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10.07.2015

Der Grexit wird immer wahrscheinlicher. Steigendes Risikobewusstsein der Anleger drückt die Zinsen von deutschen und amerikanischen Staatsanleihen.

Gruppe von Radfahrern auf einer Autobahn

Für Griechenland geht es in die letzte Runde: Nach dem Referendum soll nun der „entscheidende“ Gipfel am Sonntag das Schicksal des Landes beschließen. (Foto: picture alliance / akg)

Die griechische Schuldenkrise geht in die Verlängerung. Sie dominierte auch in der Berichtswoche das Geschehen an den Rentenmärkten. Deshalb reduzierten die Anleger erneut ihre Risiken. Begehrt waren nach wie vor Treasuries und Bunds, verkauft wurden dagegen in erster Linie Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer Italien, Spanien und Portugal. Dagegen fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen und ihrer US-Pendants. Für Unruhe an den Finanzmärkten sorgten darüber hinaus die anhaltenden Kursverluste am chinesischen Aktienmarkt. Allein am Mittwoch verlor der Shanghai-Composite-Index 5,9%. Zwar versuchen sich Regierung und Notenbank mit einer Reihe von Stützungsmaßnahmen dem Abwärtstrend entgegenzustemmen, aber seit Mitte Juni summieren sich die Verluste mittlerweile auf rund ein Drittel.

Am Sonntag hat das griechische Volk gegen die Sparauflagen für Hilfskredite von der EU und dem IWF gestimmt. Die Gläubiger aus der EU sind jedoch nach wie vor der Ansicht, dass ohne Reformen kein drittes Hilfspaket, wie es Ministerpräsident Alexis Tsipras beantragt hat, möglich ist. Infolgedessen haben sie der griechischen Regierung letztmalig bis Freitag Zeit gegeben, ein Reformprogramm vorzulegen. Am kommenden Wochenende soll dann über den Verbleib Griechenlands in der Eurozone entschieden werden. Während die europäischen Gläubiger am Ende ihrer Geduld sind, drängen der Internationale Währungsfonds und die Vereinigten Staaten auf eine einvernehmliche Lösung. Dennoch hält Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank, derzeit einen Grexit für wahrscheinlicher als einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Die EZB wäre ohne eine Einigung gezwungen, die Notfallkredite (ELA) an die griechischen Banken zu kündigen. Deshalb dürfte das Thema Griechenland am kommenden Donnerstag die EZB-Pressekonferenz dominieren. Die nächsten Tage werden an den Rentenmärkten wegen der angespannten Lage kaum ohne stärkere Schwankungen verlaufen. Aus diesem Grund dürften nach Ansicht von Gäde die Anleger vorerst weiter Bundesanleihen und amerikanische Staatsanleihen favorisieren.