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FAQs zur Griechenland-Krise
01.07.2015

Der Grexit scheint näher zu rücken. Unternehmer Positionen Nord fasst zusammen, was für Unternehmer wichtig ist.

Portraitbild vom griechischen Ministerpräsident Alexis Tsipras

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras drohte mit seinem Rücktritt, sollte das geplante Referendum am Sonntag ein JA zu den Reformvorgaben ergeben. Tsipras will nicht der „Vollstrecker der Sparpläne“ sein. (Foto: picture alliance / ROPI)

Wie geht es weiter mit den griechischen Banken?

Nachdem Griechenland bis Dienstag Mitternacht seinen IWF-Kredit nicht zurückgezahlt hat, werden die griechischen Banken nur noch für etwa fünf Tage als solvent anzusehen sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält für die meisten griechischen Kreditinstitute den Schlüssel in der Hand, denn seit Wochen können die Banken nur Dank Notkrediten der EZB überleben. Nachdem sich Athen bisher nicht auf einen Rettungsdeal mit Brüssel und den übrigen Geldgebern einigen konnte, hat die Notenbank rein technisch gesehen nun keine Veranlassung mehr, den lokalen Kreditsektor zu stützen. Mindestens bis zum geplanten Referendum am Sonntag könnte Frankfurt jedoch noch mit dem Zurückfahren der Notversorgung warten. Bis auf wenige Institute sollen die Banken bis 6. Juli, also einen Tag nach dem Referendum, geschlossen bleiben. Keine deutsche Bank dürfte wegen der Pleite einer griechischen Bank ins Schlingern kommen. Die Kreditinstitute haben gelernt und ihre Verbindungen mit griechischen Wettbewerben auf ein Minimum reduziert.

Was bedeuten die Kapitalverkehrskontrollen für deutsche Unternehmen?

Die verhängten Beschränkungen der Kapitalflüsse aus Griechenland sollen das Land davor bewahren, auch noch die letzten Rücklagen durch Abflüsse ins Ausland zu verlieren. Unter den verhängten Maßnahmen dürfen daher keinerlei Überweisungen von griechischen Banken ins Ausland getätigt werden – also auch nicht von griechischen Firmen etwa an deutsche Lieferanten. Eine Ausnahme sind etwa Medikamente. Nach Aufhebung der Maßnahme – damit ist allerdings wegen der unklaren Lage nicht so schnell zu rechnen – sollten Unternehmen, die nach Griechenland liefern wollen, grundsätzlich auf Vorkasse bestehen. Denn die drohenden Bankpleiten als auch die erschwerten Importbedingungen dürften unmittelbar auch den griechischen Unternehmenssektor in Mitleidenschaft ziehen. Solange die Beschränkungen gelten, dürfen Griechen täglich maximal 60 Euro bar abheben und Ausländer weiterhin höhere Beträge. Überweisungen nach Griechenland sind unbeschränkt möglich.

Muss ich als Unternehmer nun bald die Drachme annehmen?

Nein, denn erstens bedeutet die Staatspleite Athens noch nicht zwingend das Verlassen der Eurozone. Und zweitens wird der Übergang bei einem Ausstieg Monate, wenn nicht sogar mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen. Es gibt keinen festgelegten Ablauf für den „Grexit“. Aber eine Staatspleite, die folgenden Bankzusammenbrüche sowie die damit wachsenden sozialen Probleme dürften Athen über kurz oder lang zwingen, aus dem Euro auszusteigen, um eine konkurrenzfähigere Währung einzuführen. Bis die Drachme möglicherweise dann kommt, könnten von der Regierung ausgegebene Schuldscheine als Parallelwährung zum Euro in Griechenland dienen. Mit ihnen könnte der Staat etwa die Renten auszahlen und die Scheine könnten auch für ganz normale Einkäufe in Umlauf kommen. Allerdings ist diese Währung wohl eher nicht als Zahlungsmittel für Lieferanten aus Deutschland geeignet – schon weil sie im Wert deutlich gegenüber dem Euro abfallen dürfte.

Wie stark sind deutsche Firmen von der Krise generell betroffen?

Da der „Grexit“ bereits mehrmals in den vergangenen Jahren drohte, dürften sich fast alle Unternehmen in Deutschland einen Notfallplan bereit gelegt und ihre Griechenlandrisiken drastisch heruntergefahren haben. Kaum noch ein Großkonzern oder Mittelständler hält große Barbestände etwa bei Tochterniederlassungen im Land und griechische Handelspartner werden genau auf ihre Kreditwürdigkeit hin untersucht. Die Zahlen sprechen für sich. Der deutsche Exportstrom nach Griechenland hat seit 2008 um 80 Prozent abgenommen.

Auf welche Termine sollte man als Unternehmer in den nächsten Tagen achten?

Schwierig zu sagen. Die Lage ist unübersichtlich und kann sich in mehrere Richtungen entwickeln. Athen überrascht immer wieder mit neuen Volten und Winkelzügen. Beide Seiten haben die Tür für Gespräche nicht vollends zugeschlagen. Sogar über eine Absage des Referendums am Wochenende wird spekuliert, sollte die Abstimmung der Athener Regierung politisch gefährlich werden, sich in Umfragen also etwa ein „Ja“ abzeichnen. Kommt es zur Abstimmung und entscheiden sich die Griechen tatsächlich für EU und Euro, so dürfte eine neue Regierung – möglichweise eine nationale große Koalition aus mehreren Parteien – sich wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Und was wird aus meinen Exporten in andere Risikoländer der Eurozone?

Ein Überspringen der Krise, etwa auf Italien, Spanien oder Portugal, gilt als wenig wahrscheinlich. Zu viele Sicherungen haben die Länder, etwa in Form von neuen Bankenrettungsmechanismen, dem Eurosystem eingezogen, um einen Flächenbrand zu verhindern. Der Euro selbst zeigt bisher keine Schwäche und hat erst am Dienstag ein Quartal beendet, in dem er deutlich gestiegen ist. Allerdings sollten mit starken Börsenbewegungen bei anderen Vermögenswerten, etwa bei Aktien oder Anleihen immer gerechnet werden, solange die Krise andauert.