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Welthandelsindex Dezember
13.01.2016

Für das Schlussquartal 2015 zeigt der neue Welthandelsindex ein Ende der Negativbewegung an, die seit Beginn des Jahres andauerte.

Mit dieser Veröffentlichung haben wir die Methodik und den Veröffentlichungsrhythmus des Welthandelsindexes umgestellt. Der Index basiert nun auf Quartalsdaten zu Container-Umschlägen und wird auch quartalsweise veröffentlicht. Zur methodischen Umstellung siehe „Der neue Welthandelsindex der HSH Nordbank“.

HSH Nordbank Welthandelsindex (Index basierend auf Container-Umschlagszahlen für sieben Häfen in verschiedenen Regionen)

Nach unserer Schätzung ist der Container-Umschlag im vierten Quartal saisonbereinigt um knapp 0,6% gewachsen. Dieser verhältnismäßig niedrige Wert kompensiert bei weitem nicht die Rückgänge aus den Vorquartalen und so lag der geschätzte Container-Umschlag im Vergleich zum Vorjahr knapp 5% niedriger.

In den Häfen von Hong Kong (Umschlagszuwachs: 1,53%), Shanghai (0,38%) und Busan (0,67%) deutet sich nach deutlichen Rückgängen seit Jahresbeginn im dritten Quartal eine Stabilisierung an. Ebenso in Singapur, dessen Hafen in diesem Jahr besonders unter der Schwäche in China gelitten hat, deuten die Daten im vierten Quartal auf keinen weiteren Rückgang hin. Ob das marginale Wachstum ein Anzeichen für eine Stabilisierungsbewegung zum Ende des Jahres 2015 bedeutet, bleibt abzuwarten.

In China ist der PMI für die Gesamtwirtschaft im November mit einem Wert von 50,5 (im Vergleich zu 49,9 im Oktober) wieder in die Expansionszone gerutscht und die Industrieproduktion über das Jahr gerechnet um 6,2% gewachsen, erwartet wurden 5,7%. Allerdings bleiben die PMIs im verarbeitenden Gewerbe auch im Dezember weiterhin schwach, der Caixin-PMI verzeichnete sogar einen Rückgang auf 48,2 Punkte.

Auch in den USA waren die Daten eher durchwachsen. Der Dienstleistungssektor und der Arbeitsmarkt wurden im dritten Quartal zwar noch stärker, der Industriesektor erfährt jedoch derzeit eine merkliche Eintrübung. Der Umschlag im Hafen von Los Angeles stagnierte im vierten Quartal gemäß unserer Schätzung (+0,22%).

In der Eurozone setzt der Industrie-Sektor seinen moderaten Aufschwung hingegen fort. Der PMI im verarbeitenden Gewerbe ist seit September eindeutig aufwärts gerichtet und stieg seit September um 1,5 Punkte an. Auch die Industrieproduktion konnte mit einem Plus von 0,6% positiv überraschen. In Rotterdam deuten auch die Daten zur Container-Kapazität der ausgelaufenen Schiffe auf eine Erholung hin, wo im Dezember mit 9,1% die höchste Wachstumsrate seit etwa zwei Jahren heraussticht. Für Rotterdam dürfte im vierten Quartal ein Anstieg der Container-Umschläge von knapp 1,6% verzeichnet worden sein, für Hamburg allerdings ein leichter Rückgang um 0,16%.

Alles in Allem deutet der Welthandelsindex im vierten Quartal auf eine Stabilisierung hin. Dieser Tendenz  könnte sich zwar mit einem Ende der Schwächephase in den Emerging Markets in diesem Jahr fortsetzen. Jedoch deuten die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die damit einhergehende Verunsicherung auf Abwärtsrisiken für den Welthandel hin.

Container-Umschlag in den einzelnen Häfen

Der neue Welthandelsindex der HSH Nordbank

Der Welthandelsindex der HSH-Nordbank gibt in jedem Quartal einen frischen Blick auf die weltweite Handelstätigkeit gemessen an den Werten für Container-Umschläge. Daten für Container-Umschläge für 7 der größten Häfen werden in der Analyse betrachtet. Die Auswahl berücksichtigt nicht nur die tatsächliche Größe, sondern auch die Wichtigkeit einzelner Häfen für die jeweilige Region, um ein vollständigeres Bild des Welthandels zu zeichnen. Diese Häfen sind: Shanghai, Singapore, Hamburg, Hong-Kong, Rotterdam, Los Angeles und Busan. Der Index wird auf quartalsbasis aktualisiert und fasst jeweils die Handelstätigkeit im abgelaufenen Quartal zusammen, sodass die Veröffentlichung von Anfang April etwa die Tätigkeit bis Ende März festhält, während die August-Veröffentlichung auf Daten bis Ende Juli beruht und so weiter. 

