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Rententrends 06/2015

Griechenland-Krise geht in die entscheidende Phase

24.06.2015

Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone könnte den erwarteten Anstieg der langfristigen Renditen bremsen. Gleichzeitig nimmt die US-Konjunktur wieder Fahrt auf und lässt die Zinswende näher rücken – auch wenn viele daran noch zweifeln.

Angela Merkel im Gespräch mit François Holland und Alexis Tsipras.

Eine entscheidende Rolle in den Gesprächen mit Griechenland spielen Kanzlerin Angela Merkel und Präsident François Holland. Im Vorfeld des EU-Sondergipfels waren sich beide einig – eine Entscheidung wird es an diesem Abend nicht geben. Die drängende Lösung steht noch bevor. (Foto: picture alliance / AA)

USA: Nahende Leitzinswende

In den USA rückt die Zinswende näher. Die Wirtschaft scheint das schwache erste Quartal allmählich ad acta zu legen und hat in den vergangenen Monaten wieder an Dynamik gewonnen. Zwar gibt es noch einige Makrodaten wie beispielsweise die Industrieproduktion, die nicht ganz in dieses Bild passen. Auch die Dürre in Kalifornien widerspricht dem beschriebenen Trend. Aber unter dem Strich haben sich die Aussichten deutlich verbessert. So ist im Mai ein kräftiger Beschäftigungszuwachs und darüber hinaus ein Anstieg der Stundenlöhne vermeldet worden. In diesem Umfeld hat sich auch die Inflation leicht beschleunigt, was teilweise mit dem höheren Ölpreis zu tun hat. Letzterer dürfte die Investitionskürzungen im Ölsektor gebremst haben.

Für die große Mehrheit der Fed-Mitglieder ist die wirtschaftliche Entwicklung offenbar ausreichend solide, um noch in diesem Jahr eine Zinserhöhung für angemessen zu halten. Es wäre die erste seit dem September 2006. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, erwartetet zwei Zinsschritte im September und Dezember. Darauf sollten auch die langfristigen Renditen reagieren, die de la Rubia zum Ende des Jahres auf einem etwas höheren Niveau von 2,65% erwartet. Diese Prognose könnte unter anderem dann verfehlt werden, wenn Griechenland aus der Eurozone ausscheidet und es zu größeren Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen sollte.

Eurozone: Konjunkturperspektiven hellen sich auf

In der Eurozone erholt sich die Konjunktur etwas schneller als erwartet. Motor der Wirtschaft war im ersten Quartal 2015 der Private Konsum. Wachstumsbeiträge kamen ferner von den Investitionen und dem Staatskonsum. Indes ist im Mai die Inflationsrate mit 0,3% erstmals seit November 2014 wieder in den positiven Bereich gesprungen und sorgte für einen weiter verbesserten Inflationsausblick. Deshalb sprang die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe zwischenzeitlich sogar über die Marke von 1,00%. EZB-Chef Mario Draghi sagte angesichts der Schwankungen bei den Staatsanleihen, dass man sich an Zeiten höherer Volatilität gewöhnen müsse.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, erklärte, dass im Zuge der sich aufhellenden Inflations- und Konjunkturperspektiven für die Eurozone die Zinswende bei den Bundesanleihen stattgefunden hat. Erneutes Rückschlagspotenzial ist zwar vor dem Hintergrund der Griechenland-Krise nicht ausgeschlossen, allerdings gibt es derzeit Anzeichen für eine Einigung. Käme es dennoch zu einem Grexit, dürfte dies zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen. Dann sollten die 10jährigen Bundesanleihen als sicherer Hafen massiv profitieren und deren Renditen wieder an ihre Tiefststände nahe der Nulllinie und sogar in den negativen Bereich geführt werden. Dagegen dürfte sich der von den Griechenlandrisiken verursachte Anstieg der Staatsanleihe-Renditen der Euro-Peripherie verstärkt fortsetzen.