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Smart Cities
02.06.2015

Die Zukunft der Weltentwicklung findet in Städten statt – das wurde während der Metropolitan Solutions 2015, der weltgrößten Konferenzmesse für Smart Cities in Berlin, deutlich. Mit einer Reihe von Projekten ist auch Hamburg bereits seit 2013 auf dem Weg zu einer Smart City.

Die Skyline der chinesisches Stadt Chongqing.

Die chinesische Stadt Chongqing hat rund 30 Millionen Einwohner. Schon heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung im urbanen Großraum. Der Anteil wird noch weiter steigen – auf 75 Prozent bis 2050. Dann werden nach Erkenntnissen des Human Settlements Programme der Vereinten Nationen mehr als 80 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung in Städten erbracht. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Aufgaben sind gigantisch, die sich Stadtverwaltungen, kommunalen Unternehmen und all ihren Partnern in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf dem Weg in die „smarte und nachhaltige Zukunft“ stellen: Das haben die 450 Vorträge und Diskussionen der 27 Themenkonferenzen sichtbar gemacht, zu denen sich vom 20. bis 22. Mai 2015 mehr als 4.000 Vertreter aus Politik, kommunalen Verwaltungen und der globalen Wirtschaft in Berlin versammelten. Die Konferenzmesse Metropolitan Solutions, veranstaltet von der Deutschen Messe AG, war schon bei ihrer Premiere die weltgrößte Plattform für Smart-City-Akteure aus aller Welt. 60 Prozent der Besucher kamen aus dem Ausland – aus Amsterdam, Paris, London und Tel Aviv ebenso wie aus New York, Rio de Janeiro, Schanghai, Tokio, Mumbai oder Dubai. Unter den Sprechern waren Fachleute aus Kommunen, Regionalverwaltungen und nationaler wie internationaler Politik ebenso vertreten wie Wissenschaftler zahlreicher unterschiedlicher Fachgebiete und Vertreter aus 130 Unternehmen. Die Schirmherrschaft hatten gemeinsam die Bundesregierung, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) übernommen.

Der Lösungsansatz: neue Technologien, Dienstleistungen und Kooperationen

Die großen Themen der Veranstaltung lieferten die einzelnen Konferenzstränge. Zum Thema nachhaltige Mobilität und Elektromobilität für Smart Cities tauschten sich Kommunal- und Wirtschaftsfachleute aus Europa, den USA und Asien über die Zukunft urbaner Mobilität aus.

Fachkonferenzen – über die effiziente Nutzung von Energie, zukünftige Energieangebote sowie der Einfluss der deutschen Energiewende auf Städte und Umland – bestätigten einmal mehr, wie aufmerksam Entscheider aus aller Welt auf Deutschland als „Führungsland der Energiewende“ blicken.

Hinsichtlich Smart Lighting zeigten Firmen wie Philips, Osram, GE Lighting und Zumtobel auf, wie neue Lichttechniken zu besserer Ausleuchtung städtischer Umgebungen und gleichzeitig zu erheblichen Energieeinsparungen führen können. Besonders interessant ist das Konzept der belgischen Firma SmartNodes S.A.: In ihrem Smart-Lighting-System schaffen neuartige Steuermodule „Lichtblasen“, die nachts einem Verkehrsteilnehmer folgen und sich ihm dynamisch anpassen – egal, ob er zu Fuß, im Auto oder per Fahrrad unterwegs ist. Überall dort, wo gerade niemand auf der Straße ist, schaltet das System auf einen reduzierten Lichtpegel. So ermöglicht es maximale Energieeinsparungen bei gleichzeitiger Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit.

Smart Sensing: Schlüsseltechnologie für intelligente Stadtplanung

In engem Zusammenhang damit zeigte die Konferenz die enormen Möglichkeiten von Smart Sensing auf, die sich Städten durch den verstärkten Einsatz intelligenter Sensoren in Anwendungen aller Art eröffnen – in der Stadtbeleuchtung ebenso wie in der Verkehrsüberwachung, der Effizienzprüfung von Strom- und Wasserleitungen oder der Frühwarnung vor Erdbeben, Stürmen und Überschwemmungen.

