SUCHE

18.03.2016

Ab 2017 wird der Wettbewerb in der Windindustrie stärker. Dennoch sehen Unternehmer laut einer Studie positiv in die Zukunft.

Fast zwei Drittel der Onshore-Windkraft-Unternehmer blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung. Gerade im europäischen Ausland brummt das Geschäft.

Fast zwei Drittel der Onshore-Windkraft-Unternehmer blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung. Gerade im europäischen Ausland brummt das Geschäft. (Foto: picture alliance / ZB)

Die Erneuerbare-Energien-Branche ist und bleibt optimistisch – daran ändern auch die veränderten Rahmenbedingungen nichts, die das neue Ausschreibungsverfahren in Deutschland ab 2017 mit sich bringen wird. Die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung für Ökostrom ist dann passé. Die HSH Nordbank befragte für eine Marktexpertise Anfang dieses Jahres mehr als 80 Unternehmen der Wind-Onshore-Branche, welche Auswirkungen dieses veränderte Modell auf Marktakteure, Projekte und Investitionen haben wird. Sind die Ausbauziele beim Strom aus Erneuerbaren Energien zu verwirklichen? Welche Konsequenzen hat der geplante Förderstopp bei negativen Strompreisen?

Steigende Umsätze in der Windbranche, vor allem im Ausland


Mit weiter steigenden Umsätzen auch für das laufende Geschäftsjahr rechnen 64 Prozent der Befragten (Dienstleister, Anlagenbetreiber und Investoren) und sehen damit die Fortsetzung des positiven Trends aus dem Vorjahr. „Diese erwartete Umsatzsteigerung basiert vor allem auf vorgezogenen Investitionen in Deutschland und einer zunehmenden Verlagerung von Geschäftsaktivitäten ins Ausland“, erläuterte Lars Quandel, Leiter Energie & Versorger der HSH Nordbank, vor Journalisten in Hamburg. Zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer gaben an, dass sie ihre Geschäftsaktivitäten im Ausland, überwiegend in Europa, verstärken würden.

Gemäß der Novelle 2016 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) werden ab 2017 die Fördersätze für alle wesentlichen Erneuerbare-Energien-Anlagen – also auch für neue Onshore-Windenergieanlagen – in einem wettbewerblichen Ausschreibungsverfahren zwischen den Anlagenbetreibern ermittelt. Damit will die Bundesregierung das bislang praktizierte System der staatlich festgelegten Einspeisevergütung für Ökostrom ersetzen und die Kosten für die Energiewende senken.

Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen meinte, sie beobachte veränderte Finanzierungsanforderungen der Banken und erwarte höhere Eigenkapitalquoten durch das Ausschreibungsverfahren. Diese Befürchtung konnte Quandel zumindest für seine Bank entkräften: „Die Finanzierungslaufzeiten werden nicht beeinträchtigt, auch im Rahmen der Ausschreibung wird es eine staatliche Förderung über 20 Jahre geben.“ Doch würden die Kunden künftig früher an Banken herantreten. Lars Quandel: „ Wir haben entsprechende Kapazitäten geschaffen und uns darauf eingestellt.“ Die HSH Nordbank habe bereits viele Photovoltaik-Projekte in Frankreich begleitet, wo das Ausschreibungsverfahren gängige Praxis ist. Daher sehe sich die Bank gut vorbereitet, um die Kunden auch in Deutschland erfolgreich bei der Umsetzung ihrer Projekte zu begleiten.

Ausschreibungsverfahren gefährdet massiv die Akteursvielfalt


Zuversichtlich ist die Branche auch mit Blick auf den im EEG geplanten Ausbaukorridor für Onshore-Windenergie von jährlich 2.500 Megawatt bis zum Jahr 2025 – mehr als die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer geht davon aus, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Doch würden durch das neue Verfahren Akteure vom Markt verschwinden, befürchten 90 Prozent der Befragten. Vor allem kleine Projektentwickler, Privatinvestoren, Bürgerwind-Initiativen und Landwirte zählten zu den Betroffenen. „Eine solche Entwicklung könnte nicht nur die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Erneuerbaren Energien gefährden, sondern damit würde auch eines der geplanten Ausschreibungsziele – der Erhalt der Akteursvielfalt – verfehlt werden, warnte Lars Quandel von der HSH Nordbank.

Die Windindustrie hat sich daher mit einer gemeinsamen Erklärung in die aktuelle Debatte um das EEG 2016 eingeschaltet. Die mehr als 40 Unterzeichner – darunter Unternehmen, Energieversorger, Banken und Verbände – befürchten strukturelle Verwerfungen in der gerade auch international erfolgreichen deutschen Windindustrie. Das Bündnis wehrt sich vor allem gegen die vom Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagene „Windformel“, mit der die Menge des weiteren Ökostromausbaus gesteuert werden soll. Gerade die Onshore-Windenergie würde in „die Rolle eines Lückenfüllers“ gedrängt.