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UP°-Themencheck Megatrends
17.11.2015

Als Megacities werden Städte bezeichnet, in denen mehr als zehn Millionen Menschen leben. Sie werden immer größer und es gibt immer mehr von ihnen, doch ihre Kapazitäten sind begrenzt. Erforderlich sind Lösungen, die eine Überbevölkerung vermeiden und die Lebensqualität erhöhen.

Urbane Flächen effizient zu nutzen ist für die Städte der Zukunft überlebenswichtig. Im Rahmen des Hamburger Projekts Hilldegarden planen die Visionäre einen Garten auf dem ehemaligen Hochbunker Feldstraße im Stadtteil St. Pauli. (Foto: picture alliance / dpa)

Bis 2050 werden weltweit 6,4 Milliarden Menschen in Städten leben und immer mehr Stadtbewohner werden Migranten sein – so lautet die Prognose der Internationalen Organisation für Migration. Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Menschheit in urbanen Regionen. Bis zum Jahr 2050 sollen es mehr als zwei Drittel sein. In den wenig entwickelten Ländern wird sich die Zahl der Menschen, die in Städten leben, von 2,5 auf mehr als fünf Milliarden erhöhen. Die größten Städte werden daher in Zukunft mit wenigen Ausnahmen in Entwicklungsländern liegen. Um Menschen aufnehmen zu können, braucht eine Stadt mehr Raum. Seit 1950 haben sich die Flächen für urbane Siedlungsformen verdoppelt und werden sich selbst nach konservativen Schätzungen in den nächsten 50 Jahren noch einmal verzweifachen.

Wirtschaftswachstum versus Luftverschmutzung

Die großen Städte werden also immer größer und vor allem junge Menschen vom Land ziehen in die Stadt. Diese Entwicklung hat soziale, ökonomische und ökologische Folgen. Urbanisierung ist ein Grund, weshalb sich die globale Produktivkraft in den Metropolen verdichtet. Dort erwirtschaftet schon heute etwa die Hälfte der Weltbevölkerung gut 80 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts.
Großstädte verbrauchen allerdings auch mehr als zwei Drittel aller Energie. Je nach Niveau des Wohlstands haben große Ballungsräume und Metropolregionen mit unterschiedlichen Umweltproblemen zu kämpfen: In ärmeren Ländern überwiegen lokale Herausforderungen wie Luftverschmutzung und mangelnde Hygiene. Die Städte der entwickelten Länder bieten ihren Bewohnern dagegen zwar eine hohe Lebensqualität, emittieren aber auch große Mengen an Treibhausgasen und forcieren damit den Klimawandel.

Damit die Metropolen von morgen immer mehr Landbewohner aufnehmen können, sind erhebliche Anstrengungen notwendig. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group müssen die Städte in den Entwicklungsländern zwischen 2010 und 2030 mehr als 30 Billionen US-Dollar in Infrastruktur und Wohnungen investieren, um nur die unmittelbaren Wachstumsprobleme zu bewältigen.

UP°-Themencheck Megatrends

 „Megatrends 2020plus – Herausforderungen und Chancen für Unternehmer“ ist eine Publikation von Unternehmer Positionen Nord. Der Themencheck bietet einen Überblick über Jahrzehnte hinweg wirkende Megatrends und die sich daraus erwachsenden wirtschaftlichen Potentiale für Unternehmen.

Weniger Raum braucht mehr Effizienz – Zukunftsmärkte entstehen

Soll sich die Lebensqualität vor Ort verbessern, müssen die Kommunen gleichzeitig energie- und ressourceneffizient wirtschaften und möglichst geringe Mengen Treibhausgase emittieren. Hier können Unternehmen Zukunftsmärkte in der Infrastruktur und Logistik erschließen: Um etwa die Energiebilanz in urbanen Räumen zu verbessern, kann die Abwärme in sehr dicht besiedelten Gebieten weiter genutzt werden. In der Logistik sollten Leistungen besser ausdifferenziert werden
zum Beispiel durch  modulare Flexible Low-Cost-Angebote und hochpreisige Services wie Echtzeitsteuerung der Belieferung. Wenn Kraftfahrzeuge als Energiespeicher genutzt werden, kann die Elektromobilität davon profitieren.

Dabei sind der Effizienz kaum Grenzen gesetzt. Auch bestehende Gebäude und Flächen können für die Landwirtschaft genutzt werden, Stichwort Urban Farming. Die Wege des öffentlichen Nahverkehrs könnten auch im Warentransport genutzt werden: In Zürich wird der Müll bereits per Straßenbahn abtransportiert. In ferner Zukunft könnte sogar der städtische Untergrund für Erholungszwecke verwendet werden, wie die Vision des Projekts Low Line in New York zeigt, wo Parks unter die Erde verlegt werden sollen.

Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Großstädten als Migrantenmagneten stehen strukturschwache Abwanderungsgebiete gegenüber. Verwaltungen droht die Überforderung, wenn immer mehr Gebiete zusammenwachsen. Dicht besiedelte Großregionen sind besonders verwundbar durch Anschläge oder extreme Wettereignisse.