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22.05.2015

Die Europäische Zentralbank bremst die Korrektur am Rentenmarkt und zieht Anleihekäufe vor. Auch die schwächeren Konjunkturdaten begrenzen vorerst den Spielraum für steigende Zinsen, erklärt Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

Landstraße mit Tempo-30-Schild.

Die Europäische Zentralbank hat die Entscheidung in der Hand – und bremst ab. Auf die Zinswende lässt sich somit warten. (Foto: picture alliance / blickwinkel/G. Czepluch)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Korrektur am Rentenmarkt vorerst gestoppt. Die Notenbanker ließen verlauten, dass sie beabsichtigen, Anleihekäufe aus den Monaten Juli und August vorzuziehen. Diese verbale Intervention verstärkte den Rückgang der Staatsanleiherenditen in der Eurozone. So gab die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ausgehend von dem Spitzenwert von knapp unter 0,80 auf aktuell 0,61% nach. In den USA kam der Zinsanstieg ebenfalls zum Erliegen. Die zehnjährigen US-Treasuries rentieren im Vergleich zur Vorwoche per Saldo nahezu unverändert bei 2,24%. Infolge schwächerer Wirtschaftsdaten in Europa und den USA hält Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank, das Potenzial für steigende Zinsen zunächst für relativ gering.

Der Konjunkturoptimismus der Eurozone hat einen Dämpfer bekommen. Nach den guten BIP-Daten des ersten Quartals haben sich die Aussichten auf eine dynamische Fortsetzung des Wachstums im zweiten und dritten Quartal etwas verschlechtert. So blieben die Einkaufsmanagerindizes (PMI) der Eurozone hinter den Erwartungen zurück.

In Griechenland spitzt sich indes die Schuldenkrise zu. Angesichts der schwindenden Liquiditätsreserven und der nahenden Zahlungstermine nimmt die Wahrscheinlichkeit der Zahlungsunfähigkeit im Juni oder Juli weiter zu, was an den gestiegenen Anleiherenditen Griechenlands im unteren Laufzeitensegment abzulesen ist. Noch immer scheint es, dass die von der griechischen Regierung angebotenen Reformen den Verhandlungspartnern der Eurogruppe nicht ausreichen. Deshalb dürfte es wohl auch beim Treffen der Staats- und Regierungschefs am 21. und 22. Mai noch zu keiner Einigung kommen.

In den USA setzt sich die Diskussion um den richtigen Zeitpunkt der Leitzinserhöhung weiter fort. Das Protokoll der letzten Fed-Sitzung macht deutlich, dass einige Notenbanker über die Abkühlung der US-Konjunktur und vor allem der Schwäche des Konsums im ersten Quartal besorgt sind. Der starke Rückgang des Verbrauchervertrauens weist auf die nachlassende Kauffreude der Amerikaner hin. Hinzu kommt die schwache Industrieproduktion, die wider Erwarten ihren Abwärtstrend fortsetzte.

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