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24.09.2015

Die US-Notenbank hat die Zinswende erneut verschoben. Dagegen stieß in Europa EZB-Chef Mario Draghi die Tür für weitere geldpolitische Lockerungen weit auf.

Janet Yellen

Fed-Chefin Janet Yellen rückt ab – ohne den Leitzins anzuheben. Am 18.09. verkündete sie ihre Entscheidung auf der Pressekonferenz in Washington D.C. (Foto: picture alliance / landov)

USA: Trotz guter Konjunktur keine Leitzinserhöhung

In den USA ist die Zinswende verschoben worden, obwohl aus konjunktureller Sicht die Voraussetzungen für einen ersten Zinsschritt gegeben waren. Als Gründe für das Nicht-Handeln mussten die durch China ausgelösten Aktienmarktturbulenzen, die niedrige Inflation und der Arbeitsmarkt herhalten. Letzterer ist nach Ansicht der Fed noch nicht voll ausgelastet. Vor dem Hintergrund einer insgesamt robusten Wirtschaftslage in den USA, die sich insbesondere im Dienstleistungs- und Bausektor bemerkbar macht, erwartet Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt. Nach dem sehr dynamischen zweiten Quartal sieht de la Rubia für das zweite Halbjahr eine solide Dynamik, die im Gesamtjahr zu einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent führen sollte. Infolgedessen rechnet de la Rubia damit, dass die Fed nunmehr im Dezember den Leitzins erhöhen wird. Dies sollte von einem Anstieg der langfristigen Renditen begleitet werden.

Eurozone: EZB hat Tür für erneute geldpolitische Lockerung weit aufgemacht

Die Konjunkturdynamik stellt sich in der Eurozone angesichts einer Aufwärtsrevision der BIP-Daten in den vergangenen Quartalen wesentlich besser dar. Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung nach den neuen Zahlen um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal expandiert, nach 0,5 Prozent zum Jahresauftakt. Nichtsdestotrotz hat die EZB die Tür auf ihrer Zinssitzung am 3. September weit aufgemacht für eine erneute geldpolitische Lockerung, also möglicherweise eine Verlängerung ihres Anleiheankaufprogramms, denn der zuletzt zu beobachtende Ölpreisrückgang verzögert den erhofften Anstieg der Inflationsraten. Zudem birgt die stärkere konjunkturelle Abschwächung Chinas Abwärtsrisiken für den Wachstumspfad der Eurozone. Deshalb geht Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, davon aus, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld noch für einen längeren Zeitraum Bestand haben wird.

Emerging Markets

China hat in den letzten Wochen für viel Wirbel an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Der völlig überhitzte Aktienmarkt in China ist dramatisch eingebrochen und die aktuellen Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass sich das Wachstum in China abschwächt. Beides ist nicht erstaunlich. Überraschend kam jedoch die Abwertung Yuan gegenüber dem US-Dollar, die als Zeichen der Schwäche bewertet wurde. Inzwischen hat die chinesische Regierung die Märkte etwas beruhigt. Sie will das Wachstum durch ein Investitionsprogramm stützen. Dennoch sind die Märkte verunsichert, denn viele andere Emerging Market-Staaten leiden unter Wachstumsschwäche. Dazu zählen auch Russland und die Türkei. Russland ist stark von dem Verfall der Rohstoffpreise, insbesondere bei Öl und Gas betroffen. In der Türkei hinterlassen die rückläufige Auslandsnachfrage und die zu geringen Investitionen Spuren. Zudem lähmen nicht zuletzt die innenpolitischen Spannungen die Wirtschaft. Auch Malaysia hat momentan innenpolitische Probleme und leidet unter dem Preisverfall der Rohstoffe, die die wichtigsten Exportgüter des Landes sind. Deutlich besser sieht es derweil in Indien aus. Das Land befindet sich auf einem soliden Expansionskurs, wird aber noch eine ganze Weile brauchen, bis es die Wachstumslücke, die China hinterlässt, schließen kann. Ebenfalls gute Perspektiven hat der Iran. Nach der Unterzeichnung des Nuklearabkommens sollen die Sanktionen gegen Iran schrittweise abgebaut werden. Damit ist zwar der Grundstein für Wachstum geschaffen, aber einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung wird es voraussichtlich nicht geben.