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02.12.2015

Jedes Unternehmen möchte möglichst vollkommene Mitarbeiter, aber vielen fehlt die Kultur, die Leistungsbereitschaft fördert. Ihre Angestellten laufen nicht zur Höchstform auf, sondern davon. Ein gutes Image ist für Arbeitgeber Gold wert.

Elke Frank, Leiterin Group Performance Development der Deutschen Telekom AG, plädiert für eigenverantwortliches Arbeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. (Foto: picture alliance / dpa)

Eigentlich ist es ganz einfach und funktioniert – ähnlich wie in einer Paarbeziehung – bei jedem Großkonzern oder Mittelständler: Mitarbeiter, deren Unternehmen sich auf sie einstellen und ihnen vertrauen, fühlen sich wohl und legen sich ins Zeug.
Das schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ), die recherchiert hat, wie Firmen den perfekten Mitarbeiter finden können. Das Blatt hat dazu eine Reihe hochrangiger Personalchefs befragt.

Gute Mitarbeiter verlangten vor allem Freiraum, sagte Elke Frank, seit 1. November Personalverantwortliche der Deutschen Telekom, der Süddeutschen. Eigenverantwortliches Arbeiten sei das Stichwort der Zeit. Firmen bräuchten dazu jedoch Mut und Vertrauen. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern vertrauten, würden schnell feststellen, dass es erwidert werde.

Spitzenmitarbeiter, so zitiert die SZ eine Studie, heben sich in entscheidenden Kriterien vom Durchschnitt ab: Sie ergreifen die Initiative und freuen sich über Veränderungen, statt sie zu scheuen. Zudem seien sie gute Teamplayer, würden nicht nur reden, sondern handeln und die Gruppe auch nach außen vertreten.

Die Leute begeisterungsfähig und agil halten

„Den perfekten Mitarbeiter, der drei oder vier Eigenschaften mitbringt, den gibt es eigentlich weniger denn je“, sagte Margret Suckale, Personalchefin des Chemieunternehmens BASF. Ihr ist wichtig, dass Mitarbeiter lange begeisterungsfähig sowie körperlich und geistig agil blieben.

Immer häufiger sähen sich Angestellte jedoch von Ängsten geplagt – vor der Globalisierung, vor Restrukturierung , vor der Digitalisierung und ähnlichen Dingen mehr. „Wer da eine gewisse Gelassenheit zeigt und sagt, ich beiße mich da durch, solche Typen stelle ich mir als perfekte Mitarbeiter vor“, so die BASF-Managerin.

Employer Branding ist für Arbeitgeber Millionen wert

Setzt man, so rechnet die Untersuchung vor, bei einem Unternehmen eine in Deutschland typische Fluktuationsrate der Belegschaft von 17 Prozent pro Jahr an, müssen bei einem Personalstand von 10.000 Mitarbeitern 1.700 Arbeitskräfte jährlich ersetzt werden. Geht man zudem von einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 43.000 Euro aus und unterstellt, dass alle neuen Mitarbeiter zehn Prozent mehr Gehalt als „Schmerzensgeld“ für schlechte Firmenkultur verlangen werden, sind das in der Summe pro Jahr 7,3 Millionen Euro höhere Gehaltskosten.

Das Geld könne man sich sparen, schreibt die Wirtschaftswoche, wenn man vor allem die Tatsache berücksichtigte, dass fast ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer bei einem Jobwechsel auf eine Gehaltserhöhung verzichten würden, wenn das neue Unternehmen über eine starke Arbeitgebermarke verfügt.

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, wie sich Bewerber oder bereits eingestellte Mitarbeiter eine Meinung über einen Arbeitgeber bilden. 60 Prozent vertrauen laut Befragung der Ansicht von Branchenkennern, 46 Prozent folgen dem Urteil ihrer Freunde, 42 Prozent orientieren sich an der Berichterstattung der Medien.

Mit 31 Prozent erst an fünfter Stelle rangieren die unternehmenseigene Website oder Social Media, also die Medien, mit denen sich ein Arbeitgeber selbst darstellt.

Elternabend in der Firma und Busrundfahrten zu potenziellen Arbeitgebern

Um als Firma für sich zu werben, eignet sich „am besten eine Mischung aus virtuellem und realem Türen öffnen: Zum einen sollten sich Unternehmen online öffnen und vorstellen und sich zum anderen auch tatsächlich Interessierten präsentieren“, empfiehlt LinkedIn-Experte Brown. Sein eigenes Unternehmen veranstalte beispielsweise einen „Bring your parents to work day“, bei dem jeder seine Eltern mitbringen könne, damit sie sehen, was ihre Söhne und Töchter täglich machen.

Einen ganz praktischen Weg, um an einem Abend eine kräftige Prise Arbeitgeberkultur verschiedener Firmen zu schnuppern, schildert das Hamburger Abendblatt. In der Hansestadt findet jedes Jahr die von der lokalen Handelskammer und dem Industrieverband Nordmetall organisierte „Lange Nacht der Industrie“ statt. Bei der Aktion, die vor allem offene Fachkräftestellen füllen soll, wurden in diesem Jahr Interessenten in 60 Reisebussen zu insgesamt 20 Unternehmen gefahren, die offene Stellen zu besetzen oder Ausbildungsplätze anzubieten hatten – vom Familienbetrieb bis zu Weltkonzernen wie dem Stahlkocher ArcelorMittal.

„Mancher fragt noch am selben Abend im Betrieb nach einem Ausbildungsplatz“, berichtet Lutz Bandusch, CEO der ArcelorMittal und Vizechef des Industrieverbands Hamburg. Oft seien bei der immer populärer werdenden Aktion mittlerweile nicht mehr nur Fachkräfte und Geschäftsführer vor Ort, die das Unternehmen vorstellten, schreibt das Abendblatt. Inzwischen kämen immer öfter auch Mitarbeiter der Personalabteilung, die direkt über Ausbildungs- und Bewerbungsmöglichkeiten informierten.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat November (beobachteter Zeitraum: 16. bis 30. November 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Süddeutsche Zeitung, Wirtschaftswoche und Hamburger Abendblatt.

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