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GES Salon 2015
13.05.2015

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise setzen Europa zu. Hat die europäische Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) eine Zukunft? Hierzu diskutierten Experten auf dem 1. Kieler GES Salon 2015 des Instituts für Weltwirtschaft.

Französische Flagge.

Frankreich: Das neue Sorgenkind der Eurozone? (Foto: picture alliance / Robert Harding World Imagery)

Als Vorbereitung zum diesjährigen Global Economic Symposium (GES) diskutierten Experten des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), der HSH Nordbank und der Europäischen Kommission im Rahmen des 1. GES-Salons in 2015 am 6. Mai über die Perspektiven der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

Europa kämpft mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Hat die europäische Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) eine Zukunft? Wie kann die WWU für eine erfolgreiche und nachhaltige Zukunft gestaltet werden? Hierzu diskutierten im 1. Kieler GES-Salon 2015 des Institut für Weltwirtschaft (IfW) Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Ingmar Jürgens, Senior Economic Advisor der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland, und der Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstitut Professor Dr. Dennis J. Snower gemeinsam mit den anwesenden Gästen über die Perspektiven der Eurozone.

Professor Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums des IfW, leitete mit seinem Vortrag „Europäische Währungsunion: Zwischen wirtschaftspolitischer Überwachung und Wettbewerb“ das Thema des Abends ein. Kooths hält nichts von Reformen, die anderen Ländern aufoktroyiert werden. Dabei sieht er sich in seiner These durch das Beispiel Griechenland bestätigt. Ohne die wirkliche Überzeugung der Bevölkerung eines Landes für die Notwendigkeit (schmerzhafter) Reformen könnten diese zwar auf dem Papier existieren, jedoch niemals erfolgreich umgesetzt werden. Entsprechend plädiert der Wissenschaftler nicht für eine harmonisierte sondern für eine „bunte Wiese der Wirtschaftspolitik“ in den Mitgliedsstaaten.

Kooths machte gleichzeitig klar, dass es in Griechenland kein Erkenntnisproblem gäbe. Die Griechen seien sich durchaus bewusst, dass das Land sich in einer sehr prekären Lage befindet, aus dem es ohne europäische Unterstützung nicht herausfinden kann.

Vortrag von Professor Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums des IfW.

Professor Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums des IfW, leitete mit seinem Vortrag in den Abend ein. (Foto: Cornelia Gold)

Jürgens hält dem entgegen, dass Griechenland, bis zum Amtsantritt des Kabinetts Tsipras, in den vergangenen Jahren viele notwendige Reformen erfolgreich auf den Weg gebracht hat. Vor allem die Modernisierung der Verwaltung war seiner Meinung nach ein wichtiger Schritt. Nun gelte es bloß, die Reformen nicht zurückzunehmen, sondern weiterzuführen und umzusetzen.

In der Diskussion wurden unterschiedliche Erwartungen des weiteren Verlaufs der Schuldenkrise deutlich. Während Prof. Snower nicht daran glaubt, dass sich Griechenland mit seinen strukturellen Problemen in der Eurozone halten kann, glaubt Jürgens weiter an den Verbleib der Griechen in der Währungsunion. In Hinblick auf die WWU waren alle drei Diskussionsteilnehmer optimistischer. Dr. de la Rubia brachte an, dass mit dem ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus), der gemeinsamen Bankenaufsicht sowie dem Abwicklungsmechanismus für marode Banken bereits entscheidende Schritte für mehr Stabilität in der Eurozone getätigt wurde. Die Situation heute sei keineswegs mit der zu Beginn der Krise vergleichbar. De la Rubia betonte jedoch, dass man in Bezug auf eine Insolvenzordnung für Staaten keinerlei Fortschritte erzielt worden seien, womit ein wichtiges Element für die nachhaltige Stabilität der Währungsunion fehle. Ohne dieses Ventil würden fiskalische Fehlentwicklungen auch in Zukunft den Zusammenhalt der Eurozone gefährden. Kein Zweifel bestand in der Runde daran, dass Frankreich sich immer mehr zum Sorgenkind in Europa entwickle. Die „Grande Nation“ hinke mittlerweile in allen Belangen hinterher und könne sich aufgrund ihrer Größe zur Achillesferse für die Eurozone entwickeln.

In einem war sich die Diskussionsrunde einig: der Euro wird auch in zehn Jahren die Währung sein, die in den Mitgliedsstaaten der Eurozone als allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel anerkannt sein wird.