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Gesundheitswirtschaft
01.09.2016

Die Gesundheitswirtschaft ist mit einem Wachstum von rund 3,1 Prozent pro Jahr ein gigantischer Markt, der sich derzeit im Umbruch befindet. Im letzten Teil unserer Serie betrachten wir die Medizintechnik.

15 Prozent Weltmarktanteil vereinen die deutschen Medizintechnikunternehmen auf sich. Damit ist Deutschland weltweit die Nummer zwei hinter den USA (18 Prozent) und deutlich vor Japan (10 Prozent). Vieles deutet laut dem Branchenbericht Gesundheitswirtschaft der HSH Nordbank darauf hin, dass Deutschland diese gewichtige Rolle in der Branche nicht so schnell verlieren wird – wenngleich es für die Branche vor allem hierzulande auch Gegenwind geben wird. Wir erklären, was das Wachstum weiter stimulieren könnte und wo die Risiken liegen:

Viele Zeichen auf Wachstum:

400.000 verschiedene Medizinprodukte gibt es nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums derzeit in Deutschland. Der Umsatz von medizintechnischen Produkten umfasst etwa 25 Milliarden Euro, darunter sind Produkte wie Herzschrittmacher, künstliche Gelenke und Hörgeräte. 2015 lag das Wachstum des Segments dem Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien zufolge bei stolzen 12 Prozent. Für die deutschen Medizintechnikunternehmen ist aber vor allem der ausländische Markt entscheidend – die Exportquoten liegen bei 60 bis 65 Prozent.

Der internationale Erfolg der deutschen Medizintechnikunternehmen findet dabei auf breiter Basis statt, der Markt ist stark fragmentiert: 95 Prozent der Medizintechnik-Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter. In 1200 Betrieben beschäftigt die Medizintechnikindustrie rund 125.000 Menschen. Hinzu kommen weitere 11.300 Klein- und Handelsunternehmen mit rund 67.000 Beschäftigten. Oft ist die Medizintechnik auch nur eine Sparte großer Mischkonzerne. Das bemerkenswerte, keine andere Branche kann eine derartige Quote aufweisen: Rund 15 Prozent der Beschäftigten sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig.

Der technische Fortschritt auf allen Ebenen – von der molekularen Diagnostik bis hin zu neuen Software-Entwicklungen als Analyse-Tools – wird dieses Wachstum nicht abreißen lassen, sondern für neue Produkte sorgen.

Dementsprechend positiv ist der Ausblick für die nächsten Jahre: Experten gehen von Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent pro Jahr bis 2020 aus.

Die Risiken: Steigender Preisdruck und Fachkräftemangel

„Trotz aller wirklich guten Aussichten ist auch die Medizintechnik-Branche nicht frei von Risiken“, sagt Tom Miller, Autor des Branchenbericht Gesundheitswirtschaft der HSH Nordbank. So ist das Wachstum in Deutschland inzwischen deutlich begrenzt. „Die Krankenhäuser und Zentren bekommen für jeden Patienten eine Fallpauschale, dementsprechend suchen sie nach einem Produkt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Miller. Dementsprechend nimmt auch die Offenheit von deutschen Kliniken und Zentren gegenüber neuen technischen Innovationen ab. „Der Spardruck im Gesundheitssystem ist derzeit hoch, das verlangsamt natürlich auch Innovationen“, sagt Miller.

Auch der Fachkräftemangel spielt zunehmend eine Rolle. So sucht die Medizintechnikindustrie vor allem für Forschung und Entwicklung gut ausgebildetes Personal, aber auch für Zulassungsfragestellungen. Weil die Qualifizierten in diesem Bereich knapp sind, könnte auch das Wachstum entsprechend begrenzt sein. Aktuell haben 83 Prozent der Unternehmen offene Stellen. Zudem erschwert es der Innovationsdruck, bestehende Produkte zu verbessern, kleineren Unternehmen, in den Markt einzusteigen beziehungsweise darin bestehen zu können. Große Konzerne mit entsprechend großen Budgets haben es Miller zufolge hier deutlich einfacher.

Lesen Sie auch:

Teil 1 unserer Serie über die Gesundheitswirtschaft, warum Branchenexperte Tom Miller die Aussichten als gut bewertet.
Teil 2 unserer Serie über die Gesundheitswirtschaft, in der wir die Klinklandschaft in Deutschland beleuchten.
In Teil 3 unserer Serie über die Gesundheitswirtschaft, wie sich Pflegeinrichtung auf die neuen Herausforderungen einstellen müssen.
In Teil 4 unserer Serie über die Gesundheitswirtschaft, warum sich in der Pharmaindustrie Stärke durchsetzt.

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