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11.12.2015

Enttäuschung über EZB-Sitzung führt zu Kursverlusten an den Rentenmärkten. Euro-Notenbanken können sich dem Zinsanstieg nicht entziehen.

Die Rendite zehnjähriger Bunds fiel zuletzt um drei Basispunkte zurück auf 0,57 Prozent. Nach diesem Absturz gehen Investoren wieder in Deckung statt in die Offensive. (picture alliance / dpa)

Die Enttäuschung über die EZB-Entscheidung vom 3.12. prägte das Marktgeschehen. Statt das Anleiheankaufvolumen aufzustocken und den Einlagenzins kräftig zu senken, kündigte Notenbankpräsident Mario Draghi lediglich eine Verlängerung des QE-Programms bis März 2017 sowie eine Reduktion des Einlagenzinssatzes um 10 bp auf -0,3 Prozent. Insgesamt haben die Währungshüter einige Investoren offensichtlich kalt erwischt, wie aus dem sprunghaften Anstieg der kurz- und langfristigen Bund-Renditen um rund 30 bp sowie der dramatischen Aufwertung des Euros abzulesen war. Die Tatsache, dass Draghis Ankündigungen unter den Erwartungen geblieben sind, regte zu Spekulationen an, dass der EZB-Präsident in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkter ist als bisher. Das hätte wichtige Konsequenzen für die Rentenmärkte: Wenn die Möglichkeit, den Rentenmarkt über eine Aufstockung des QE-Programms gegebenenfalls stärker zu stützen, entfällt, dann wird es für die europäische Zentralbank noch schwieriger, sich dem Zinsanstieg aus den USA zu entziehen. Dort wird nach Meinung von Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, am 16.12. die Zinswende eingeleitet. Gegner einer Zinsanhebung verweisen auf die Schwäche im Verarbeitenden Gewerbe, das durch den Rückgang des entsprechenden ISM-Indizes auf unter 50 Punkte bestätigt wird. Die Arbeitsmarktdaten sprechen für die Gesamtwirtschaft jedoch eine andere Sprache: Die Beschäftigung ist im November um 211.000 Personen gestiegen, der Vormonatswert kräftig nach oben revidiert worden und die Arbeitslosenrate bei 5,0 Prozent geblieben. Fazit: Nur ein Finanzmarktschock wird Fed-Chefin Janet Yellen von einer Zinsanhebung abhalten.