SUCHE

Auf einen Espresso mit …

Cyrus de la Rubia zu den Folgen des billigen Öls

15.12.2015

Der Ölpreis ist heute so niedrig wie während der großen Rezession von 2008/2009. Auch andere Rohstoffpreise sind im Keller. Cyrus de la Rubia zu den Folgen des Preisverfalls.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Öl ist so billig wie seit 2009 nicht mehr. Weshalb der starke Preisverfall?
Cyrus de la Rubia: Die Gründe sind vielfältig. Sie liegen hauptsächlich auf der Angebotsseite. Begonnen hat der Rückgang der Preise mit der starken Zunahme der Ölförderung in den USA durch das Fracking. Dort kommen etwa drei Millionen Barrel Öl am Tag durch diese Fördertechnik zusätzlich auf den Markt. Der andere Punkt ist, dass die OPEC ihre Produktion nicht drosselt, um das Angebot zu verknappen, sondern immer mehr ausweitet. Das war in der Vergangenheit anders. Beim jüngsten Treffen der OPEC-Länder in Wien war von Einigkeit nicht viel zu spüren. Danach fielen die Preise weiter. Dazu kommen weitere Faktoren: Der Iran könnte nach dem Wegfall der Sanktionen wieder ein großer Lieferant werden, der Irak fördert zusehends mehr.

Fracking ist aufwändig und teuer. Wie lange können Unternehmen aus diesem Bereich niedrige Preise aushalten?
Cyrus de la Rubia: Der Median-break-even liegt in der Fracking-Industrie bei etwa 50 US-Dollar pro Barrel. Das bedeutet: 50 Prozent der Fracking-Firmen verlieren bei einem Preis von 50 US-Dollar oder weniger Geld. Das heißt: Bleibt Öl billig, werden sie langfristig ausscheiden. Wobei langfristig relativ ist: Weil die Quellen nur etwa 18 Monate Öl geben, muss danach neu gebohrt werden – das machen die Firmen aber nur, wenn es sich wirtschaftlich lohnt. Die Folge: Je länger der Ölpreis im Keller ist, desto geringer wird die Produktion. Das ist ein Rennen gegen die Zeit.

Spielt auch die sinkende Nachfrage nach Öl eine Rolle?
Cyrus de la Rubia: Auf der einen Seite waren die Nachfrageprognosen wohl etwas zu optimistisch. Auf der anderen Seite hat der niedrige Preis die Nachfrage eher stimuliert. China importiert nach wie vor sehr viel Öl, allein weil das Land viele Raffinerien gebaut hat. Die müssen nun mit Rohöl gefüttert werden. Mit der Konsequenz, dass China nun Benzin aus diesen Raffinerien exportiert. 

Nicht nur die Ölpreise fallen, sondern auch die Preise für Eisenerz und andere Rohstoffe. Ist das ein normaler Ausschlag oder eine Trendwende?    

Cyrus de la Rubia: Gerade bei Kohle spielt die gesunkene Nachfrage in China eine große Rolle. Bis 2013 stieg die Nachfrage in China massiv, das Land ist bei weitem der größte Importeur von Kohle weltweit. Seitdem sind die Importe deutlich geringer, was damit zusammenhängt, dass China vermehrt seine eigene Kohle nutzt. Das Land hat dazu viel in Förderung und Transport investiert. Beim Eisenerzverbrauch gibt es ebenfalls einen Rückgang – dabei spielt die geringere Bautätigkeit in China eine Rolle.

Welche Rolle spielt die Einigung auf dem Klimagipfel für die Zukunft der Rohstoffe?

Cyrus de la Rubia: Das wird die Zeit erweisen. Dieser Vertrag wird erst in fünf Jahren gültig und es gibt keine Sanktionsmechanismen. Wenn sich alle daran halten würden, müsste das eine massive Reduktion der Kohleverbrennung bedeuten. Allerdings: China rechnet damit, erst im Jahr 2030 den Höhepunkt seines CO2-Ausstosses zu erreichen.

Sie klingen eher skeptisch.
Cyrus de la Rubia: Na ja, bislang war es eben so, dass sich viele Länder nicht so sehr an die Vereinbarungen der Klimavereinbarungen gebunden fühlen.