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UP°-Themencheck Megatrends
18.09.2015

Unsere Gesellschaft wird älter, Senioren gelten als die Zielgruppe der Zukunft. Unternehmen stellen sich schon jetzt auf die Konsumbedürfnisse der alternden Generation ein.

In Zukunft steht Deutschland vor großen Herausforderungen: Auch Unternehmen müssen sich auf die älter werdende Zielgruppe als auch auf das Älterwerden ihrer Belegschaft einstellen. (Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Tetra Images)

In den kommenden Jahrzehnten wird die Weltbevölkerung weiterhin wachsen: Nach Berechnungen der Vereinten Nationen (UN) könnten im Jahr 2050 rund 9,3 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Das wäre mehr als dreimal so viel wie im Jahr 1950 (UN 2012). Die Ursachen für die steigende Bevölkerungszahl liegen in der weltweit steigenden Lebenserwartung und eine hohe Geburtsrate.

Hierzulande und in anderen Industrieländern stagnieren oder sinken allerdings die Einwohnerzahlen. Deutschland schrumpft von heute rund 82 auf rund 75 Millionen Menschen im Jahr 2050. Im Gegensatz dazu sind die Schwellen- und Entwicklungsländer immer noch geburtenstark. Insgesamt werden wir zwar täglich mehr, doch im Durchschnitt sinkt auch in anderen Weltregionen die Zahl der Kinder. Obwohl die Geburtenrate immer noch über dem Reproduktionsniveau liegt, ist sie im Zeitverlauf gesunken. Somit steht einer Vielzahl von Menschen im mittleren und hohen Alter eine nach und nach sinkende Zahl von jungen Menschen gegenüber. Damit stoßen wir einen globalen Alterungsprozess an: Gerade in den OECD-Ländern wird der Anteil der Achtzigjährigen in den zwischen 2008 und 2050 um das Zweieinhalbfache ansteigen (OECD 2011).

Die Konsequenzen zeichnen sich vor allem an den Sozialsystemen ab. Bei dieser gravierenden Veränderung der Bevölkerungszahl und -struktur wird es immer weniger Erwerbstätige und immer mehr Menschen geben, die nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen. Mit der Zahl sehr alter Menschen steigt die Zahl der chronisch Kranken und Pflegebedürftigen. Das bedeutet auch: Mehr Investitionen in der Infrastruktur werden nötig, um je nach Region Ressourcen auszubauen, anzupassen oder sogar zurückzubauen.

Quelle: Center for Strategic and International Studies (CSIS) 2010.

Chancen: Elterngärten und Co. als Anpassungsmöglichkeiten für Unternehmen

Diesem Zukunftsszenario stehen bereits viele Chancen für Unternehmer gegenüber. So lässt sich über das so genannte Universal Design eine Produktverbesserung für alle erreichen, die auch Senioren als Zielgruppe berücksichtigt. Zudem werden neue personen- und haushaltsbezogene Dienstleistungen für die ältere und älteste Generation relevant, die in 40 Jahren marktbestimmend sein wird.
Darüber hinaus ist der Bevölkerungsrückgang auch als Gesundschrumpfen zu werten: Erneuerungen und Anpassungen von Infrastrukturen  werden wichtiger wie beispielsweise die Telemedizin zeigt, die es ermöglicht älteren Menschen auf dem Land eine ärztliche Versorgung zu garantieren. Weitere Chancen liegen im Bausektor, der innovative Lösungen benötigt – unter anderem im Kontext der sich verdichtenden Innenstädte.

UP°-Themencheck Megatrends

 „Megatrends 2020plus – Herausforderungen und Chancen für Unternehmer“ ist eine Publikation von Unternehmer Positionen Nord. Der Themencheck bietet einen Überblick über Jahrzehnte hinweg wirkende Megatrends und die sich daraus erwachsenden wirtschaftlichen Potentiale für Unternehmen.

Um die wenigen Fachkräfte an das Unternehmen zu binden, erweitert sich das Verständnis von Familienfreundlichkeit, über die Betreuung von Kindern hinaus. Teilzeit für Führungskräfte oder Pflegezeit sind dann nötig, um die Eltern und Großeltern zu betreuen. Auch können Betriebe Elterngärten einrichten, damit demente Angehörige tagsüber fachgerecht versorgt werden.
Schließlich richtet sich der Blick in junge Regionen der Welt: Wachstumspotenziale und attraktive Investitionsziele liegen vor allem in Staaten mit einer hohen „demographischen Dividende“ wie etwa in Indonesien oder Bangladesch. Dort arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung, der gleichzeitig anspart – während die Geburtenrate sinkt.

Der Fachkräftemangel bleibt durch die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt für Unternehmen eine Herausforderung. Denn den „War for Talents“ werden vor allem familienfreundliche Unternehmen gewinnen, die auch Einwanderern gegenüber offen sind. Damit kann der Sorge um eine fehlende Innovations- und Wirtschaftskraft in alternden Regionen etwas entgegen gesetzt werden.