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UP°-Themencheck Megatrends
15.12.2015

So viele Märkte, so viele Wünsche – jedes Land erfordert seine eigene Produktpalette. Unternehmen, die das ignorieren, produzieren an der internationalen Kundschaft vorbei. Die Trends neuer Lebensstile bedingen das Verhalten der Konsumenten.

Einmachgläser

Was aussieht wie Omas Einkaufsnetz, ist jetzt hoch modern: Verpackungsfreie Supermärkte treffen die aktuelle Nachfrage nach umweltbewusstem Shoppen in Deutschland wie nie zuvor. (Foto: picture alliance / ZB)

Das Konsumverhalten der Menschen wandelt sich weltweit, wobei je nach Weltregion unterschiedliche Trends prägend sind. Seit mehreren Jahrzehnten nimmt die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen kontinuierlich ab. Das zeigt sich vor allem in Afrika, wo immer mehr Menschen über, allerdings sehr enge finanzielle Spielräume verfügen. Bis 2030 sollen die 18 größten Städte des Kontinents eine Kaufkraft von 1,3 Billionen Euro aufweisen. Das entspricht etwa der Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2013: Sehr langsam, aber stetig kann der globale Süden an den Konsummärkten der westlichen Industrieländer partizipieren.

Wachsende Kauflust in Schwellenländern

Die Schwellenländer übertrafen die Konsumausgaben der USA bereits 2007 und bestritten damit ein Drittel des Weltmarkts. Heute verfügen genauso viele Haushalte in Brasilien, Russland, Indien und China über mehr als 10.000 US-Dollar pro Jahr wie in Europa und den USA zusammengenommen. Die Chancen sind immens: Schätzungen zufolge wird mit dem zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern der Absatz von Verbrauchsgütern um das Zehnfache zunehmen.

Nachhaltiger Konsum in Industrieländern

Andernorts steigen die Konsumausgaben, die Industrienationen im Westen verändern ihr Konsumverhalten: Nachhaltigkeit ist trotz wachsender Mobilität ein wichtiger Faktor beim Einkaufen. Dabei zeichnet sich ein Wandel ab, hin zu einem weit verbreiteten nachhaltigen Konsummuster: Die Wertvorstellungen der Verbraucher ändern sich und das regulative Umfeld fördert den Nachhaltigkeitsgedanken in der Gesellschaft.

Sichtbar wird dieser Wandel in der gehobenen Mittel- und Oberschicht. Dort ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsfragen geschärft und fest etabliert. Während man früher umweltbewusstes Handeln mit Askese und Verzicht assoziierte, ist grüner Konsum heute Teil eines modernen, urbanen Lebensstils – eine wichtige Voraussetzung, nachhaltigen Konsum in der breiten Masse zu etablieren.

Chancen für neue Geschäftsmodelle

Wandelt sich das globale Konsumverhalten, verändern sich auch die Zielgruppen. Die Mittelschicht wird breiter und mit ihr steigt die Zahl der urbanen, statusorientierten Aufsteiger mit einem großen Nachholbedarf an westlichen Konsumgütern. Ähnlich verhält sich die wachsende Oberschicht, deren Bedarf nach Luxusgütern gedeckt werden will. Zudem schafft der Trend zum nachhaltigen Konsumieren neue Marketingmöglichkeiten wie „guilt-free consumption“ oder modischen „eco style“ als urbanen Chic.

UP°-Themencheck Megatrends

 „Megatrends 2020plus – Herausforderungen und Chancen für Unternehmer“ ist eine Publikation von Unternehmer Positionen Nord. Der Themencheck bietet einen Überblick über Jahrzehnte hinweg wirkende Megatrends und die sich daraus erwachsenden wirtschaftlichen Potentiale für Unternehmen.

Parallel ergeben sich Chancen für neue Geschäftsmodelle. Steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund des Kaufens, wird die Nutzung relevanter als der Besitz – wie an der steigenden Zahl von Sharing-Angeboten zu sehen ist. Zudem wächst die Bedeutung des „aftersale“: Konsumenten wünschen integrierte Angebote, die neben dem Produkt auch einen bestimmten Service umfassen. Diese Entwicklung mündet in Erlebnissen, die als Statussymbol angesehen werden: Die Dienstleistung schlägt das Produkt.

Unternehmen können schließlich auch die Ärmsten der Welt als Zielgruppe entdecken: Mit neuen Finanzierungs-, Produktions- und Distributionsformen entstehen so Märkte am Fuß der Wohlstandspyramide, wo Entwicklungshilfe versagt. Nichtsdestotrotz ist der globale Führungsanspruch westlicher Produktanbieter bedroht, wenn sich die Kaufkraft und damit die Kaufmacht in die Schwellen- und Entwicklungsländer verschieben. Vor allem wenn der Marktzugang in manchen Schwellenländern trotz Globalisierung immer noch erschwert ist und die westlichen Konsumgüter deshalb nur schwer auf den Absatzmärkten Fuß fassen.