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Wealth Management
27.07.2016
Oliver Neckel, Leiter Wealth Management der HSH Nordbank

Oliver Neckel, Leiter Wealth Management der HSH Nordbank

Brexit, Krise in der Türkei, Terror weltweit – die politische Lage ist angespannt, die Ausschläge an den Kapitalmärkten sind groß. Was raten Sie Anlegern?
Oliver Neckel: Es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren und auf die fundamentalen Daten zu achten. Die wurden zuletzt häufig von der politischen Aktualität überlagert. Die  Unternehmensgewinne steigen, die niedrigen Zinsen begünstigen Investitionen und stützen den Konsum, dazu kommt, dass Wahljahre in den USA traditionell gute Börsenjahre sind. Aber es ist schon richtig: Insgesamt erhöht sich die Komplexität, umso wichtiger ist es für den Kunden, eine professionelle und vertrauenswürdige Beratung zu nutzen.

Vielen Anlegern dürfte es 2016 bislang nicht leicht gefallen sein, den von Ihnen geforderten kühlen Kopf zu bewahren.
Oliver Neckel: Die Märkte sind ruppig in das Jahr gestartet. Der Dax hat bis zu 18 Prozent nachgegeben, Ende Juli lagen wir bei einem Minus von knapp fünf Prozent. Wir sind mit unserer Strategie jedoch recht erfolgreich gewesen. Bei unserem konservativen Ansatz liegen wir nach Kosten bei einem Plus von zwei Prozent. Der Aktienanteil liegt hier bei 20 bis 30 Prozent, wir haben frühzeitig in den US Dollar investiert  und davon profitiert, dass Anleihekurse gestiegen sind.

Dann müssen Sie Anleihen im Portfolio gehabt haben, die noch eine Verzinsung geboten haben.
Oliver Neckel: Ja, stimmt, deren Kurse sind gestiegen. Aktuell bewegt uns natürlich die Verschärfung der negativen Zinsen. Der Einlagenzins der EZB liegt inzwischen bei minus 0,4 Prozent. Das tut den Banken weh, aber auch den Anlegern, denn für sie gibt es keinen risikolosen Zins mehr. Dass die EZB nun für 80 Milliarden Euro im Monat Unternehmensanleihen aufkauft, führte zu weiterem Druck auf die Renditen und hat das Chance-Risiko-Profil dieses Teils des Anleihemarkts verschlechtert.

Was heißt das?
Oliver Neckel: Das heißt: An Aktien als Anlageform geht kein Weg vorbei. Der Dow Jones hat kürzlich ein neues Allzeithoch erreicht. Der Dax hat sich erholt, den Jahresschlussstand sehen wir bei 10750 Punkten. Insgesamt erleben wir eine hohe Nachfrage der Konsumenten und der Unternehmen. Die durchschnittliche Dividendenrendite der Dax-Unternehmen ist derzeit um vier Prozent höher als die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen. All das spricht für Aktien, zumal nichts darauf hindeutet, dass die Zentralbanken demnächst die Zinsen erhöhen. Gerade der Brexit dürfte das Gegenteil bewirken.

Sollten Anleger in einzelne Werte, in Fonds oder ETF´s investieren?
Oliver Neckel: Das kommt darauf an. Wenn wir ETF´s empfehlen, dann müssen diese eine gewisse Größe haben und physisch replizierbar sein. In einem DAX-ETF sind dann tatsächlich alle 30 Dax-Titel enthalten und nicht nur eine synthetische Abbildung von ihnen. Wer kurzfristig handelt oder einen Standardindex möchte, kann zu ETFs greifen, weil sie günstig sind. Wenn es spezieller wird, kann ein Fonds sinnvoll sein, obwohl die Kosten etwas höher sind. Auch Einzeltitel bieten gute Chancen, vor allem, wenn sie attraktive Dividenden ausschütten. Es gibt also kein entweder oder – jedes Vehikel hat Vor- und Nachteile.

Auf Bundesanleihen gibt es Negativzins. Was können Anleger tun, die keine Schwankungen mögen?
Oliver Neckel: Es gibt am Anleihemarkt Möglichkeiten, beispielsweise bei Hochzinsanleihen. Die höhere Rendite ist allerdings Ausdruck des höheren Risikos. Daher sollte diese Anlageform über einen Fonds abgebildet werden. Aber wenn Sie mich fragen, wie hoch der risikolose Zins ist, dann muss ich Ihnen leider sagen: minus 0,4 Prozent im Jahr. Das Tagesgeldkonto ist die schlechteste Variante, denn obwohl wir kaum Inflation haben, verliert man Geld.

Nach dem Brexit sind die Börsen eingebrochen, haben sich inzwischen aber wieder erholt. Ist das Schlimmste damit überstanden?
Oliver Neckel: Ja, zumindest im Hinblick auf den Kapitalmarkt. Die Marktmeinung ist, dass es einen Kompromiss gibt, der allen Interessen gerecht wird, denn die Briten brauchen uns und wir brauchen die Briten. Wenn der ein oder andere schrille Ton zu hören ist, kann es allerdings zu kleineren Turbulenzen kommen.

In unsicheren Zeiten ist Gold oft eine gefragte Anlage – ist das Edelmetall immer noch die klassische Krisenwährung?
Oliver Neckel: Die Kurse sind zwar gestiegen, wir erleben aber keinen neuen Run. Viele Kunden haben noch Bestände, die sie nicht verkauft haben, als die Preise oben waren.

Was ist mit Immobilien?
Oliver Neckel: Zu Immobilien haben Anleger meist eine emotionale Bindung, weil sie das Gebäude sehen und anfassen können. Allerdings muss man wissen, dass auch Immobilien nicht ohne Risiko sind. Es gibt nur nicht – anders als für Aktien – jeden Tag einen Preisausweis für Häuser.

Wie lautet Ihre Prognose für die zweite Jahreshälfte 2016?
Oliver Neckel: Wir werden hohe Schwankungen erleben. Es ist aber weiterhin richtig, in Aktien zu investieren, denn die Anleihemärkte sind schwach. Zudem haben sich die Aktienmärkte in der langfristigen Betrachtung immer positiv entwickelt.