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Städtepartnerschaften
25.04.2016

Beim zweiten Urban Partnership Forum in Hamburg diskutierten Vertreter der Partnerstädte Hamburg, Shanghai, Osaka und Chicago über das Thema „Strategien für Wirtschaftswachstum: Metropolen handeln“. Wolfgang Schmidt, Staatsrat und Bevollmächtigter der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, bei der Europäischen Union und für auswärtige Angelegenheiten, erklärt, weshalb Kooperationen unter großen Städte heute wichtiger sind denn je.

Wolfgang Schmidt, Staatsrat und Bevollmächtigter der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, bei der Europäischen Union und für auswärtige Angelegenheiten (Foto: Sven Wied)

Osaka, Shanghai, Chicago, Hamburg – die Städte sind sehr unterschiedlich. Was können sie dennoch voneinander lernen?
Wolfgang Schmidt: Die Städte sind unterschiedlich, aber dennoch haben sie etliche Gemeinsamkeiten. Alles vier sind keine Hauptstädte, es sind Handelsstädte und – mit Ausnahme von Chicago – sehr bedeutende See-Hafenstädte. Und alle vier Städte mussten immer ihr eigenes Geld verdienen – Hauptstädte profitieren oft von ihrer Sonderstellung und der Unterstützung der anderen Landesteile. Da die Welt durch die Globalisierung immer enger zusammenrückt, ist es wichtig, dass diese Städte voneinander lernen, um ihre eigene Position zu stärken.

Ursprünglich hatten die Städtepartnerschaften einen stark symbolischen Charakter: Sie trugen zur Aussöhnung der Völker bei. Steht inzwischen der praktische Nutzen im Vordergrund?   
Wolfgang Schmidt: Die Partnerschaften gehen längst stark über das Symbolische hinaus. Wir wollen nicht mehr nur ein politisches Zeichen setzen, sondern politischen Nutzen daraus ziehen. Hamburg hat seine Partnerstädte bewusst so ausgesucht, dass sich der Austausch konkret lohnt.
Die Fragestellungen, die sich den großen Städten stellen, ähneln sich: Wie schaffen wir es, ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen? Wie bekommen wir unsere Verkehrsprobleme in den Griff? Wie werden wir mit der Umweltbelastung fertig? Wie organisieren wir Wachstum? All das treibt nicht nur uns um, sondern alle Städte, mit denen wir verbunden sind.

Das heißt, der Austausch ist vor allem von wirtschaftlichen Themen geprägt.
Wolfgang Schmidt: Nein, das Schöne an unseren Städtepartnerschaften ist, dass sie eben nicht auf ein einziges Thema beschränkt sind. Sie decken die gesamte Bandbreite ab: Das beginnt bei der Wirtschaft, geht über Kultur, Wissenschaft, Politik und schließt den Schüleraustausch mit ein. Diese Vielfalt macht den Austausch lebendig.

Die Partnerstädte haben eine große Handelstradition. In der Diskussion auf dem Urban Partnership Forum ging es viel um Innovation. Inwieweit ist Innovation für Handelsstädte wichtig?
Wolfgang Schmidt: Innovation ist für Handelsstädte überlebenswichtig, denn wir stehen alle in einem harten Wettbewerb. Schauen wir doch nur, wie sehr sich Häfen in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben: Containerisierung, Digitalisierung, Automatisierung. Wir reden in Hamburg über den Smart Port – über die Frage, wie das Internet der Dinge die komplette Logistik verändert.

Durch Innovation verschaffen sich Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil. Wie leicht verrät man diesen an einen Wettbewerber?
Wolfgang Schmidt: Der Hamburger Hafen und der Hafen von Shanghai sind keine Konkurrenten, sondern stehen jeweils an einem Ende der Handelsbeziehung. Deshalb haben die beiden keine Schwierigkeiten, Informationen auszutauschen.

Gibt es eine besondere Idee oder Erkenntnis, die Sie aus der Diskussion auf dem Urban Partnership Forum mitnehmen?  
Wolfgang Schmidt: Mir fällt bei diesen Gesprächen immer auf, wie spannend Städtepartnerschaften sind. Und mir ist wieder aufgefallen, wie sehr Unternehmen bei Standortentscheidungen auf weiche Faktoren setzen, also welche Bedingungen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort vorfinden. Das bestärkt uns als Freie und Hansestadt Hamburg darin, diese Themen in Gesprächen mit potentiellen Investoren zu diskutieren.