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Auf einen Espresso mit …
11.03.2016

Ob die EZB mit den neuen Maßnahmen ihr Pulver verschossen hat und was das Paket für Unternehmen bedeutet, erläutert Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank im Interview.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Herr de la Rubia, Mario Draghi hat gestern die Zinsen auf Null gesenkt und trotzdem ist der Dax eingebrochen. Eigentlich sind niedrige Zinsen doch gut für Aktien.
Cyrus de la Rubia: Die Europäische Zentralbank hat gestern vielleicht ihre letzte Bazooka abgefeuert und die Märkte wissen das. Sie kennen das aus den Western-Filmen: wenn das Magazin verschossen wurde, hat man verloren. Das sehen viele Aktieninvestoren offensichtlich so. Allerdings sind das Tagesbewegungen, heute scheint es schon wieder etwas aufwärts zu gehen.

Oder waren die Maßnahmen vielleicht nicht groß genug?
Cyrus de la Rubia: Davon kann keine Rede sein. Draghi hat mehr geliefert, als man erwarten konnte. Die Europäische Zentralbank kauft jetzt 80 Milliarden an Anleihen pro Monat auf, das sind 20 Milliarden mehr als bisher. Und: Die Notenbank nimmt auch Unternehmensanleihen auf ihre Bilanz und nicht nur Staatsanleihen.


Das ist doch gut für Unternehmen, oder?
Cyrus de la Rubia: Mit einem einfachen ja oder nein ist es hier leider nicht getan. Den direkten Vorteil werden vor allem große Unternehmen mit einer hohen Kreditwürdigkeit spüren, denn nur sie emittieren Anleihen, die von der Europäischen Zentralbank gekauft werden können. Aber diese Unternehmen benötigen gar nicht die Unterstützung der Zentralbank, ihnen werden die Anleihen ohnehin von privaten Investoren aus den Händen gerissen.

Und was mit den Unternehmen aus dem Mittelstand?
Cyrus de la Rubia: Die weitere Vergünstigung bei der Finanzierung kann durchaus in einem zweiten Schritt auf die Mittelstandsunternehmen durchschlagen. Das Risiko liegt aber woanders: Es ist ja nicht so, dass deutsche Unternehmen Probleme bei der Finanzierung hätten. Vielmehr können sich gute Unternehmen vor Kreditangeboten kaum retten. Es besteht daher die Gefahr, dass die Kreditgeber zunehmend bereit sind, sehr risikoreiche Investitionen zu finanzieren, die ihnen dann später vor die Füße fallen.

Könnte das auch wieder eine Finanzmarktkrise zur Folge haben?
Cyrus de la Rubia: Ich möchte hier nicht den Teufel an die Wand malen. Zu beobachten ist allerdings, dass in den USA die Unternehmen aus dem Energiesektor, die in den vergangenen Jahren sehr günstig an Kapital gekommen sind, zunehmend unter Druck geraten und kaum noch Finanzierungen erhalten. Grundsätzlich kann das auch bei europäischen Unternehmen passieren, sobald die Unterstützung der Europäischen Zentralbank wegfällt. Insofern wird hier eine ungesunde Abhängigkeit aufgebaut.