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UP°-Themencheck Megatrends
05.10.2015

Intelligente Fahrzeuge, alternative Antriebe und vernetzte Infrastrukturen – die neuen Mobilitätsmuster formen einen der größten Wachstumsmärkte des 21. Jahrhunderts. Für alle, die den Anschluss nicht verpassen.

Das Auto des 21. Jahrhunderts soll modern aussehen und über einen innovativen Antrieb verfügen. Langfristig sehen Trendforscher zum Beispiel ein großes Potenzial im Wasserstoffauto. (Foto: picture alliance / dpa)

Weltweit nimmt der Güter- und Personenverkehr zu. Besonders die asiatischen Schwellenländer mit ihrem starken wirtschaftlichen Wachstum verzeichnen rapide steigende Mobilitätsraten: mit dem Wohlstand wachsen die regelmäßig zurückgelegten Strecken, gleichzeitig ist der Fahrzeugbesitz in diesen Ländern ein wichtiges Symbol für den gesellschaftlichen Aufstieg. Ganz vorne dabei ist China: 2019 sollen rund 28 Millionen Autos neu zugelassen werden. Das sind damit annähernd so viele Neuzulassungen wie in den USA und in der Europäischen Union zusammen. Doch nicht nur innerhalb einzelner Regionen, auch zwischen den globalen Wirtschaftszentren nimmt der Verkehr stetig zu. Insbesondere der Flugverkehr, der allen Prognosen zufolge weiter wachsen wird, übernimmt die Rolle eines Motors der Globalisierung.

Neue Mobilitätkonzepte müssen her

Da Menschen und Güter immer mobiler sind, stößt die vorhandene Infrastruktur an ihre Auslastungsgrenzen. Die Folge sind Staus und Verkehrschaos, die in vielen Regionen zum Alltag gehören. So müssen auch Flughäfen neu gebaut oder mit zusätzlichen Landebahnen ausgestattet werden. Noch größer ist der Erweiterungsbedarf bei Seehäfen. So beeinträchtigt Mobilität auch die Lebensqualität – unmittelbar durch Luftverschmutzung und Verkehrslärm, mittelbar durch emittierte Treibhausgase und den Verbrauch an endlichen fossilen Ressourcen. Insbesondere in den urbanen Zentren sind alternative Mobilitätskonzepte gefragt. Daraus gehen zahlreiche neue Trends hervor, zum Beispiel das Car-Sharing, der Bikeboom, der sogenannte Langsamverkehr und die intelligente Verknüpfung aller Verkehrsmittel (Mixed Mobility). Hinzu kommen vermehrt Versuche, Großstädte mit einer Mautpflicht oder einer Sperrung der Zentren für den motorisierten Verkehr zu entlasten. Im Automobilbereich stehen angesichts der Endlichkeit fossiler Ressourcen und des Klimawandels mittel- bis langfristig der Umstieg auf neue Fahrzeugkonzepte, Antriebstechnologien und passende Infrastrukturlösungen bevor.

Gleichzeitig ergeben sich neue Ansprüche: Immer mehr Menschen empfinden Mobilität nicht als Freiheit, sondern als Zwang. Sie sehnen sich danach, weniger unterwegs zu sein oder sich zumindest angenehm fortzubewegen. Da die Mobilitätsanlässe jedoch nicht weniger werden, kommt der reibungslosen Gestaltung des Unterwegsseins künftig eine bedeutende Rolle zu. Neben einem steigenden Komfort, den zum Beispiel das autonome Fahren mit sich bringt, ergeben sich neue Geschäftsfelder im Konsumbereich. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen die sogenannten Unterwegsmärkte, die mobile Serviceleistungen wie Snackbars in Bahnen oder Automaten für verschiedene Produktgruppen umfassen.

Durchstarten in die mobile Zukunft: Was Unternehmer beachten sollten

Für Unternehmer sind die zahlreichen Geschäftsfelder, die sich rund um die neuen Fahrzeug- und Fortbewegungskonzepte entwickeln, eine große Chance. So strukturiert sich die Wertschöpfung im Automobilbereich neu und schafft Anknüpfungspunkte für innovative Geschäftsideen. Bei der technologischen Entwicklung weisen Prognosen wie die abgebildete Roadmap darauf hin, dass alternative, emissionsarme Antriebe immer wichtiger werden. Demnach werden bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts rund zwei Drittel aller Personenkraftwagen ausschließlich mit Wasserstoff oder Strom fahren. Den Übergang zur postfossilen Mobilität sollten Fahrzeughersteller aktiv vorantreiben und bei der technologischen Entwicklung den Anschluss nicht verpassen.

UP°-Themencheck Megatrends

 „Megatrends 2020plus – Herausforderungen und Chancen für Unternehmer“ ist eine Publikation von Unternehmer Positionen Nord. Der Themencheck bietet einen Überblick über Jahrzehnte hinweg wirkende Megatrends und die sich daraus erwachsenden wirtschaftlichen Potentiale für Unternehmen.

Neben der Technologie verändern sich auch die Mobilitätsdienstleistungen. Künftig sind vor allem Leistungen gefragt, die unterschiedliche Verkehrsträger vernetzen und ein verbessertes Management von Schnittstellen ermöglichen – etwa zwischen Fahrrad und öffentlichem Personennahverkehr oder zwischen Bahn und Pkw. Darüber hinaus ermöglicht die enge Verzahnung der Automobil-, Informations- und Telekommunikationsbranche die Entwicklung neuartiger Systemlösungen. Ein Beispiel sind Mobilitätsplattformen, die verkehrsträgerübergreifende Mobilitätslösungen aus einer Hand anbieten. Hierfür müssen sich wiederum neue digitale Verkehrssysteme etablieren, wie intelligente Car-to-X-Technologien (Car-to-Car und Car-to-Infrastructure): Sie bieten die Chance, Fahrzeuge und Infrastrukturen digital zu vernetzen, um den Verkehr zu steuern und den Kraftstoffverbrauch zu minimieren.

Neben diesen vielen Chancen der neuen Mobilitätsmuster stehen einige Hürden, die zu überwinden sein werden. Eine große Herausforderung besteht darin, die Akzeptanz für alternative Fahrzeugkonzepte und Fortbewegungsmöglichkeiten in der Bevölkerung zu steigern. Hier sind vor allem gemeinsame Anstrengungen von Unternehmen und politischen Akteuren erforderlich, um langfristige Fortschritte zu erzielen. Hinzu kommt ein hoher Investitions- und Innovationsbedarf, um technologische Durchbrüche bei alternativen Antriebstechnologien zu erzielen. Zugleich nimmt auch der Bedarf an kostspieligen Infrastrukturen zu, zum Beispiel Ladestationen für Elektroautos und entsprechenden Standards. Hier gilt es, konsequent auf die anvisierte Technologie zu setzen und Kooperationen mit Partnern einzugehen, die die eigene Mobilitätsvision teilen.