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12.01.2016

Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den Ölgroßmächten Saudi Arabien und Iran hat das Potenzial, die Region und die Weltwirtschaft zu erschüttern. Der Konflikt beruht nicht nur auf dem Kampf um die Vormacht im Mittleren und Nahen Osten, sondern auf der religiösen Geschichte.

Während die Sunniten ihre rechtmäßigen Anführer in den Kalifen sehen, betrachten die Schiiten diese in den Imamen. Dieser Unterschied führte unter anderen zum heutigen Konflikt. (Foto: picture alliance / ANP)

Aktuell gehören etwa 1,5 Milliarden Menschen auf der Welt dem Islam an. Seine Teilung geht bereits auf das 7. Jahrhundert zurück. Als 632 der Prophet Mohammed, Gründer des Islams, starb, entwickelte sich ein Streit um seine Nachfolge. Während die Sunniten den Freund und Schwiegervater Mohammeds, Abu Bakr, unterstützten, waren und sind die Schiiten der Auffassung, dass nur Verwandte Mohammeds diesem nachfolgen können. Sie befürworteten Ali ibn Abi Talib, den Cousin und Schwiegersohn Mohammeds. Außerdem sprachen sie sich für die Söhne Alis, Hassan und Hussein, aus. Als letzterer aber 680 in Kerbela durch die sunnitischen Umayyaden den Märtyrertod starb, entfachte sich ein Konflikt, der bis heute anhält.

Religiöse Gemeinsamkeiten über Landesgrenzen hinweg. Je nach Anteil in der Bevölkerung dominieren Schiiten oder Sunniten die religiösen und damit politischen Geschehnisse eines Landes. (Grafik: HSH Nordbank / CIA World Factbook, Pew Research Center, BBC)

Mit einem Anteil von 85-90% stellen die Sunniten heute die große Mehrheit der Muslime dar. Vor allem die Staaten Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien sind mehrheitlich sunnitisch. Schiitisch sind hingegen nur 10-15%. In Ländern wie dem Iran, Irak, Bahrain und Aserbaidschan bilden sie jedoch die Majorität. Und auch in Staaten wie z.B. Libanon, Jemen, Kuwait, Türkei und Syrien sind sie wichtige Minoritäten. Sunniten und Schiiten haben bzgl. ihres Glaubens viele Gemeinsamkeiten, aber auch erhebliche Unterschiede. So glauben beide Gruppen an Allah als einzigen Gott und an seinen Propheten Mohammed. Und auch die fünf Säulen, die die Grundlagen des muslimischen Lebens bilden, haben sie gemein. Neben dem Glaubensbekenntnis („Shahada“) und dem Pflichtgebet („Salat“) sind das das Fasten im Ramadan („Saum“), die Pilgerfahrt („Hadsch“) und die Almosengabe („Zakat“).

Spannung seit der islamischen Revolution 1979

Sunniten betonen allerdings, dass zuerst der „Sunna“, d.h. den Praktiken und Lehren Mohammeds, gefolgt werden müsse.Demgegenüber folgen die Schiiten auch den Weisheiten Alis, was ihnen den Namen „Shi’at Ali“ (Partei Alis) verliehen hat. Ein weiterer Unterschied ist, dass der Einfluss der Geistlichen auf Recht und öffentliches Leben in der Schia deutlicher größer ist als im sunnitischen Islam. Die aktuellen Spannungen begannen 1979 mit der islamischen Revolution. Die neue Machtposition der Schiiten im Iran wurde von den anderen Staaten im Nahen Osten als Bedrohung wahrgenommen. Grund hierfür war zudem, dass der Iran die schiitischen Minderheiten z.B. im Libanon oder Afghanistan unterstützte. Vor allem Saudi-Arabien hatte Angst um seine Vormachtstellung unter den islamischen Staaten. Zu einer Verschärfung führte die von den USA geführte Irak-Invasion. Durch diese wurde die Unterdrückung der schiitischen Mehrheit durch Saddam Husseins sunnitisches Regime beendet.

Stellvertreterkriege schüren die Krise

Die jüngsten Spannungen wurden ausgelöst durch die Hinrichtung von 47 Schiiten im sunnitischen Saudi-Arabien. Das Nuklearprogramm des Iran schürt indes weitere Ängste unter den sunnitischen Ländern. Dazu kommen die zahlreichen Stellvertreterkriege in Syrien, Jemen und Irak, die durch die beiden Mächte mit Hegemonialanspruch, Saudi-Arabien und Iran, finanziert werden. Mit den aktuellen Ereignissen in Riad und Teheran führt das dazu, dass die Situation weiterhin angespannt bleibt.