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UP°-THEMENCHECK MEGATRENDS
03.11.2015

Die Nachfrage bestimmt das Angebot: Früher entschied der westliche Konsum über Wirtschaftskraft und -macht, heute verschieben sich Nachfrage und Kaufkraft in Richtung Asien. Wer klug investiert, kann davon profitieren.

Internationaler Hafen von Beihai, China: Der Konsum in China und anderen Schwellenländern zieht an, neue Wirtschafts- und damit Machtzentren entstehen. In China steigt jedoch derzeit der Konsum vor allem durch die staatlichen Ausgaben, die das Land im Export unabhängiger machen sollen. (Foto: picture alliance / ZUMA Press)

Auf lange Sicht verflechten sich immer mehr Volkswirtschaften über die Grenzen von Nationen und über Kontinente hinweg. Im 20. Jahrhundert – während der ersten Globalisierung – dominierten die reichen westlichen Staaten die globalen Austauschbeziehungen. In den kommenden Jahrzehnten werden sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Neue regionale Wirtschaftszentren entstehen, wobei die Schwerpunkte vor allem in Asien liegen: Die Globalisierung erreicht das Level 2.0. Für die asiatischen und anderen Schwellenländer ist der internationale Warenhandel inzwischen selbstverständlich.

Regionale Zentren: Der Westen verliert an Dominanz

Die Schwellenländer profitieren von ihren wachsenden Binnenmärkten und von den zunehmenden Handelsbeziehungen untereinander. Als die relevantesten unter ihnen gelten heute die Emerging Seven: Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland und die Türkei. 2050 soll ihr Bruttosozialprodukt das der G-7-Staaten um mehr als 50 Prozent übersteigen. Der Lebensstandard in den Schwellenländern nähert sich damit dem der Industrieländer an. Schon heute lebt in diesen Ländern eine konsumfreudige Mittelschicht und jährlich wächst sie um 70 Millionen Menschen. Ab etwa 2040 wird die Mittelklasse in China mehr verbrauchen als die in der gesamten Europäischen Union (EU).

Globalisierung 2.0 bedeutet aber nicht nur mehr Konsum, sondern auch höhere Komplexität und stärkere Abhängigkeit. Dazu tragen vor allem die zunehmend fragmentierten Wertschöpfungsketten bei: Unternehmen produzieren weltweit und haben globale Märkte im Blick, zunehmend werden auch Dienstleistungen in andere Länder ausgelagert. In Großregionen nimmt der Handel zu, etwa in der EU oder im Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN), in dem sich die wirtschaftlich wichtigen Länder Südostasiens zusammengeschlossen haben. Entscheidend für die gegenwärtige und die künftige Entwicklung ist mobiles Kapital: Aufstrebende Staaten wie die asiatischen Schwellenländer sind schon heute einflussreiche Investoren im Ausland.

Chancen in Südostasien und in afrikanischen Ländern

Für Unternehmen im „alten“ Westen bietet die Globalisierung 2.0 zwei entscheidende Chancen: Sie können neue regionale Absatzmärkte erschließen und das globale Portfoliomanagement zum Strategiethema machen. Zu den neuen Regionen zählen nicht nur die Emerging Seven, sondern auch die Next Eleven. Das sind die Länder Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, die Philippinen, Südkorea, die Türkei und Vietnam. Unternehmer sollten besonders den aufsteigenden ASEAN-Raum im Blick behalten: Dort entwickeln sich zusehends günstige Investitionsbedingungen aufgrund der wirtschaftlichen Integration und den vielen, vor allem jungen Menschen.

UP°-Themencheck Megatrends

 „Megatrends 2020plus – Herausforderungen und Chancen für Unternehmer“ ist eine Publikation von Unternehmer Positionen Nord. Der Themencheck bietet einen Überblick über Jahrzehnte hinweg wirkende Megatrends und die sich daraus erwachsenden wirtschaftlichen Potentiale für Unternehmen.

Für bestimmte Branchen bieten auch afrikanische Staaten Potenzial, darunter Äthiopien, Ghana, Kenia und Mosambik. Das gilt vor allem für große Bauvorhaben bei Infrastrukturprojekten, aber auch für Verbrauchsgüter und Haushaltselektronik. Unternehmen, die auf ein globales Portfolio setzen, können sich durch regionale oder globale Produktstrategien Wettbewerbsvorteile sichern, beispielsweise in den Branchen Nahrungsmittel oder Rohtextilien.

Auf der makroökonomischen Ebene lauern aber auch Risiken: Volkswirtschaften werden anfälliger für globale Dominoeffekte. Außerdem sind westliche Exportmärkte bedroht, wenn das Interesse an lokalen Produkten und Marken in den Emerging Markets zunimmt.