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27.01.2016

Alljährlich trifft sich die Wirtschaftselite im Schweizer Davos, so auch vom 20. bis 23. Januar 2016. Mehr als 2.500 „mover and shaker“ diskutierten die ökonomischen und politischen Konsequenzen der vierten industriellen Revolution. Ein Rückblick zum diesjährigen Weltwirtschaftsforum.

Der Tenor auf dem Gipfeltreffen: Virtual Reality gehört zu den großen Innovationen der Gegenwart. Die Brillen ermöglichen neue Formen der Arbeit und des Lernens – zwei Lebensaspekte, die sich in Zukunft radikal ändern werden. (Foto: picture alliance / dpa)

Das Bild ist fast immer ähnlich: Vor der Kulisse weißer Berge fahren schwarze Limousinen vor. Viele einflussreiche Wirtschaftsführer und Ökonomen machen die Tage Halt in dem Schweizer Alpendorf Davos. Im Kontrast zu den Reichen und Mächtigen stand zum Auftakt des 46. Weltwirtschaftsforums (WEF) die Armut der Welt im Vordergrund: Oxfam legte zum Start des Forums einen Bericht vor, laut dem 2016 62 Personen genauso viel besitzen wie die unteren 50 Prozent der Weltbevölkerung. Auch wenn die Methodik der Studie stark in der Kritik steht, griff die Meldung einem Thema vorweg: Die globalen Besitzverhältnisse verteilen sich immer unausgewogener.

Dem WEF-Teilnehmer und Salesforce-Chef, Marc Benioff, zufolge wird diese Schere in Zukunft noch größer. Er sehe die Unternehmer in „einer Führungskrise“, sie sollten über die Dividende hinausdenken und mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Die Welt in der Krise

„Krise“ könnte das Stichwort des diesjährigen Gipfels gewesen sein. Der niedrige Ölpreis und der schlechte Jahresauftakt der Börsen förderten die Sorge um die Weltkonjunktur. Chinas Wirtschaft verstärkt die Unruhe an den Märkten: „Holprig“ nannte Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, den Umbau weg vom Export, hin zum Konsum. Mit Blick auf Europa sahen viele Besucher auch die Flüchtlingspolitik als entscheidende Herausforderung.

So global diese Unsicherheiten in Davos diskutiert werden, so stark bestimmen sie auch das Wirtschaftsklima. Dies zeigt eine globale Umfrage von PricewaterhouseCoopers. Im Vergleich zum Vorjahr sähen demnach doppelt so viele Manager in Deutschland Gefahren für ihr Unternehmenswachstum. Der Grund sei die fehlende gesellschaftliche Stabilität. Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hält dagegen: „Die Gefahr ist, dass wir aus Angst es nicht schaffen, diese Chance zu nutzen.“ Sein Kredo lautet daher: Die Bewältigung der Krise erfordere erhebliche Investitionen der Staaten. Die Frage ist allerdings, wo: Finanzminister Schäuble forderte auf dem Gipfel Investitionen in den Nahen Osten zum Wiederaufbau der Herkunftsländer der Flüchtlinge – im Stil eines europäischen Marshallplans. 

Thema 2016: Die vierte industrielle Revolution

Eine andere Sorge trübte auch die Alpenluft: Die digitale Revolution und die mit ihr einhergehenden Herausforderungen. Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums, ruft dazu in der Foreign Affairs nach Generalisten, die einen umfassenden und globalen Blick auf die vierte Industrierevolution einnehmen.

Das unterstützt auch Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Fokus in Deutschland lege zu sehr auf der Technologie selbst. Aber: „Sie erfordert einen Kulturwandel in Unternehmen, vor allem die Fähigkeit der flexiblen Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg, (…) ein ständiges Hinterfragen der Geschäftsmodelle, um auch künftig den Kundenzugang und die Kundenbindung zu verteidigen.“

Besondere Gäste – von Roboter bis Schauspieler

Angesichts der krisengeprägten Welt stellte ein ganz besonderer Gast sein „Rettungskonzept“ vor: Hubo, ein preisgekrönter Roboter des südkoreanischen Instituts für Wissenschaft und Technologie. Als Rettungshelfer könnte Hubo bei Katastrophen und in verstrahlten Gebieten Autos ferngesteuert fahren und weitere gefährliche Aufgaben übernehmen.

Die positive Seite der industriellen Revolution stand auch auf Kevin Spaceys Fahne. Schließlich darf Hollywood beim Treffen der Weltelite nicht fehlen: Als Schauspieler und Produzent hielt er dem Publikum die Relevanz des Storytellings vor Augen. „Menschen wollen nicht nur etwas kaufen, sie möchten eine Geschichte hören“, so Spacey. Virtual Reality würde diese Geschichten erlebbar machen und sogar die Bildung revolutionieren. Die besten Lehrer könnten dank Smart Glasses weltweit unterrichten und Klassen auf Exkursion am Meeresgrund schicken.

Ein Fazit aus Spaceys Vortrag könnte lauten: Bildung, die Menschen weltweit ähnliche Chancen bietet, ist schließlich auch ein Ansatz um die ungleichen Besitzverhältnisse anzugleichen. Der WEF-Gründer Klaus Schwab bleibt aber pragmatisch: Vor allem hochspezialisierte Fähigkeiten seien künftig nachgefragt, gerade in den hochentwickelten Industrieländern. Ein bisschen Hoffnung bleibt am Ende doch: Der Gipfel könnte Unternehmern Ansporn geben, neuer Technik mit mehr Mut statt mit Scheu zu begegnen.