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Unternehmensnachfolge
17.06.2015

Mehr als 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Viele bestehen schon lang und sind sehr daran interessiert, dass der Firmenname auch nach einem Generationswechsel seinen guten Ruf behält. Nur wenige von ihnen gründen eine Stiftung, dabei bringt das durchaus Vorteile mit sich.

Stabübergabe bei einem Staffellauf.

Die Stabübergabe verläuft bei den allermeisten Familienunternehmen erfolgreich. Für eine Stiftung entscheiden sich allerdings nur die allerwenigsten. (Foto: picture alliance / ASA)

Viele Unternehmen, bei denen der größte Anteil des Vermögens von einer Stiftung gehalten wird, sind erfolgreich, und das bereits seit Langem. Damit haben sie vieles mit Familienunternehmen gemeinsam. Zu den bekanntesten Stiftungsunternehmen in Deutschland gehören Bosch, ThyssenKrupp, Bertelsmann und Carl Zeiss. Um herauszufinden, wann eine Stiftung als Nachfolgelösung für Familienunternehmen eine Option ist, befragten die Unternehmensberatung BDO und das Institut für Demoskopie Allensbach Ende 2014 über 350 Topentscheider aus eigentümergeführten Familienunternehmen, wie sie ihre Nachfolge gestalten wollen.

Nachfolge als Herausforderung

Familienunternehmen handeln besonders verantwortungsbewusst, nachhaltig und zukunftsorientiert. Den Eigentümern ist es wichtig, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, deshalb soll die Übergabe reibungslos funktionieren und die gefundene Lösung von Dauer sein. Die Nachfolge steht in fast jedem dritten familiengeführten größeren Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren an.
 
Welche Optionen bevorzugen die Unternehmer? Nach den Ergebnissen der Studie hält die große Mehrzahl eine Weiterführung durch Familienmitglieder für ideal. Dazu wird es auch voraussichtlich in jedem zweiten Unternehmen kommen. Die Pläne anderer Unternehmen gehen notgedrungen in eine andere Richtung, da sie nicht über geeignete oder interessierte Familienmitglieder verfügen. Einige (17 Prozent) streben an, einen Nachfolger innerhalb des Unternehmens zu finden, andere (5 Prozent) suchen extern nach einer Führungskraft und wieder andere (10 Prozent) liebäugeln damit, das Unternehmen zu verkaufen.

Lediglich ein Prozent denkt daran, eine Stiftung zu gründen – und das obwohl Familienunternehmer Stiftungen insgesamt als positiv bewerten. „In unseren Gesprächen wird deutlich, wie sehr die Firmengründer den langfristigen Fortbestand ihres Unternehmens wünschen“, bestätigt Andreas Schiemenz, Stiftungsexperte der HSH Nordbank. „Gerade wenn es keine geeigneten Familienmitglieder in der Nachfolge gibt, ist die Überführung in die Stiftung ein hervorragendes Instrument, die Werte des Gründers dauerhaft zu manifestieren.“

Die Vor- und Nachteile einer Stiftung

Stiften bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als ein Vermögen dauerhaft einem bestimmten Zweck zu widmen. Dabei ist eine Unternehmensstiftung keine Rechtsform, sondern eine Variante der Anwendung: Die Unternehmensstiftung betreibt ein Unternehmen oder verfügt über die beherrschende Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft. Dabei ist eine gewisse Größe notwendig, auch wenn es keine gesetzliche Regelung für das Mindestkapital einer Stiftung gibt. Das Grundkapital sollte eine Mehrheitsbeteiligung sichern. Es kann aus verschiedenen Vermögenswerten bestehen, die von Finanzanlagen, Immobilien, Bankguthaben, Unternehmensbeteiligungen bis hin zu Sachwerten reichen. Da das Grundkapital unantastbar ist, lebt eine Stiftung von den Erträgen, die meist im Unternehmen bleiben und nicht ausgeschüttet werden. Dadurch haben die Unternehmen hohes Eigenkapital und werden unabhängiger, was eine langfristige Planung ermöglicht.

Ein weiterer Vorteil einer Stiftungslösung ist: Sie schützt das Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme oder einer Zerschlagung, da eine Stiftung schlicht unverkäuflich ist. Dahingegen werden Börsenunternehmen bei schlechteren Ergebnissen und sinkenden Aktienkursen zur leichten Beute für Firmenjäger. Erst vor kurzem hat der kinderlose Hans Riegel eine Stiftung als Erbe eingesetzt und ihr einen Großteil seines Vermögens vermacht. Die Dr. Hans Riegel-Stiftung betreibt nun Haribo als Familienunternehmen weiter. Auch Theo Albrecht hat eine Stiftung – die "Markus-Stiftung" – ins Leben gerufen, um den Fortbestand der Firmengruppe Aldi Nord sicherzustellen.

Zudem bietet eine Stiftung steuerrechtliche Vorteile und die Möglichkeit, langfristig Anteile an einer Firma zu behalten, ohne sich am operativen Geschäft zu beteiligen und den Einfluss der Familienangehörigen und Nachkommen des Stifters zu beschränken.

Aber die Gründung einer Stiftung bringt auch Nachteile mit sich: Oftmals unklare Verhältnisse bei Aufsicht und Führung schaffen Probleme bei der Governance. Und eine Stiftungssatzung schreibt die Eigentümerstruktur und andere Vorgaben langfristig fest, sodass sie sich schwer ändern lassen, was das Unternehmen womöglich schwerfälliger und unflexibler macht. Daher rät Prof. Renate Köcher, Geschäftsführerin des IfD Allensbach: "Die Stiftungslösung darf nicht so starr angelegt werden, dass Sie dem Unternehmen wichtige Handlungsspielräume und Optionen verstellt. Entsprechend wichtig ist es, dass Stiftungssatzungen noch zu Lebzeiten des Stifters überprüft und angepasst werden, wenn sie sich als zu wenig flexibel erweisen."

Rückblick der Unternehmer zeigt Erleichterung

Die Zeiten sind so gut wie vorbei, in denen sich Nachkommen moralisch verpflichtet fühlten, das elterliche Unternehmen fortzuführen. Ein Ergebnis der BDO Befragung sollte jedoch allen betroffenen Unternehmen Mut machen: Eine Nachfolgeregelung zu finden wird je nach Situation unterschiedlich bewertet. Die Mehrheit der großen Familienunternehmen, bei denen die Aufgabe in den nächsten fünf bis zehn Jahren ansteht, sieht sie als schwer an. Hat ein Unternehmen die Herausforderung aber erst einmal angenommen oder sogar gemeistert, empfand sie nur rund jeder vierte Entscheider tatsächlich als schwer. „Für viele Unternehmerfamilien ist eine Stiftungsgründung auch eine dauerhafte Festlegung auf die eigenen Werte. So werden Familienverfassungen, also ein gemeinsames Verständnis über Generationen hinweg, auf das Unternehmen übertragen“, findet der Stiftungsexperte Andreas Schiemenz.

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