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Pressefokus
01.07.2015

Effektives Energiemanagement ist für den Mittelstand entscheidend, um erfolgreich zu sein. Laufen etwa die Stromkosten aus dem Ruder, ist rasch der Ertrag gefährdet. Zu wenige Unternehmen haben erkannt, was das für sie bedeutet – und was möglich ist.

Bild eines sich drehenden Windrades.

Herausforderung und Chance zugleich: Die Umstellung auf Windenergie kostet Deutschland Milliarden – doch Mittelständler profitieren von modernem Strommanagement. (Foto: picture alliance / dpa)

Zu den zehn Faktoren, von denen der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands künftig abhängt, zählt das Handelsblatt in einer großen Überblicksanalyse das Gelingen der Energiewende. Die Umstellung des Industriestandorts auf Wind-, Sonnen- und Wasserstrom verschlinge jährlich 20 Milliarden Euro, schreibt die Zeitung. Das meiste davon gehe in Fördermittel. Der für die Wende notwendige Netzausbau sowie die Kraftwerksumrüstungen seien dabei allerdings noch gar nicht eingerechnet.

Falls die Umstellung auf erneuerbare Energien in einem Industrieland wie Deutschland ohne allzu große Kollateralschäden gelinge, werde Deutschland zum Vorbild für andere Länder, so das Handelsblatt: „In Deutschland sitzen dann die Unternehmen mit weit entwickelter Technik und Systemkompetenz.“

Doch es kann auch anders kommen. Denn ein großer Teil der Kosten für die Energiewende wird auf die Unternehmen umgelegt: „Skeptiker mutmaßen, dass auf dem Weg in die schöne neue Energiewelt klassische Industriebranchen auf der Strecke bleiben – und Deutschland sich seiner industriellen Basis beraubt“, schreibt das Blatt. Ob die Wende gelingt, sei also noch keineswegs ausgemacht.

Strom kann Ertragskiller sein

Die Kosten für Energie sind gerade für mittelständische Unternehmen ein entscheidender Ertragsfaktor, sagt eine Analyse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), auf die sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) beruft. Weil die Energiewende den wichtigen Produktionsfaktor momentan verteuere, sei Energieeffizienz in den 3,6 Millionen kleineren und mittelgroßen Firmen in Deutschland wichtiger denn je, schreibt KfW-Ökonom Michael Schwartz in der Zeitung. Schließlich zahlten die Mittelstandsfirmen jährlich 290 Milliarden Euro an Energiekosten – doppelt so viel, wie alle deutschen Privathaushalte zusammen.

Bei 80 Prozent der befragten Mittelständler machen Energiekosten derzeit bis zu zehn Prozent der Gesamtkosten aus. „Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Umsatzrendite mit sechs bis sieben Prozent recht niedrig. Der Spielraum, um Energiepreisanstiege abzufedern, ist demnach begrenzt“, argumentiert Schwartz.

So würden bei einem Anstieg der Energiekosten um 20 Prozent derzeit 24 Prozent der Mittelständler schlagartig keinen Gewinn mehr machen. Den Firmen ist das durchaus bewusst, denn laut KfW-Recherchen haben zwischen 2011 und 2013 insgesamt 1,2 Millionen Mittelständler in Energieeffizienz investiert. Die Maßnahmen reichen vom Wechsel zu sparsameren Leuchtmitteln bis hin zur Umstellung auf erneuerbare Energien und energieeffektive Gebäudemodernisierungen.

Flexibler Verbrauch spart Geld

Wie Unternehmer in der Praxis durch intelligentes Strommanagement zu Energiekostenvorteilen kommen, beschreibt Matthias Wendel, Deutschland-Chef des Alternativenergieerzeugers Dong Energy, in einem Gastbeitrag der FAZ. Ein bewusst flexibilisierter Stromverbrauch – im Fachjargon Demand Response Management (DRM) – zahle sich laut Wendel für Firmen aus.

Das künftig auf erneuerbare Energien setzende Stromnetz werde wegen der wechselnden Einspeisungen aus unterschiedlichen Quellen größere Produktions- und Verbrauchsschwankungen abfangen müssen. Per DRM würden künftig die produzierten und die verbrauchten Strommengen im Netz durch eine entsprechende Gestaltung der Preise zur Deckung gebracht: „Je nach Angebot und Nachfrage reagieren Verbraucher mit Abnahmeverzicht in Zeiten hoher Nachfrage und durch Nutzung freier Kapazitäten während schwacher Lastzeiten“, schreibt Wendel.

Der Manager verspricht, deutsche Firmen könnten einen Vorteil von mehreren 10.000 Euro pro Jahr und installiertem Megawatt realisieren, wenn sie ihre Spitzenlast an den aktuellen Stromangeboten ausrichten würden. Dafür müssten die Unternehmen Energie künftig jedoch so einkaufen, wie jeden anderen Rohstoff auch – möglichst dann, wenn er am günstigsten ist.

Durch intelligentes Strommanagement ließen sich in Deutschland langfristig rund zehn Gigawatt an installierter Leistung einsparen. Studien hätten gezeigt, dass etwa Firmen in Baden-Württemberg und Bayern Stromentnahmen für einzelne Produktionsschritte im Umfang von rund 860 Megawatt ohne Probleme auf einen anderen Zeitpunkt des Tages verschieben könnten.

Selbstgemacht ist am besten

Zwar gilt das deutsche Stromnetz als eines der stabilsten. Lediglich eine Viertelstunde dauert es im Durchschnitt, bevor der Strom nach einem Ausfall wieder da ist. Kein Vergleich also etwa zu Schwellenländern oder auch den USA. Die Energiewende könnte das deutsche Netz jedoch spürbar anfälliger machen für Blackouts.

Welche Möglichkeiten Firmen haben, ihren Strom selbst zu erzeugen, bespricht ein dritter Beitrag in der FAZ. Eine Befragung des Beratungsunternehmens PwC zeigt: Knapp die Hälfte der mittelständischen Unternehmer rechnet mit Verlusten von 50.000 Euro, fiele der Strom einen vollen Tag lang aus. Jeder neunte Unternehmer erwartet sogar einen Schaden von 500.000 Euro.

„Heutzutage ist es wichtig, eine möglichst hohe Zahl von Eigenversorgern installiert zu haben, so zum Beispiel Photovoltaikanlagen, Windenergie oder Speichermöglichkeiten. Die Chance, von einem Blackout voll getroffen zu werden, ist dann deutlich geringer“, sagte Jens Eckhoff, Präsident der deutschen Stiftung zur Förderung der Offshore-Windenergie, der Zeitung.

Die FAZ stellt in diesem Zusammenhang den mittelständischen Hemdenhersteller Olymp vor, der auf seinem Gelände ein Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung errichtet hat, dazu eine Photovoltaikanlage und einen Sprinklertank als Speicher. Mit dem Maßnahmenmix schafft es Olymp, den Strom für das gesamte Logistikzentrum des Unternehmens zu erzeugen.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Juni (beobachteter Zeitraum: 15. Juni bis 29. Juni 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt und Frankfurter Allgemeine Zeitung.