Da finale Zahlen für Container-Umschläge erst mit einer mindestens einmonatigen Verzögerung vorliegen, werden die Werte für das jeweils abgelaufene Quartal durch den statistischen Zusammenhang zwischen Container-Umschlägen und der Tragekapazität der auslaufenden Schiffe approximiert. Kapazitäts-Zahlen liegen nahezu tagesaktuell vor. Der Welthandelsindex wird auf Basis der Rohdaten und ermittelt in saisonbereinigter Form präsentiert. Die hierfür verwendete Methodik wird im Folgenden dargelegt.

Methodik

Um den statistischen Zusammenhang zwischen der Container-Kapazität der auslaufenden Schiffe eines jeweiligen Hafens und den Umschlagszahlen zu ermitteln wird im ersten Schritt eine einfache Regression der Zeitreihe der Umschlagsdaten auf die Kapazitätsdaten durchgeführt. Theoretisch erlaubt dieser erste Schritt bereits eine Prognose der Umschlagszahlen des Quartals t anhand der vorliegenden Kapazitätsdaten desselben Quartals, da diese zum Prognosezeitpunkt vorliegen.

Die anhand von Gleichung 1) ermittelten Prognosen weisen allerdings einen Fehler auf, der auf eine gewisse Systematik schließen lässt. Insbesondere die „Autokorrelation“ dieser Fehler ist auffällig, sodass ein stark positiver Fehler heute auf einen ebenfalls positiven Fehler morgen schließen lässt.
Im zweiten Schritt wird daher in einer zweiten Regression der Umschlagszahlen auf ihren Vorgängerwert („AR-1“) auch dieser Fehler zur Hilfe genommen.

Die Abweichungen zwischen den durch die Kapazität der Schiffe nahegelegten Umschlagszahlen und den tatsächlichen Umschlagszahlen () lassen auf die Auslastung der entsprechenden Schiffe schließen und fangen daher kurzfristige Veränderungen im Containerumschlag auf. Dabei stellt sich heraus, dass die Schwankungen der Vorperiode tatsächlich als stabiler Indikator für die Schwankungen der aktuellen Periode gesehen werden können. Außerdem weisen die Quartals- und Monatsdaten eine zwar über die Häfen hinweg verschiedene aber sehr regelmäßige Saisonalität auf. Zu diesem Zweck wird mithilfe einer „Dummyvariable“, die eine Indikatorvariable (0,1) ist (mit 1 in der saisonal behafteten Periode und einer 0 andererseits) auch diese Saisonalität in die Schätzung aufgenommen. So lassen sich die Rohdaten der Containerumschläge mit einem hinreichend geringen Fehler prognostizieren.

Da diese Rohdaten durch die Saisonalität in einigen Perioden an Aussagekraft verlieren (insbesondere da wir auf quartalsweise Veränderungsraten abstellen), soll auch eine saisonbereinigte Version dieser Daten ermittelt werden. Wir wählen dabei einen Ansatz, der an Verfahren aus der „X-11“-Familie erinnert. Der Ansatz basiert ebenfalls auf einer Regression.

In einem ersten Schritt werden die Umschlagszahlen auf eine Indikatorvariable für jede Periode regressiert. Die prognostizierten Werte eines solchen Modells bestehen dann ausschließlich aus der saisonalen Komponente in jeder Periode, sodass die nicht-saisonalen Komponenten sich vollständig im Fehlerterm  und dem Abschnitts-Parameter  wiederfinden. Die Differenz zwischen den Rohdaten  und der saisonalen Komponente  kann dann als saisonbereinigte Zeitreihe angesehen werden.

Die für jeden einzelnen Hafen ermittelten Werte werden im letzten Schritt zu einem Index zusammengefasst. Dabei wird das erste Quartal 2010 als 100 festgesetzt und die Werte der jeweiligen Häfen mit den Anteilen der Containerkapazität in jedem Quartal gewichtet.

Daten

Die Datenlage für die einzelnen Häfen ist verschieden. Für Shanghai, Singapur, Hong-Kong, Los Angeles und Busan liegen Monatsdaten für Containerumschläge vor. Für Hamburg und Rotterdam jeweils nur auf Quartalsbasis. Die Zeitreihen beginnen im Allgemeinen in den Jahren 2007/2008. Die aktuellsten Werte sind vom Zeitpunkt der Publikation aus gesehen in der Regel der vorletzte Monat (das vorletzte Quartal)., Für die Fälle, wo die Daten nicht vollständig vorlegen werden daher gegebenenfalls zwei Werte (Monate oder Quartale) prognostiziert. Für die Kapazitätsdaten liegt immer der aktuelle Monat vor. Für jene Häfen, die mit Monatsdaten vertreten sind, basieren die Schätzungen und Prognosen auf Monatsdaten, welche dann erst nachdem alle Transformationen abgeschlossen sind in Quartalsdaten umgerechnet werden (1 Quartal ist die Summe der drei Monate). Für Hamburg und Rotterdam werden die Schätzungen, Prognosen und Saisonbereinigungen ausschließlich auf Quartalsbasis durchgeführt. Der Index in Fußnote 4 läuft dementsprechend nur von 1 – 3.

Die verwendeten Daten Stammen aus Bloomberg.

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