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Pressefokus
18.11.2015

Der Mietkauf von Maschinen und der Verkauf offener Forderungen werden bei Mittelständlern immer beliebter. Die Geschäfte stabilisieren die Liquidität und vergrößern den Finanzierungsspielraum kleiner und mittelgroßer Firmen. Die Anbieter von Factoring und Leasing verzeichnen starkes Wachstum.

Kräne, blauer Himmel

Wo Krane in den Himmel wachsen und Schwerlastgeräte auf die Liquidität drücken, ist eine intelligente Finanzierung existenziell. (Foto: picture alliance / chromorange)

Geräte und Maschinen auf Leasingbasis zu mieten wird bei Mittelständlern immer populärer – vor allem weil sie ihre Kosten dadurch besser und langfristig planen und die flüssigen Mittel im Unternehmen verstetigen können. So hat das Volumen auf Zeit gemieteter Maschinen und Anlagen laut Handelsblatt, das sich auf den Branchenverband Leasing beruft, im ersten Halbjahr um weitere sechs Prozent pro Jahr zugelegt – auf ein Gesamtvolumen von zuletzt 50 Milliarden Euro.

Landwirte leasen Mähdrescher, Bauunternehmen Kräne und in vielen Fertigungshallen stehen Maschinen, die einem Leasinganbieter gehören. Fahrzeuge sind mit 72 Prozent noch immer die Favoriten unter den geleasten Objekten, gefolgt von Produktionsmaschinen (elf Prozent) und Bürotechnik (sechs Prozent), schreibt die Zeitung.

Mittelstand schätzt die eröffneten Spielräume

Über 60 Prozent aller Mittelständler nutzen derzeit schon Leasingverträge, denn geleaste Güter bleiben im Eigentum der Leasinggesellschaft und binden daher kein Kapital in der Bilanz des Leasingkunden – anders als etwa eine Maschine, die per Bankkredit abbezahlt wird.

Damit ist Leasing eine interessante Form der Firmenfinanzierung, die überdies die Bonität eines Unternehmens schont und die finanziellen Spielräume bei Investitionen erweitert. Außerdem können Leasingraten als direkte Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden.

Garantie zeitgemäßer Technikstandards

Häufig werden in den Leasingverträgen zudem umfangreiche Servicezusagen gemacht, damit die Technik während des laufenden Vertrags nicht veraltet. Der Leasingnehmer hat also auch bei der Wartung und Erneuerung über die Nutzungsdauer hinweg attraktive Vorteile, sofern der vereinbarte Service leistungsfähig ist.

„Viele kennen das aus dem PKW-Bereich. Das sogenannte Full-Service-Leasing wird aber auch in vielen anderen Bereichen zunehmend nachgefragt, meist in Branchen mit schnelllebiger Technik oder hohem Serviceaufwand wie im IT- und Office-Bereich“, sagt Michael Drews, Kundenberater bei der Leasinggesellschaft abcfinance der Zeitung Die Welt.

Individuelle Nutzung kann festgelegt werden

Einen weiteren Vorteil des Mietkaufs hebt die Tageszeitung hervor: Leasingverträge können je nach Nutzungsintensität des Objekts individuell gestaltet werden. Das Baugewerbe oder die Gastronomie können saisonal schwankende Nutzungszyklen – zum Beispiel nur im Sommer – in einem Leasingvertrag vereinbaren. In Monaten mit schwacher Nutzung müssen sie dann weniger bezahlen als in solchen mit starker Nutzung. Damit lässt sich auch der Cashflow einer Firma stabilisieren, weil sich der finanzielle Aufwand für Maschinen dem realen Geschäftsverlauf anpasst.

Einige Fakten sollten sich Unternehmen allerdings vor dem Abschluss bewusst machen: Leasingverträge können bei Zahlungsverzug sofort gekündigt werden, was bei einer betriebswichtigen Maschine das gesamte Geschäft gefährdet. Geleaste Maschinen können zudem nicht als Kreditsicherheit verwendet werden. Auch das Kleingedruckte vieler Leasingverträge sollte gründlich geprüft werden, denn es bietet oft Fallstricke wie etwa vierteljährliche Vorauszahlungen oder versteckte Bearbeitungsgebühren.

Forderungsverkauf nimmt Firmen Risiken

Wie das Leasing wird auch das Factoring für Mittelständler immer attraktiver. Dabei tritt ein Unternehmer seine Außenstände, etwa die Rechnungen seiner Kunden, an einen Factoring-Dienstleister gegen einen geringen Abschlag ab.

Der Unternehmer hat sein Geld damit schon nach wenigen Tagen auf dem Konto und kann die Liquidität des Unternehmens dadurch besser steuern. Er spart sich Eintreibung und Abrechnung der offenen Forderungen (im Rahmen eines Full-Service Factoring), muss die Bonität seiner Kunden nicht mehr vorrangig prüfen und schützt sich obendrein gegen das Risiko eines Totalausfalls.

Auch Factoring stärkt Spielräume

Im ersten Halbjahr 2015 traten Unternehmen in Deutschland offene Forderungen im Umfang von 100 Milliarden Euro ab. 15 Prozent der in diesem Jahr vom Bundesverband Factoring befragten Mittelständler gaben an, Rechnungen an Factoring-Dienstleister weitergeben zu wollen – 2012 waren es nur zehn Prozent.

Wie das Leasing wirkt sich Factoring als Finanzierungseffekt positiv auf das Unternehmen aus, da die sofort eingehenden Zahlungen das Umlaufvermögen (Working Capital) stärken und die Investitionsspielräume vergrößern.

Eine Onlineplattform für die schwierigen Fälle

Wie das Handelsblatt in einem Beitrag zum Thema schreibt, können Unternehmer nun auch die Onlineplattform Debitos nutzen, um ihre Forderungen abzutreten. Dort stehen die Außenstände zum Verkauf, die Factoringanbieter nicht mehr interessieren – also etwa ausgemahnte Forderungen, die nur noch geringe Aussicht auf Begleichung haben.

Das Frankfurter Startup Debitos hat dafür einen Marktplatz organisiert, der wie eBay funktioniert. Mittelständler können dort ihre Kundenforderungen einstellen und höchstbietend verkaufen. Bieter sind meist spezialisierte Anwaltskanzleien, Banken oder auch Inkassofirmen.

Bei den Betreibern der Plattform, auf der seit ihrer Gründung im Jahr 2014 bereits Forderungen im Volumen von einer Milliarde Euro versteigert wurden, bleiben zwischen einem und neun Prozent als Transaktionsgebühr hängen. „Unserer Erfahrung nach erhalten die Verkäufer zwischen zehn und 40 Prozent der ausstehenden Summe zurück“, erläutert Debitos-Geschäftsführer Timur Peters der Zeitung.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat November (beobachteter Zeitraum: 2. bis 16. November 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt und Die Welt.