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07.10.2015

Die Kapitalmarktunion ermöglicht eine Umverteilung im großen Stil. Ist sie die Antwort auf das Wachstumsproblem in Europa? Diese und andere Fragen werden im Workshop „Europäische Kapitalmarktunion“ auf dem kommenden Global Economics Symposium in Kiel diskutiert.

Pressekonferenz in Brüssel: Am 30. September 2015 stellte der EU-Finanzkommissar Jonathan Hill seine Pläne zur Kapitalmarktunion vor. Firmen sollen unter anderem leichteren Zugang zu Kapital erhalten. (Foto: picture alliance / ZUMA Press)

Die grundsätzliche Idee der Kapitalmarktunion ist einfach: Kapital sollte von den Überschuss- zu den Defizitländern fließen. In den südeuropäischen Ländern herrscht ein genereller Mangel an Kapital. Die meisten Unternehmen, insbesondere die mit einem Fokus auf den Heimatmarkt, haben Probleme, Kredit von einer Bank oder am Kapitalmarkt zu erhalten. Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland und anderen Teilen Nordeuropas viele Investoren, die unter den niedrigen Renditen und einem Mangel an Investitionsmöglichkeiten leiden.

Für dieses Problem gibt es eine naheliegende Lösung: die Anleger aus Nordeuropa, die auf der Suche nach profitablen Investments sind, sollten die Firmen aus Südeuropa finanzieren, die derzeit keinen Zugang zum Kredit- und Kapitalmarkt haben und die bereit wären, höhere Renditen zu zahlen als vergleichbare Unternehmen im Norden Europas. Das Geld sollte über den europäischen Banken- und Kapitalmarkt angelegt werden. Es wäre eine so genannte
Win-Win-Situation, denn die Anleger bekämen eine höhere Rendite, während die an Kapitalmangel leidenden Firmen ihr Geschäft ausbauen könnten. Das Ergebnis wäre ein Anstieg der Investitionstätigkeit und höheres Wirtschaftswachstum.

So einfach diese Idee klingt, so komplex sind die institutionellen Erfordernisse für ihre Umsetzung. Welche Rolle spielen die nationalen Insolvenz- und Steuergesetze und wie müssten sie reformiert werden? Sind Banken und Kapitalmärkte in diesem Prozess Substitute oder sind sie eher als Komplemente zu betrachten? Wie könnte die Unternehmensfinanzierung über die Aktienmärkte erhöht werden? Gehen die Vorschläge der Europäischen Kommission in die richtige Richtung? Was können wir von der Kapitalmarktunion in den USA lernen?

Veranstaltungsinformationen

Auf dem Global Economic Symposium vom 12. bis 14. Oktober in Kiel wird neben vielen anderen Programmpunkten auch das Thema „Europäische Kapitalmarktunion – wie soll sie gestaltet werden, um das Wachstumsproblem Europas zu lösen?“ diskutiert. Der Workshop findet statt am 14. Oktober, um 13:15 Uhr.