SUCHE

Auf einen Espresso mit ...

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, zu den Marktturbulenzen, die durch die EZB ausgelöst wurden.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Die EZB senkt die Negativzinsen, das Programm für den Kauf von Anleihen wird ausgeweitet und die Börsen gehen dennoch massiv in die Knie. Was ist da los?
Dr. Cyrus de la Rubia: Die Marktteilnehmer hatten eben noch wesentlich umfangreichere Aktionen erwartet. Beispielsweise dass der Strafzins für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank nicht nur auf minus 0,3, sondern vielleicht auf minus 0,4 Prozent sinkt. Und dass das Volumen des  Anleihe-Kaufprogramms künftig über die bekannten 60 Milliarden Euro pro Monat hinausgeht. Die zeitliche Verlängerung des Programms war allen klar. Mario Draghi hat bislang jedes Mal die Erwartungen der Märkte übertroffen – dieses Mal ist er darunter geblieben. Deshalb der Absturz.

Wieso sollten die Anleihekäufe noch stärker ausgeweitet werden? 

Dr. Cyrus de la Rubia: Das ist die angelsächsische Logik, wonach eine zu niedrige Inflation mit Anleiheankäufen und damit mit einer gestiegenen Liquidität angehoben werden soll.

Bislang steigt die Inflation aber nicht ansatzweise in die von der EZB angestrebte Größenordnung von zwei Prozent. 

Dr. Cyrus de la Rubia: Stimmt, das liegt daran, dass die Kapazitätsauslastung in der Eurozone immer noch zu niedrig ist und die Unternehmen deshalb keinen Spielraum bei der Preissetzung haben. Sollte der Euro allerdings weiter abwerten, würden die Importe teurer. Das würde dann die Inflation erhöhen, allerdings auch die für unsere Wirtschaft wichtigen Vorleistungsimporte verteuern.

Gibt ein Beispiel für eine erfolgreiche Wirtschaft mit einer nachhaltig schwachen Währung?
Dr. Cyrus de la Rubia: China wurde über zehn Jahre lang vorgeworfen, den Wechselkurs zu niedrig zu halten – die chinesische Wirtschaft war damit durchaus erfolgreich. Ein Land im Aufbau kann von einer schwachen Währung profitieren.

…und ein hoch entwickeltes Industrieland?

Dr. Cyrus de la Rubia: Da ist die Philosophie eher anders: Die Stärke der Währung gilt als ein Zeichen für die Stärke der Wirtschaft und für deren hohe Produktivität. Eine hoch bewertete Währung bringt die Unternehmen dazu, weitere Produktivitätsfortschritte zu erreichen – das war mit der D-Mark in Deutschland so, und die hohe Produktivität der Schweiz hat ebenfalls mit dem traditionell stark bewerteten Franken zu tun.

Was passiert mit dem Euro, wenn die amerikanische Notenbank, die Fed, noch in diesem Monat die Zinsen anhebt? 

Dr. Cyrus de la Rubia: Der Euro wird dann wahrscheinlich wieder etwas schwächer. Das hängt aber auch davon ab, wie die Fed den Anstieg kommuniziert. Bei einer relativ gemächlichen Gangart dürften sich die Auswirkungen in Grenzen halten.