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UP°-Themencheck Megatrends
27.01.2016

Rohstoffe werden immer knapper. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, frühzeitig die Energieeffizienz zu überdenken. So ergeben sich auch neue Potenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Gunther Maassen, Gesellschafter der Metallhandel Haines und Maassen GmbH in Bonn mit dem Metall Wismut.

Gunther Maassen, Gesellschafter der Metallhandel Haines und Maassen GmbH in Bonn mit dem Metall Wismut. Es zählt zu den seltenen Erden und ist unentbehrlich für viele Elektronikprodukte wie Handys oder Bildschirme. (Foto: picture alliance / JOKER)

Nicht nur das Bevölkerungs-, sondern auch das Wirtschaftswachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern sorgt für einen dramatischen Anstieg des weltweiten Rohstoffverbrauchs, vor allem von Wasser und Energie. Schreibt man die bestehenden Trends fort, soll der globale Energiebedarf bis 2035 um mehr als die Hälfte gegenüber 2008 zunehmen. Auch der Wasserverbrauch wird enorm steigen – während gleichzeitig die verfügbaren Wasserressourcen sinken.

Andererseits gilt weiterhin: Der Pro-Kopf-Energieverbrauch ist in den reichsten Ländern der Welt am höchsten. Eine zunehmende Verknappung steht auch bei anderen strategischen Rohstoffen bevor, das heißt bei Energieträgern wie Erdöl, -gas und Kohle. Beispielsweise werden für eine Anzahl seltener Erden Versorgungsengpässe erwartet. Diese Materialien kommen in Produkten zum Einsatz, wie LCD-Bildschirmen, Elektroautos, energiesparenden Leuchtmitteln und Windturbinen.

Erneuerbare Energieträger im Mix

Auch noch im Jahr 2035 werden fossile Quellen den größten Anteil des weltweiten Energiebedarfs decken. Doch es gibt Experten, die überzeugt sind, dass die Vorkommen an konventionell gewonnenem Öl nur noch einige Jahrzehnte reichen – selbst wenn der globale Energieverbrauch auf dem derzeitigen Niveau bleiben würde. Deshalb gewinnen erneuerbare Energien an Bedeutung. Im Energiemix werden sie in den kommenden Jahrzehnten am stärksten zulegen, vor allem werden Wasser- und Windkraft ausgebaut. Gleichzeitig werden unkonventionelle Vorkommen fossiler Ressourcen immer bedeutender: Dazu zählen Ölsande und Ölschiefer, besser bekannt als shale oil. Je teurer die Förderung von konventionellem Öl wird, desto wettbewerbsfähiger die unkonventionellen Alternativen, deren Ökobilanz jedoch in der Regel wenig attraktiv ist.

Entscheidend ist auch, wie die Menschheit künftig mit den verbleibenden Vorkommen an fossilen Energiequellen umgeht. Die Verbesserung der Energieeffizienz wird daher zum zentralen Innovationsfeld. So bestehen hohe Einsparpotentiale in der Gebäudetechnologie, in Industrie und Landwirtschaft, im Verkehr und in privaten Haushalten.

Neue Strategien und Kooperationen gegen die Effekte der Knappheit

UP°-Themencheck Megatrends

 „Megatrends 2020plus – Herausforderungen und Chancen für Unternehmer“ ist eine Publikation von Unternehmer Positionen Nord. Der Themencheck bietet einen Überblick über Jahrzehnte hinweg wirkende Megatrends und die sich daraus erwachsenden wirtschaftlichen Potentiale für Unternehmen.

Die Rohstoffabnahme verlangt von Unternehmen ein Umdenken mit Weitblick: Denn Energie- und Ressourcenstrategien werden robuster, je stärker die Rohstoffsituation in die langfristige Wettbewerbsanalyse einbezogen wird; das gilt auch für Standortentscheidungen. Um in Zukunft knappe Energieressourcen effizient zu nutzen, können Unternehmer in der Kooperation mit anderen Unternehmen Investitionskosten teilen, beispielsweise für Biogasanlagen eines Standortverbundes. Kostenvorteile entstehen auch, wenn die Abfälle des einen, Rohstoffe für den anderen darstellen. So lassen sich Effizienzpotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette heben.

All dies sind Möglichkeiten, die steigendenden Kosten für Energie und Ressourcen zu umgehen. Eigeninitiative und Ideen sind hier umso mehr gefragt, da international keine einheitlichen Richtlinien existieren, wie etwa im Bereich der Energieeffizienz-Zertifikate. Zudem sollten Unternehmen rechtzeitig mit Engpässen von wichtigen Rohstoffen planen, etwa Phosphor oder seltene Erden. Denn ohne Plan B wird einigen ressourcenintensiven Industrien nur die Abwanderung in Volkswirtschaften mit geringeren Energie- und Ressourcenkosten bleiben.