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UP°-THEMENCHECK MEGATRENDS
21.10.2015

Unbefristet und flexibel statt standardisiert und automatisiert: Die Arbeitswelt wird immer unabhängiger von Ort und Zeit, dank neuer Informations- und Kommunikationstechnologie.

Mobil zu arbeiten ist nicht neu, aber die Ausmaße haben sich erweitert: Früher nahm ein Messerschleifer die Werkstatt mit aufs Rad, heute sitzen die Angestellten samt Laptop und Handy im Flieger. (Foto: picture alliance / PAP)

Dienstleistungen gewinnen auch in Zukunft weiter an Bedeutung und innovative Informations- sowie Kommunikationstechnologien prägen zunehmend den Arbeitsalltag. Aus diesen beiden Trends werden flexiblere Arbeitsweisen möglich. Immer mehr unbefristete Vollzeitstellen werden durch befristete Projektverträge, freie Mitarbeit und Teilzeit ersetzt: In Deutschland ist der Anteil der Selbstständigen unter den hoch qualifizierten Büroarbeitern von 19,3 Prozent im Jahr 2005 auf 29,5 Prozent im Jahr 2010 gestiegen.

Zudem ist Mobilität immer relevanter: Arbeit von unterwegs und das sogenannte Homeoffice stehen dem Bürojob gegenüber. Eine wachsende Zahl an Unternehmen öffnet sich dem Wunsch ihrer Angestellten, teilweise von zu Hause aus zu arbeiten. Die Flexibilität findet sich schließlich im Gehalt wieder: Immer häufiger enthält es erfolgsbezogene Anteile.

Quelle: Statistisches Bundesamt 2013

Flexible Arbeitskultur für Mitarbeiter kann Führungskultur und Arbeitgebermarke stärken

Konkret bedeutet das für deutsche Unternehmen, Arbeitnehmern größere Freiheiten bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes und ihrer Arbeitszeit zu lassen. Selbstbestimmung, ob man mobil oder von zu Hause arbeitet, wird in Zukunft eine noch viel größere Rolle spielen. Viele Unternehmen orientieren sich inzwischen an Coworking Spaces, in denen sich Selbstständige einmieten können, und bieten große Flächen und eine Clean Desk Policy an – jeder Mitarbeiter kann überall an jedem Schreibtisch arbeiten.

Um weiterhin erfolgreich als Unternehmen zu funktionieren, ist eine neue Führungskultur gefordert: Vertrauen statt Kontrolle wird zur Devise, die Rolle des Chefs wandelt sich hin zum Mentor und Coach. Je mehr die Unternehmen auf die Anforderungen ihrer Arbeitnehmer eingehen, desto stärker etablieren sie sich als Marke. Beliebte Arbeitgeber unterstützen schon heute ihre Mitarbeiter in deren Weiterbildung oder Gesundheit. Wer Homeoffice und flexible Arbeitszeiten unterstützt, schafft so schließlich bessere Konditionen, um Familie und Arbeit zu koordinieren – und fördert so auch Frauen in Führungspositionen.

Diesen Innovationen im Arbeitsleben stehen der Personalabbau und der Verlust von Verbindlichkeit gegenüber. Arbeitnehmer mit geringeren Qualifikationen werden durch Automatisierungsprozesse ersetzt. Die Unternehmenskultur leidet unter beständiger Abwesenheit verschiedener Mitarbeiter. Um diese Herausforderungen zu überwinden, sollten Führungskräfte frühzeitig geschult und ihre Potenziale gefördert werden.

UP°-Themencheck Megatrends

 „Megatrends 2020plus – Herausforderungen und Chancen für Unternehmer“ ist eine Publikation von Unternehmer Positionen Nord. Der Themencheck bietet einen Überblick über Jahrzehnte hinweg wirkende Megatrends und die sich daraus erwachsenden wirtschaftlichen Potentiale für Unternehmen.

Verändern sich die äußeren Rahmenbedingungen, wandelt sich auch die Zusammenarbeit zwischen Angestellten und Führungskräften. Je unterschiedlicher die Arbeitsplätze, desto mehr sehen sich Unternehmen gezwungen, neue Arbeitsweisen und innovative Führungstechniken zu entwickeln. Hier sind neue Ansätze im Führungsstil, im Austausch von Daten sowie den verwendeten Technologien und Geschäftsprozessen gefragt: Bis wann dürfen dienstliche E-Mails verschickt und abgerufen werden? Kann ich als Arbeitnehmer mein privates Laptop nutzen, bekannt als Bring Your Own Device?

Trotz aller Flexibilität greifen Standardisierung und Automatisierung auch im Dienstleistungssektor um sich. So ermöglicht die Informations- und Kommunikationstechnologie auch geringere Kosten durch Personalabbau. Der mobile Check-in bei Flugreisen und automatisierte Zugangskontrollen im Schienenverkehr (wie bereits in den Niederlanden üblich) sind Beispiele für diesen Trend.