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23.11.2015

Der sich positiv entwickelnde Arbeitsmarkt in den USA macht den Zinsschritt der Fed wahrscheinlich.

Die US-Notenbank Fed gab den Startschuss für eine Zinserhöhung im Dezember. (Foto: picture alliance / ZB)

Die Bahn scheint nun endlich frei zu sein für die erste US-Zinsanhebung seit 2006. Die jüngsten Wachstumsindikatoren – hier sind die überraschend robusten Arbeitsmarktdaten hervorzuheben – deuten darauf hin, dass die Wachstumsverlangsamung nur temporärer Natur war und die Vereinigten Staaten grundsätzlich auf dem Expansionspfad bleiben. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Lösung des Haushaltsstreits, die Ende Oktober im Kongress gefunden wurde und andernfalls für Turbulenzen hätte sorgen können. China wird von der US-Notenbank keine entscheidende Rolle mehr in Bezug auf die Stabilität der Finanzmärkte zugewiesen, wobei die dortigen Aktienmärkte sich zuletzt positiv entwickelt haben. Die Terroranschläge in Paris verkomplizieren die Lage der US-Notenbank etwas.

Jedoch zeugen die insgesamt milden Reaktionen an den Kapitalmärkten bis dato von einer großen Widerstandsfähigkeit. Vereinzelte Äußerungen von Fed-Mitgliedern weisen im Übrigen darauf hin, dass Zinsanhebungen auch als notwendig erachtet werden können, um das Überhitzen bestimmter Marktsegmente zu verhindern. Schließlich scheint auch die Kommunikationsstrategie der US-Notenbank etwas konsistenter zu werden. Man lässt sich nicht mehr von einzelnen schwächeren Indikatoren beirren, sondern hält an seiner Linie fest. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, würde daher auch bei einem schwächeren Arbeitsmarktbericht für November an der Prognose einer Zinsanhebung Mitte Dezember festhalten. Die längerfristigen Renditen, so de la Rubia, sollten darauf mit einem leichten Anstieg reagieren.

Eurozone: Konjunkturerholung setzt sich solide fort

Im dritten Quartal hat die Wachstumsdynamik in der Eurozone mit einem Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal etwas nachgelassen. Nichtsdestotrotz setzt sich damit die Konjunkturerholung solide fort. Die veröffentlichten Daten decken sich mit der Erwartung von Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte leicht an Fahrt verliert. Boie hält an ihrer Wachstumsrate von 1,4 Prozent für das Gesamtjahr 2015 damit unverändert fest. Die Inflationsrate ist mit 0,1 Prozent im Oktober etwas höher gemeldet worden. Ungeachtet dessen dürfte die EZB derzeit Vorbereitungen für eine erneute Lockerung ihrer Geldpolitik auf der Zinssitzung im Dezember treffen. Boies Erachtens könnte die EZB eine Absenkung des Einlagensatzes um 10 bp auf -0,30 Prozent sowie eine Erhöhung der monatlichen Anleiheankaufvolumina um mindestens 10 Mrd. Euro auf 70 Milliarden Euro beschließen. Auch eine Ausweitung des anzukaufenden Anleihespektrums ist sehr wahrscheinlich. Die Notenbank muss aufpassen, mit ihrer Geldpolitik nicht immer stärkere Fehlanreize für den Reformfortschritt in vielen Ländern der Eurozone zu setzen. Denn die politische Landschaft ist in derzeit im Umbruch begriffen – in Portugal bahnt sich eine Regierung unter sozialistischer Führung an, in Spanien stehen am 20. Dezember Parlamentswahlen an, bei der die konservative Regierung ihre absolute Mehrheit verlieren dürfte. Damit sinkt der Einfluss der Parteien, die den Reformprozess eingeleitet und vorangetrieben haben, und dieser könnte zukünftig mit den durch die EZB ausgelösten niedrigen Refinanzierungskosten ins Stocken geraten.