SUCHE

Pressefokus

Managerversagen und Cyberangriffe - Versicherungen für Unternehmen

07.10.2015

Die Risiken von Unternehmen nehmen zu. Cyberangriffe oder das Versagen von Managern gehören zu den selteneren Schadensfällen. Doch auch dagegen gibt es Versicherungen – die allerdings nur in Maßen schützen.

Gut, wenn der Fallschirm dabei ist. Versicherungen machen Firmenschäden beherrschbar. (Foto: picture-alliance / ASA)

Der Blick nach Wolfsburg lässt derzeit auch manchen Mittelständler nervös werden. Was wäre, wenn es zu einem solchen Skandal wie bei VW im eigenen Haus käme? Volkswagen muss für die Manipulation der Abgaswerte in den USA mit einer Geldbuße in Milliardenhöhe rechnen. US-Juristen versuchen bereits zurückgetretene Vorstände wie Martin Winterkorn in die Zange zu nehmen.

Für solche Fälle haben Konzernvorstände, aber auch viele Mittelständler, eine Directors-and-Officers-Versicherung abgeschlossen. Diese Organ- oder Managerhaftpflicht greift, wenn der Chef Schaden anrichtet und Regressforderungen erhoben werden. „Es können Kosten sein, die dem Unternehmen direkt entstehen – etwa Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kunden. Oder ein Imageschaden, der erst in Zukunft auf Umsatz und Gewinn drückt“, schreibt das Handelsblatt. Gute Haftpflichtpolicen deckten auch Bußgelder ab, wie sie VW in den USA drohten.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Die Chefs haften auch, wenn sie angeblich nicht im Bilde waren. „Winterkorn hat beteuert, von den Tricks bei den Abgastests nichts gewusst zu haben. Allerdings müssen Vorstände ihr Unternehmen so organisieren, dass gravierende Fehler nicht passieren oder zumindest rechtzeitig nach oben gemeldet werden.“

Auch eine Spezialversicherung leistet im Übrigen nicht unbegrenzt. Selbst bei Dax-Konzernen ist in der Praxis maximal ein Schaden in Höhe von 500 Millionen Euro abgedeckt. Davon müssen auch die Rechtsanwaltskosten bezahlt werden, die oft in die Millionen gehen.

Nach dem Aktiengesetz müssen Manager in jedem Fall ein Zehntel des Schadens aus eigener Tasche bezahlen, aber gleichzeitig begrenzt der Gesetzgeber das persönliche Risiko der Chefs. Beim Anderthalbfachen ihres Jahresgehalts sei „auch schon Schluss“ mit der privaten Haftung der Vorstände, schreibt das Handelsblatt.

Und auch im Schadensfall verhandeln Unternehmen noch einmal mit ihren Versicherungen, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Demnach hatte der Siemenskonzern im Bestechungsskandal 2009 seine Ex-Manager zwar bis zu einer Höhe von 250 Millionen Euro gegen Ansprüche versichert. Letztlich habe sich das Versicherungskonsortium, dem die Allianz und Zurich Versicherung angehörten, mit dem Unternehmen auf die Übernahme von 100 Millionen Euro geeinigt.

Markt für Cyberpolicen wächst

Auch wenn der Chef alles richtig macht, kann sein Unternehmen Opfer einer Cyberattacke werden. Da das Thema zunehmend auch Mittelständler umtreibe, wachse derzeit ein Markt mit Versicherungen gegen solche Angriffe heran, schreibt die SZ.

Das Blatt schildert den Fall eines Unternehmens mit 150 Mitarbeitern, bei dem Hacker in die Telefonanlage eindrangen und anschließend für 60.000 Euro Servicenummern anriefen. Erfreulicherweise hatte der Unternehmer eine Cyberpolice abgeschlossen.

Ein mittelständischer Industriebetrieb zahlt laut SZ für eine Police mit einer Schadensdeckung in Höhe von einer Million Euro rund 7.000 Euro bis 15.000 Euro im Jahr. „Wir erleben eine Welle von Anfragen. Jede öffentliche Diskussion über einen Cyberangriff wie zum Beispiel den auf den Bundestag führt zu mehr Interesse bei Unternehmen“, sagte Georg Bräuchle, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Marsh der Zeitung. Der Makler hatte im vergangenen Jahr 20 Versicherungen dieser Art verkauft. 2015 kam es bereits zu 46 Abschlüssen von Cyberpolicen – bei einem Prämienvolumen von 1,2 Millionen Euro.

Auf dem deutschen Markt bieten derzeit 15 Versicherungen solche Policen an. Das Gesamtvolumen schätzt Marsh auf zehn Millionen Euro. In fünf Jahren könnten es schon 200 Millionen sein. Schließlich erwirtschaften Anbieter in den USA mit solchen Produkten bereits zwei Milliarden Dollar Umsatz.

Hackerangriffe, wie der auf den Bundestag, das US-Seitensprungportal Ashley Madison sowie auf ein Auto der Marke Jeep Cherokee, hätten Managern vor Augen geführt, dass die Gefahr real ist, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Auch das kommende IT-Sicherheitsgesetz, das etwa Energie- und Finanzdienstleister zu intensiverem Risikomanagement in Sachen Informationstechnologie verpflichtet, habe das Thema Cyberpolicen in Gang gebracht.

Das Blatt berichtet, dass allerdings vielen Führungskräften noch nicht eindeutig klar ist, was der Versicherungsschutz konkret leisten kann. Nur sieben Prozent geben demnach laut einer Umfrage an, sie würden den Schutz als genau passend für ihr Unternehmen ansehen. 26 Prozent sagen jedoch, dass eine Cyberpolice sie nicht oder nur begrenzt schützen würde. Gleichzeitig wollen 29 Prozent in den nächsten zwölf Monaten eine solche Versicherung abschließen.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus (beobachteter Zeitraum: 21. September bis 5. Oktober 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt und Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Nach oben