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Lebensmittelbranche
28.07.2016

Die Lebensmittelbranche steht vor Herausforderungen: Kapazitäten sind nicht ausgelastet, der Preisdruck im Einzelhandel ist hoch, die Margen sinken. Gleichzeitig muss investiert werden. Karsten Maschler, M&A Experte der HSH Nordbank, erklärt die Beweggründe für Fusionen und auf was bei Zusammenschlüssen unbedingt geachtet werden sollte.

Karsten Maschler, M&A Experte der HSH Nordbank

Karsten Maschler, M&A Experte der HSH Nordbank

In den letzten Monaten hat es eine Reihe von Übernahmen in der Lebensmittelindustrie gegeben. Ob Müsli, Saft oder veganer Joghurt – in vielen Bereichen schließen sich Unternehmen zusammen. Sind diese Transaktionen Einzelfälle oder rollt gerade eine Konsolidierungswelle los?

Weder noch. Die Lebensmittelbranche steht schon seit einiger Zeit unter Druck, weshalb wir regelmäßig Transaktionen in diesem Bereich sehen. Allerdings sind die Nahrungsmittelhersteller zuletzt wieder aktiver geworden. Während größere, etablierte Marktteilnehmer heute finanziell noch vergleichsweise gut dastehen, mussten insbesondere kleinere Unternehmen in den vergangenen Jahren an ihre Reserven gehen, und diese Polster sind nun aufgebraucht. Die Ausgangslage für eine Konsolidierung in der Branche ist also vergleichsweise günstig.

Der Zusammenschluss also als Weg zurück zu neuer Stärke?

Er ist auf jeden Fall eine strategische Option, die ernsthaft geprüft werden sollte. Stößt ein Unternehmen an seine Grenzen – sei auf der Wachstums-, Kosten- oder Kapitalseite – kann es sinnvoll sein, die Kräfte zu bündeln. Dabei muss es nicht immer die Komplettübernahme sein: auch ein Joint Venture kann eine geeignete Form sein, um Einkaufsvorteile zu realisieren, die Produktionskapazitäten auszulasten oder gemeinsam Investitionen zu stemmen. Und auch etablierte Unternehmen können durch einen Zusammenschluss Marktopportunitäten im Zweifel schneller wahrnehmen und flexibler auf regionale Trends reagieren, als es durch eigenes Wachstum möglich wäre.

Was sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zusammenschluss, worauf ist zu achten?

In erster Linie müssen die Ziele von Käufer und Verkäufer in Einklang gebracht werden. Dazu ist eine gute Beratung wichtig, weil vor allem der Unternehmensverkauf für die Eigentümer oft eine Herzensangelegenheit ist. Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und dem richtigen Käufer ist dabei ebenso zentral, wie die nach einer ähnlichen Mentalität und Kultur beider Unternehmen. Und am Ende muss die Kombination beider Unternehmen – so abgedroschen das klingen mag – zu einem Mehrwert führen. Das kann eine verbesserte Kostenstruktur sein, ein attraktiveres Produktportfolio oder der bessere Marktzugang. Der Grund für einen Zusammenschluss muss aber nicht im operativen Geschäft liegen: Beim Teilverkauf von Valensina etwa spielte auch die Refinanzierung der teuren Mittelstandsanleihe eine Rolle. In jedem dieser Fälle ist eine sorgfältige Prüfung der geplanten Veränderung entscheidend. Ziel muss in erster Linie ein besser positioniertes und nicht nur größeres Unternehmen sein. Größe allein ist kein Erfolgsgarant.

Welche Unternehmen schließen sich typischerweise zusammen? Übernimmt der Große den Kleinen, der Starke den Schwachen, ein Zusammenschluss auf Augenhöhe?

Hier zu typisieren ist schwierig, weil es für jede Konstellation treffende Beispiele gibt. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass größere, ertragsstarke Unternehmen über höhere Akquisitionskraft verfügen. Doch auch ein kleiner Spieler mit einem finanzstarken Eigentümer kann akquirieren. Das ist das Erfolgsrezept vieler deutscher Industrie-Holdings, die sich verstärkt neben Fonds und strategischen „Pure Plays“ als Investoren positionieren. Im Gruppenverbund kann ein kleines Unternehmen seine Eigenständigkeit weitgehend erhalten und gleichzeitig mehr Gewicht auf die Waage bringen. Aber auch kleinere unabhängige Spieler können durch einen Zusammenschluss gewinnen.

Wie wichtig ist die Ansprache von Interessenten außerhalb Deutschlands?

Am Ende ist sie unabdingbar. Die globale Aufstellung der Einzelhändler zwingt auch die Produzenten mitzuziehen, weil nicht alle Lebensmittel über weite Strecken transportiert werden können. Zudem sind Deutschland und Europa attraktive Ziele für Investoren aus Asien und Amerika, die allerdings die oft hohen Markteintrittsbarrieren und den intensiven Wettbewerb scheuen. Die Übernahme eines etablierten Marktteilnehmers kann hier ein erfolgsversprechender Ausweg sein. Als Transaktionsberater ist unser Ziel immer, dem Kunden eine möglichst passende und vorselektierte Auswahl von Interessenten zu präsentieren und den Prozess somit schlank zu gestalten. Internationale Adressen dürfen in diesem Portfolio selbstverständlich nicht fehlen.

Welche Rolle spielen das aktuelle Niedrigzinsumfeld und die hohe Liquiditätsausstattung von Unternehmen?

Günstiges Fremdkapital und volle Unternehmenskassen sind grundsätzlich gute Rahmenbedingen für Transaktionen. Insbesondere Strategen sind in dieser Situation versucht, einen Wettbewerber aus dem Markt zu nehmen. Und Fonds, die gegenüber ihren Investoren ein festes Renditeversprechen gegeben haben, müssen die ihnen anvertrauten Mittel anlegen. Hier ist Stillhalten eine schlechte Strategie, weil dadurch Opportunitätskosten entstehen. Wir sehen sowohl wieder höher finanzierte Deals als auch eine gestiegene Bereitschaft, mehr Eigenkapital zu investieren als noch vor einigen Jahren.

Sehen Sie weitere Transaktionen in der Lebensmittelbranche kommen?

Ja, eindeutig. Der Markt ist in Bewegung und die Vorzeichen für eine weitere Konsolidierung stehen gut.

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