SUCHE

Pressefokus

Wachstum im Ausland – schnell, flexibel und kreativ

17.06.2015

Erfolg im Ausland hängt von mehr ab als einem guten Produkt und Service. Firmen müssen sich bei internationalen Geschäftsbeziehungen auf Rechtsunsicherheiten, wechselnde Vorgaben und Währungsrisiken einstellen. Solche Herausforderungen werden in Zukunft eher zu- als abnehmen.

Porsche Panamera driftet in einer Wüste.

Porsche gegen Wein: Schwellenländer konfrontieren deutsche Unternehmen permanent mit neuen Herausforderungen. Der Automobilhersteller Porsche exportiert zum Beispiel Wein und Olivenöl aus Argentinien, damit er seine Fahrzeuge im Land verkaufen darf. (Foto: picture alliance / dpa)

Der unternehmerische Alltag hinter dem glanzvollen Titel „Exportweltmeister Deutschland“ ist oft alles andere als feierlich. Je weiter sich deutsche Firmen mit ihren Produkten ins Ausland wagen, desto komplexer und riskanter wird die Geschäftsabwicklung. Zahlreiche Beispiele zeigen: Manager müssen kreativ sein, um für alle Eventualitäten vor Ort gerüstet zu sein.

Aus heiterem Himmel traf etwa den Autokonzern Daimler eine neue Luxussteuer, die seit Anfang Juni in Indonesien gilt. „Die Vorwarnzeit beträgt oft nur wenige Wochen“, berichtet Daimlers Indonesienchef Claus Weidner dem Handelsblatt. „Innerhalb von Tagen“, müsse man sich überlegen, wie man mit der erzwungenen Preiserhöhung umgehe. Aber nicht nur das: Indonesiens Regierung denke auch immer wieder laut über einen verpflichtenden Sprachtest für Arbeitskräfte nach, was die Einstellung gut ausgebildeter Europäer im Land deutlich erschwere.

Porsche als Weinexporteur

In Südafrika wiederum dürfen Unternehmen neue Mitarbeiter nach einer Verschärfung des Gleichstellungsgesetzes nur noch entsprechend der ethnischen Zusammensetzung des Landes einstellen. Rund 80 Prozent ihrer Beschäftigten sollen demnach schwarze Südafrikaner sein. Ausländische Unternehmen stehen vor einer großen Herausforderung, da der Ausbildungsstand der schwarzen Bevölkerung überwiegend noch nicht auf dem notwendigen Stand ist und die neue Vorschrift das Arbeitskräftereservoir damit erheblich einschränkt.

In Argentinien wiederum agieren deutsche Firmen häufig zwischen „Kafka und Mafia“, wie das Handelsblatt den Wirtschaftsanwalt Martin Jebsen zitiert. Die Regierung in Buenos Aires bestehe etwa darauf, dass jedes importierende Unternehmen im gleichen Wert auch aus Argentinien exportiere. So sei der Autohersteller Porsche auf den Clou verfallen, Olivenöl und Wein im großen Stil auszuführen, um das nötige Wertäquivalent für die Einfuhr seiner Cayennes und Carreras zu schaffen.

Protektionismus in Schwellenländern

In der Tat klagt jedes zweite deutsche Unternehmen über schwierige Geschäftsbedingungen in anderen Ländern. Das zeigt der gerade veröffentlichte „World Business Outlook“ der deutschen Außenhandelskammer, für den 3.000 Firmen befragt wurden. „Protektionistische Maßnahmen in den Zielmärkten führen vermehrt dazu, die Chancen für deutsche Anbieter zu begrenzen“, bestätigt Felix Neugart, Außenwirtschaftsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Vor allem in Schwellenländern seien Geschäfte für Firmen ohne große Rechtsabteilung häufig nicht möglich.

Dabei müssen deutsche Exporteure künftig noch stärker auf entfernte Märkte setzen. Die meisten deutschen Ausfuhren gehen bislang nach Frankreich – jeden zehnten Euro erlösen deutsche Firmen dort.

Renminbi kommt in Mode

Gewöhnen sollten sich deutsche Unternehmen auch an den Gebrauch des Renminbi, der im Exporthandel immer breiter eingesetzt wird. Bereits jetzt zählt die chinesische „Volkswährung“ zu den fünf am meisten genutzten Zahlungsmitteln. Bis 2017 soll der Renminbi nach Schätzungen zur globalen Nummer drei aufrücken – hinter dem Dollar und dem Euro. Zwar ist die Währung noch nicht voll konvertierbar, für den Außenhandel ist sie jedoch für den internationalen Waren- und Güteraustausch so einfach handhabbar wie jede andere etablierte Währung.

Viele Mittelständler nutzen diesen Vorteil bereits. Etwa der Fuldaer Fahrradhersteller Büchel, der schon 75 Prozent seiner Zahlungen an chinesische Lieferanten in Renminbi abwickelt. „Ich kann es nur jedem empfehlen, man spart viel Geld dabei. In der Regel haben die Empfänger ihr Geld in zwei Tagen auf dem Konto“, sagt Erhard Büchel, der das Familienunternehmen leitet.

Transatlantisches Freihandelsabkommen hilft dem Mittelstand

Auch Märkte mit deutlich weniger Neulandcharakter, etwa Nordamerika, könnten es für deutsche Firmen noch leichter machen. Der Unternehmer Arndt G. Kirchhoff, der den Iserlohner Zulieferer Kirchhoff Automotive führt, plädiert deshalb in der Wirtschaftswoche für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Das Vertragswerk, über das derzeit noch verhandelt wird, sei „entscheidend für die Zukunft des Handels“, meint der Firmenchef, weil es die rechtliche Seite von Exporten vor allem für Mittelständler erleichtere. „Unterschiedliche Normen zwingen uns als Automobilzulieferer, alle Teile zweimal zu konstruieren und zu testen – einmal für den europäischen und einmal für den amerikanischen Markt. Die müssen dann auch zweimal zugelassen werden.“ Ohne TTIP könnten sich viele Unternehmen diesen Aufwand gar nicht leisten, so Kirchhoff.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen. Im vorliegenden Pressefokus fuhr den Monat Juni (beobachteter Zeitraum: 1. bis 15. Juni 2015) wurden Artikel aus Handelsblatt und Wirtschaftswoche ausgewertet.