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Arbeitsrecht

Krank im Urlaub - Was heißt das für Arbeitgeber?

29.06.2015

Erholung ist wichtig, aber was ist zu tun, wenn der Arbeitnehmer im Urlaub krank wird und seine Urlaubstage zurückfordert? Unternehmer müssen eine solche Forderung nur akzeptieren, wenn der Angestellte sich formal richtig verhalten hat. Ansonsten gilt der Urlaub als genommen.

Bild eines Mannes mit gegibsten Fuß am Strand.

Krank im Urlaub - Das wünscht sich niemand. Doch frische Meeresluft kann die Genesung fördern. Bettpflicht ist kein Muss. (Foto: fotolia / contrastwerkstatt)

Krank kann jeder einmal werden. Doch gibt es im Fall einer Krankheit grundsätzliche Pflichten, die ein Arbeitnehmer immer einhalten muss, ob im In- oder Ausland, ob im Urlaub oder nicht. Nur dann erhält er in den ersten sechs Wochen der Krankheit seinen vollen Lohn vom Arbeitgeber. Dies regelt das Entgeltfortzahlungsgesetz.

Wann Anspruch auf volles Gehalt bei Krankheit besteht

Während der Krankheit haben die Arbeitnehmer den Anspruch, dass der Arbeitgeber für sechs Wochen das volle Entgelt weiterhin zahlt. Das gilt, wenn der Arbeitnehmer wegen seiner Krankheit unverschuldet arbeitsunfähig ist und das Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen ununterbrochen besteht. Wird der Arbeitnehmer infolge derselben Krankheit erneut arbeitsunfähig, behält er den Anspruch auf Entgeltfortzahlung in den ersten sechs Wochen, wenn er mindestens sechs Monate nicht wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig war.

Um sein volles Entgelt zu bekommen, muss der Arbeitnehmer seinen Anzeige- und Nachweispflichten – den sogenannten Nebenpflichten – nachkommen: Erstens muss er sich umgehend krankmelden, vor oder kurz nach Dienstbeginn, und auch die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit mitteilen, so dass der Arbeitgeber planen kann. Änderungen muss der Arbeitnehmer unverzüglich melden. Dies ist die Anzeigepflicht. Kommt ihr der Arbeitnehmer nicht oder verspätet nach, können Unternehmer im Falle von entstandenen Schäden Ersatz fordern, den Arbeitnehmer abmahnen und ihn bei wiederholten Verstößen kündigen, im Extremfall sogar außerordentlich. Dies gilt auch für die Nachweispflicht.

Die Nachweispflicht bedeutet, dass der Arbeitnehmer nach dem dritten Kalendertag der Krankmeldung eine formal korrekte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen muss. Unternehmer können aber ihr Verkürzungsrecht gebrauchen und einen Nachweis schon am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit ihres Arbeitnehmers verlangen. Solange der erkrankte Arbeitnehmer die von ihm vorzulegende ärztliche Bescheinigung nicht vorlegt, kann der Unternehmer die Fortzahlung des Entgelts verweigern. Letztlich ist aber entscheidend was im Tarifvertrag, den Betriebsvereinbarungen oder im Arbeitsvertrag festgehalten ist. Übrigens bestehen beide Nebenpflichten für erkrankte Arbeitnehmer auch dann, wenn der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat.

Spezielle Regeln für Erkrankungen im Ausland

Befindet sich der Arbeitnehmer wegen eines Urlaubs, einer Dienstreise oder eines längeren Einsatzes im Ausland, verschärfen sich die Anzeige- und Nachweispflichten für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Er muss zusätzlich seine Adresse am Aufenthaltsort mitteilen, um seine Erreichbarkeit zu gewährleisten. Die Kosten hierfür muss der Arbeitgeber tragen. Die Mitteilung über die Arbeitsunfähigkeit, deren voraussichtliche Dauer und die Adresse hat in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung zu erfolgen. Je nach Aufenthaltsort und der vorhandenen Infrastruktur, kann diese Frist unterschiedlich weit ausgelegt werden.

Eine Krankschreibung muss auch im Ausland den deut­schen Ar­beits- und So­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­set­zen genügen. Dazu muss das Attest er­ken­nen las­sen, dass Arzt klar zwi­schen Er­kran­kung und Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge der Krank­heit un­ter­schie­den hat. Es kann in der Landessprache abgefasst sein. Kehrt ein arbeitsunfähig Erkrankter in das Inland zurück, muss er dies seinem Arbeitgeber unverzüglich anzeigen.

Wann Urlaubstage verfallen und wann nicht

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man vor oder im wohlverdienten Urlaub krank wird, der Genuss ausfällt und dem Leiden weicht. Aus diesem Grund können sich Angestellte, wenn sie im Urlaub erkranken, Urlaubstage wieder gutschreiben lassen, ganz gleich, ob sie diesen im In- oder Ausland nehmen. „Wenn man krank wird, ist man nicht mehr ‚urlaubsfähig‘. Man kann den Urlaub also gar nicht nehmen“, erklärt Andrej Wroblewski, Arbeitsrechtsexperte der IG Metall in Frankfurt am Main.

Unternehmer müssen Arbeitnehmern Urlaub aber nur erneut gewähren, wenn die oben erwähnten allgemeinen Anzeige- und Nachweispflichten erfüllt sind. Und nur die auf einer formgemäßen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung festgehaltenen Krankheitstage muss der Unternehmer gutschreiben. Erfolgt die Krankschreibung erst einige Tage nach der Krankmeldung im Urlaub, können die Tage zwischen Krankmeldung und Krankschreibung nicht erneut als Urlaub genommen werden. Hat ein Angestellter sich nicht an diese Regeln gehalten, unterliegt es der Kulanz des Unternehmens, ob der Urlaub als genommen gilt oder nicht. Auf alle Fälle kann der wieder gesunde Arbeitnehmer seinen Urlaub nach Krankheit nicht auf eigene Faust verlängern.

Wenn das Kind im Urlaub krank wird

Ist das eigene Kind krank, kann ein Angestellter grundsätzlich Sonderurlaub in Anspruch nehmen. Doch bekommen Eltern keine freien Tage gutgeschrieben, wenn sie ihr krankes Kind im Urlaub betreut haben. Das Arbeitsgericht Berlin (Urteil vom 17. Juni 2010; Aktenzeichen 2 Ca 1648/10) entschied, dass der Urlaub als genommen gilt, wenn man sein krankes Kind im Urlaub pflegen musste. Nur wenn der Arbeitnehmer selbst während eines Urlaubs erkrankt, verfallen die Urlaubstage nicht, wenn er sich an die Regeln der Krankmeldung und -schreibung hält.

Wer krank ist, muss nicht unbedingt im Bett liegen

Wenn ein Arbeitnehmer krank ist, kann er alles unternehmen, was seine Genesung fördert, und muss alles unterlassen, was die Heilung behindern könnte. „Eine Krankschreibung bedeutet nicht, dass man ans Bett gefesselt ist“, erklärt Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, und führt aus: „Bei einer Depression oder einem Burn-out kann es sogar wichtig sein, etwas zu unternehmen und beispielsweise Sport zu treiben.“ So sollten Unternehmen davon ausgehen können, dass ihre Angestellten gesund aus dem Urlaub kommen – auch wenn sie während der „schönsten Zeit des Jahres“ krank waren.