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04.12.2015

In den USA werden bald die geldpolitischen Zügel gestrafft. Yellen lässt sich von ihrem Vorhaben der Zinsanhebung nicht abbringen. Mit den Bund-Renditen geht es jedoch derzeit wieder abwärts.

"Ich erwarte, dass wir uns alle auf diesen Tag freuen werden", schloss Janet Yellen am Mittwoch, den 3. Dezember, ihre Rede vor dem Economic Club in Washington. Sie bezieht sich auf den 16. Dezember, an dem der Schritt zur Zinsanhebung getan werden soll. (Foto: picture alliance / landov)

Abwärts. Das ist die Richtung, in die der Euribor und die zweijährigen Bund-Renditen in den vergangenen Tagen erneut gegangen sind. Der Grund für diese Bewegung liegt auf der Hand: Die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins senken und die Anleiheankäufe volumen-  und zeitmäßig ausweiten würde. Neue Nahrung bekam diese Spekulation durch den Rückgang der Kerninflationsrate (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) der Eurozone im November von 1,1 Prozent auf 0,9 Prozent und ein Verharren der Gesamtinflationsrate bei 0,1 Prozent. Damit verfehlt die Notenbank weiterhin klar ihr Inflationsziel von nahe, aber unterhalb von 2 Prozent und sieht sich daher nach ihrer Philosophie gezwungen, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Nach der EZB-Sitzung sind die Renditen der Bundesanleihen jedoch gestiegen, denn die Erwartungen an das Ausmaß der monetären Lockerung wurden klar verfehlt, wie der Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Cyrus de la Rubia, nach dem Erscheinen des Wochenbarometers feststellt. Insbesondere habe Notenbankpräsident Mario Draghi keine volumenmäßige Ausweitung der Anleiheankäufe angekündigt, was für die meisten Marktteilnehmer bereits eine ausgemachte Sache war.

Die abgelaufene Woche war außerdem geprägt von Mutmaßungen über das weitere Vorgehen der US-Notenbank, weswegen man der Rede von Fed-Präsidentin Janet Yellen besonders eindringlich lauschte. Sie lieferte bei einer Rede über Geldpolitik nach Ansicht von de la Rubia gleich mehrere deutliche Hinweise auf eine baldige Zinserhöhung und verwies dabei auch auf den Faktor Finanzstabilität. Letztere könnte „unterminiert“ werden, wenn man den Leitzins für eine zu lange Zeit auf dem derzeitigen niedrigen Niveau ließe. Dem Argument der Skeptiker in Bezug auf die niedrige Inflation (der PCE-Inflationsindex liegt bei 1,3 Prozent) entgegnete sie, dass die sich u.a. bessernden Arbeitsmarktbedingungen und die voraussichtliche Stabilisierung der Ölpreise für einen baldigen Anstieg der Inflation sprächen. Die Risiken für den Ausblick auf die Konjunktur seien nahezu ausgeglichen. Zu diesem Zeitpunkt lag Frau Yellen der schwache ISM-Geschäftsklimaindex (Rückgang auf 48,6 Punkte) für das Verarbeitende Gewerbe bereits vor. Möglicherweise hatte sie vorab auch schon Zugang zu den Konjunkturberichten der einzelnen Fed-Distrikte, die ein moderat positives Bild zeichnen. Zwar sicherte sich die Fed-Präsidentin in ihrer Rede nochmals ab und betonte die Relevanz von neuen Konjunkturdaten. Das Research-Team der HSH Nordbank geht davon aus, dass sich Yellen selbst bei einem schwachen Arbeitsmarktbericht am Freitag (4.12.), worauf angesichts robuster ADP-Daten wenig hindeutet, nicht von einer Zinsanhebung am 16. Dezember wird abhalten lassen.

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