Hier hatten die Teilnehmer des Messekongresses die Gelegenheit, ein Thema zu vertiefen, das schon auf dem Global Economic Symposium des Instituts für Weltwirtschaft in Kuala Lumpur, Malaysia, im Herbst 2014 für Furore sorgte. Dort hatte der Stadtplaner Roger Dennis am Beispiel der neuseeländischen Stadt Christchurch dargestellt, wie wichtig die Erfassung aktueller Messdaten aus allen Bereichen einer Stadt künftig für deren effiziente Verwaltung und Sicherheit sein wird: Christchurch war 2011 durch ein heftiges Erdbeben größtenteils zerstört worden war, darunter die gesamte Innenstadt. Der Einsatz modernster IT-Techniken beim Wiederaufbau der Infrastruktur, für den die neuseeländische Regierung und private Investoren weltweit 32 Milliarden Dollar bereitgestellt haben, macht Christchurch seit 2013 zu einem weltweit beachteten Pilotprojekt für den Einsatz von Smart Sensing und der erforderlichen IT-Verarbeitung der Daten in einer Smart City der Zukunft.

Große Aufgaben – große Chancen: Auch Hamburg ist dabei

Wie umfangreich die Aufgaben, aber auch die Chancen sind, die durch die permanente digitale Erfassung und Verarbeitung von Messdaten aus allen wesentlichen Bereichen einer Stadt entstehen, haben auch Politik, Verwaltung und Wirtschaft in der Freien und Hansestadt Hamburg längst erkannt. Schon im April 2014 hat die Stadt mit dem amerikanischen IT-Großkonzern Cisco Systems ein „Smart City Memorandum“ vereinbart. Das sieht die Bildung spezifischer Pilotprojekte rund um intelligenten Verkehr, intelligente Steuerung von Straßenbeleuchtungen, sensorgestützte Infrastrukturen sowie Bürgerdienstleistungen vor.

Viele Unternehmen und Technologiepartner wie unter anderem AGT International, InnoTec Data, Philips, T-Systems oder Worldsensing wirken an Projekten mit. Weitere sind eingeladen, sich zu beteiligen.

„Wir bereiten unsere Stadt auf die Zukunft vor“, erklärt Frank Horch, Hamburger Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. „Die künftigen Möglichkeiten durch die Vernetzung von Menschen, Prozessen, Daten und Objekten werden Städte und Kommunen revolutionieren und auch den Bürgern mehr Komfort bieten.“

Im Brennpunkt: „SmartPort“ und HafenCity

Umgesetzt werden sollen diese Pläne in den kommenden Jahren durch erste Projekte zur intelligenten Steuerung der Straßenbeleuchtung, zur automatischen Erkennung von Verkehrsstörungen und entsprechenden Leitsystemen, zur sensorgestützten Überwachung der Infrastruktur und für neue virtuelle Bürgerservicelösungen. Im Vordergrund stehen dabei zwei Ziele: Der Hafen soll zum „SmartPort“ entwickelt werden – wozu eine intelligente Stellplatzsteuerung für Lkw und Auflader ebenso gehören wie das Erfassen und Bewerten von Emissionsdaten, um bessere Vorhersagen für Lärm, Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder -verschmutzung zu liefern. In der HafenCity, dem größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekt Europas, soll eine integrierte E-Mobilitäts-Lösung den Verkehr reduzieren und optimieren. Dazu werden verschiedene Möglichkeiten wie Autos und Elektroautos, Fahrräder und Elektroräder im Sharingmodell angeboten. Außerdem wird eine Anwendung für intelligente Gebäudeumgebungen, eine sogenannte Smart Building Solution, getestet.

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