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05.06.2015

EZB-Chef Draghi und steigende Verbraucherpreise lösen Ausverkauf an Rentenmärkten aus – zuvörderst in der Eurozone und den USA.

Mario Draghi.

„Gewöhnt euch an heftige Kursschwankungen“, lautete die Ankündigung Draghis an internationale Investoren. Die Staatsanleihen erlebten am Donnerstag den größten Einbruch seit 1998. (Foto: picture alliance / dpa)

An den Anleihemärkten hat es in dieser Woche kräftige Kursverluste gegeben. Zunächst waren es die anziehenden Verbraucherpreise, die für sprunghaft steigende Zinsen sorgten. Anstatt die Investoren zu beruhigen, goss der EZB-Chef Mario Draghi noch Öl ins Feuer. Seiner Meinung nach werden wir uns an Phasen mit höherer Volatilität gewöhnen müssen. Prompt stiegen die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen auf 0,94%. Ebenfalls stark war der Anstieg der Renditen der Peripheriestaaten. Hier kommt vor allem die anhaltend große Unsicherheit in Hinblick auf die nicht enden wollende griechische Tragödie zum Ausdruck.

In den USA nimmt die Konjunktur wieder mehr Tempo auf. Deshalb hatte die Abwärtsrevision des BIP keine großen Auswirkungen an den Märkten. Optimismus verbreiten insbesondere die Verbraucher. Etwas verhaltener sieht es bei den Unternehmen aus. Die ISM-Einkaufsmanagerindizes boten im Mai kein einheitliches Bild. Der Blick richtet sich nun stark auf die Arbeitsmarktdaten, die am 5. Juni veröffentlicht werden. Sollten, wie Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank, erwartet, im Mai deutlich mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen worden sein, kann dies als klares Zeichen für eine beschleunigt wachsende Wirtschaft angesehen werden. Deshalb dürfte es der Fed, so Gäde, nicht schwer fallen, im dritten Quartal die Zinszügel straffer zu ziehen. In Erwartung dessen machten auch die Renditen der zehnjährigen US-Treasuries einen deutlichen Sprung. Trotzdem rechnet Gäde kurzfristig sowohl in den USA als auch in der Eurozone mit einer Gegenbewegung und zumindest leicht sinkenden Zinsen an den Rentenmärkten.