrie 4.0. Ein Engagement hier ist für die Logistiker der entscheidende Faktor, um auch künftig vorne dabei zu sein. Den relativ hohen Investitionen steht ein erhebliches Kosteneinsparungspotenzial gegenüber, sagt Schwab. „Mittel- und langfristig werden diese Vorreiter zu den Gewinnern gehören und sich somit etwas Luft im Wettbewerb verschaffen.