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24.07.2015

Obwohl Griechenland am Rande des Grexit stand, bleibt eine Panik an den Märkten aus. Die Stabilität des US-Finanzmarktes ist jedoch keineswegs gesichert. Vieles spricht dafür, dass die US-Notenbankpräsidentin Yellen an ihrem Plan, den Leitzins anzuheben, festhält.

Warteschlangen vor den griechischen Banken, die nach drei Wochen Schließung am Montag wieder geöffnet haben. Nach Einigung auf das dritte Hilfsprogramm kann der griechische Bankensektor nun mit Unterstützung der EZB rechnen. (Foto: picture alliance / Photoshot)

USA: Zeichen für Zinswende im September verdichten sich

In den USA scheint alles nach Plan zu verlaufen. Die Konjunktur setzt ihren Erholungskurs fort, so dass die schwachen Wirtschaftszahlen vom ersten Quartal lediglich als Delle bezeichnet werden können. Die Kerninflation (ohne Lebensmittel- und Energiepreise) steigt trotz der erneut sinkenden Ölpreise wieder an und auch der Arbeitsmarkt entwickelt sich in die richtige Richtung. Entsprechend hält die US-Notenbank nach Ansicht von Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, an ihrem Plan fest, noch in diesem Jahr den Leitzins anzuheben. De la Rubia rechnet mit einem ersten Schritt im September und einem zweiten im Dezember. Die langfristigen Renditen sind bislang nicht außer Kontrolle geraten – eine Entwicklung, die die Fed unbedingt verhindern möchte –, sondern moderat gestiegen, auch wenn es kurzzeitig zu erhöhter Volatilität kam. In diesem Umfeld hat sich auch das Budgetdefizit erneut zurückgebildet, gestützt von höheren Steuereinnahmen und niedrigeren Sozialausgaben. Kann es dennoch zu Überraschungen kommen? Ja, Risiken gibt es laut Cyrus de la Rubia weiterhin genug. Die Gefahr von durch Griechenland ausgelösten Turbulenzen ist zwar deutlich zurückgegangen, aber die Stabilität des US-Finanzmarktes ist ganz unabhängig davon keineswegs gesichert und könnte durch steigende Zinsen bedroht werden. Der Sturz der Aktien in China ist ein weiterer Faktor, der beobachtet werden muss und ein erneuter Fall der Ölpreise könnte insbesondere die Ölgesellschaften, die auf Schieferölvorkommen fokussiert sind, in Schwierigkeiten bringen, mit potenziellen Folgen für den gesamten Sektor für Unternehmensanleihen.

Eurozone: Grexit in letzter Minute verhindert

Die Griechenland-Krise ist eskaliert und hat Hellas an den Rande eines Grexit gebracht. In letzter Minute konnte noch eine Einigung über ein drittes Hilfsprogramm zwischen Griechenland und den anderen Euro-Ländern erzielt werden, so dass der griechische Bankensektor nicht kollabiert ist, sondern weiterhin mit der Unterstützung der EZB und der Gewährung von ELA-Notfallkrediten rechnen kann. Um den Grexit zu vermeiden und weitere Finanzhilfen zu bekommen, musste Griechenland harte Bedingungen akzeptieren. An den Märkten ist die Reaktion auf den drohenden Grexit recht verhalten ausgefallen – der Euro hat kaum an Wert verloren, die Renditen der Bundesanleihen sind nur etwas zurückgefallen –, was nach Meinung von Sintje Boie, Analystin bei der HSH Nordbank, wohl aber auch darauf zurückzuführen war, dass die Marktteilnehmer bis zuletzt auf eine Einigung Griechenlands mit seinen Gläubigern gesetzt hatten. Die Konjunkturerholung sollte sich laut Sintje Boie in der Eurozone weiter fortsetzen, was zusammen mit dem aus den USA kommenden Zinsanstieg für moderat steigende Bund-Renditen spricht.