SUCHE

10.02.2016

Die skandinavischen Nachbarn Deutschlands sind Vorreiter bei der Energiegewinnung aus Wind, Wasser und anderen erneuerbaren Quellen. Der nordische Boom für „Renewables“ macht die Region auch zu einem lukrativen Markt für Projektfinanzierungen.

Blick auf den Rødsand II Offshore-Windpark, der zwischen der dänischen Insel Lolland und der deutschen Ostseeinsel Fehrmarn liegen. (Foto: picture alliance / dpa)

Es war ein recht windiger und gerade deshalb auch historischer Donnerstag im vergangenen Juli. Dänemark erzeugte erstmals so viel Strom mit seinen rund 3.800 Windturbinen, dass der gesamte Energiebedarf des Landes zu 116 Prozent gedeckt war. Die Überproduktion der rund 4,6 Gigawatt installierter Windkraftkapazität verkaufte das Land an seine den Nachbarn Deutschland, Norwegen und Schweden.

Die Unabhängigkeit von Öl und Nuklearenergie ist in vielen skandinavischen Ländern nicht mehr all zu weit entfernt. Dänemark strebt sie bis zum Jahr 2020 an. Schweden bezieht schon 52 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Energien – unter anderem mit 1.900 Wasserkraftwerken im Land. Das bedeutende Ölförderland Norwegen produziert bereits über 65 Prozent und Finnland über 36 Prozent seines Stroms mit erneuerbaren Energien.

Da überrascht es kaum, dass die nordischen Länder auch attraktive Märkte für Financiers in diesem Sektor sind. So hat die HSH Nordbank 2015 in Schweden eine erste Projektfinanzierung abgeschlossen, aus dem Nachbarland Norwegen liegen bereits Anfragen vor und auch in Dänemark bereitet die Bank Projekte im Bereich Wind- und Solarenergie vor. „Mit der Langfristfinanzierung sechs finnischer Windprojekte haben wir unsere selbst gesteckten Ziele für 2015 sogar deutlich übertroffen“, sagt Lars Quandel, Leiter Energie & Versorger der HSH Nordbank.

40 weitere Finanzierungen in Aussicht

Etwa 230 Projekte fördert die Bank derzeit in ganz Europa mit einem Kreditvolumen von fünf Milliarden Euro. Weitere 40 Projekte sind in Aussicht. „Für Projektfinanzierungen im Wind- und Solarsektor haben wir uns 2016 vorgenommen, Neugeschäft von einer Milliarde Euro abzuschließen“, sagt Lars Quandel. Die HSH Nordbank rangiert mittlerweile unter den drei wichtigsten Geldgebern im Sektor erneuerbarer Energien.

Im Vergleich zu vielen skandinavischen Ländern ist Deutschland zumindest in absoluten Zahlen noch hinterher. Der Anteil erneuerbarer Energieerzeugung liegt bei rund 34 Prozent. Viel stärker industrialisiert als Skandinavien, hat Deutschland aber auch einen deutlich höheren Energiebedarf, der vorderhand noch stark aus fossilen Brennstoffen gedeckt wird. Gleichwohl soll der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bis 2035 auch hierzulande auf bis zu 60 Prozent anwachsen.