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07.12.2015

Die Entwicklung des Welthandelsindex verläuft weiter rückläufig. In Europa wird die Schwäche in China verstärkt spürbar.

Nachdem der Welthandelsindex im Oktober schon leicht schrumpfte, entwickelt er sich im November weiter rückläufig. Der Index musste damit einen Rückgang um knapp 1,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat hinnehmen, saisonbereinigt verzeichnet er einen Dämpfer von 0,6 Prozent.

Der zweite Rückgang in diesem Jahr drückt die unverändert schwache Dynamik im Welthandel aus. Insbesondere das enttäuschend niedrige Wachstum in den Emerging Markets, ausgehend von China, bremst den Welthandel weiter. Im Oktober beispielsweise lagen die realen Importe Chinas um knapp 13 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Aus der Perspektive der Handelspartner Chinas sind dies erhebliche Rückgänge der ausländischen Nachfrage, was insbesondere jene Länder treffen sollte, für die China in den letzten Jahren als Absatzmarkt eine große Bedeutung erlangt hat. Dazu zählen neben Korea auch die USA, sodass die vergleichsweise starken Rückgänge in Busan (-2,7 Prozent) und Los Angeles (-1,8 Prozent) nicht überraschen. Nichtsdestotrotz kommen aus China auch wieder positive Nachrichten: so stieg der Caixin-PMI-Geschäftsklimaindex im November wieder über die 50er-Marke.  In den USA hingegen steht in der Industrie eine Erholung noch aus: hier musste der ISM im Industriesektor im November einen weiteren Rückgang verkraften und rutschte mit einem Wert von 48,6 unter die Expansionslinie von 50. Der Index liegt damit etwa 7 Punkte unter seinem Vorjahreswert. Der US-Arbeitsmarkt und der Dienstleistungssektor hingegen zeigten sich weiterhin durchweg robust.

In der Eurozone sind insbesondere die exportabhängigen Volkswirtschaften von der Abkühlung im Welthandel betroffen. So gingen etwa die deutschen Exporte nach China im September (der letzte vorhandene Wert) im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent zurück, was sich entsprechend stark auf die Aktivität der Häfen in Rotterdam (-2,2 Prozent) und Hamburg (-2 Prozent) auswirkt. Der Außenhandel in der Eurozone profitiert aber vom weiterhin schwachen Euro, sodass sich die Exporttätigkeit in den nächsten Monaten stabilisieren sollte. Darüber hinaus mussten Singapur und Shanghai, die im letzten Monat die stärksten Dämpfer erlebten, auch im November wieder Federn lassen und verzeichneten Rückgänge von 0,12 Prozent beziehungsweise 0,9 Prozent. Dubai (+0,8 Prozent) und Hong Kong (+1,28 Prozent) hingegen setzen ihre Aufwärtstrends vom Vormonat fort. Die Verlangsamung der Industrie in den USA und der Exporte in Europa, insbesondere nach China, schlägt in diesem Monat also voll durch.

HSH Nordbank Welthandelsindex (Kapazität auslaufender Containerschiffe aus acht Welthäfen, Index auf Basis des gleitenden Dreimonatsdurchschnitts, saisonbereinigt, Jan 2009 = 100)

Quellen: HSH Nordbank, Bloomberg

Funktion und Methode

Der HSH Nordbank Welthandelsindex erfasst die Kapazität der Containerschiffe, die monatlich acht bedeutende Welthäfen verlassen (Shanghai, Singapur, Hongkong, Busan, Dubai, Rotterdam, Hamburg, Los Angeles). Von den monatlich erfassten Daten wird ein 3-Monatsdurchschnitt gebildet.

Der Containerhandel deckt zwar nur einen Teil des Welthandels ab, so dass die Schiffssegmente Massengutfrachter, Tanker und sonstige Schiffstypen von diesem Index ebenso wenig erfasst werden wie der Transport über Land sowie die Luftfracht. Jedoch zeigt der HSH Welthandelsindex eine relativ hohe Korrelation mit dem umfassenden Welthandel, wie er von dem CPB-Index des Instituts für wirtschaftspolitische Analyse aus den Niederlanden auf monatlicher Basis erfasst wird. Der Vorteil des HSH Nordbank Welthandelsindex ist unter anderem seine Aktualität, da die Daten grundsätzlich taggleich abgerufen werden können, während der CPB-Index seine Daten dagegen mit einer Verzögerung von drei Monaten veröffentlicht.
       
HSH Nordbank Welthandelsindex (Kapazität auslaufender Containerschiffe aus acht Welthäfen, saisonbereinigt, Index auf Basis des gleitenden Dreimonatsdurchschnitts,) vs. CPB Welthandelsindex (Gesamter Welthandel, auf Monatsbasis, saisonbereinigt, Dreimonatsdurchschnitt, Mär 2008 = 100) 

Container-Umschlag gemessen anhand der Kapazität auslaufender Containerschiffe aus acht Welthäfen (saisonbereinigt, Index auf der Basis des gleitenden Dreimonatsdurchschnitts 31.01.2010 = 100)