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Pressefokus
28.04.2015

Den deutschen Mittelstand zieht es immer mehr ins Ausland – nach Nordamerika, aber vor allem nach Asien. Neue Wachstumsimpulse sind das Hauptmotiv.

Skyline von Shanghai.

Boomender Markt Asien: Der Shanghai Tower im Shanghaier Wirtschaftsbezirk Pudong ist mit 632 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt. (Foto: picture alliance / dpa)

Direktinvestitionen im Ausland stehen verstärkt auf der Agenda deutscher Unternehmen. Zwei wichtige Treiber dafür sind, neue Märkte zu erschließen und Wachstumsperspektiven zu realisieren. Immer stärker in den Brennpunkt rücken Kostengründe. Das belegt eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), aus der die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zitiert.

Nach der DIHK-Studie wollen „mehr Unternehmen als je zuvor im Ausland investieren“. Von den 2.500 befragten Firmen – unter ihnen Großkonzerne, aber auch zahlreiche kleine und mittelgroße Unternehmen – wollen 47 Prozent ihre Auslandsaktivitäten noch in diesem Jahr verstärken.  Der bereits recht hohe Vorjahreswert von 45 Prozent sei damit sogar noch übertroffen worden, schreibt die FAZ.

Ferne Standorte sind im Kommen

„Tatsächlich überwiegt für die deutliche Mehrheit der Firmen weiter das Motiv, auf den ausländischen Absatzmärkten – allen voran bei den großen EU-Nachbarn, aber auch in China und Nordamerika – besser Fuß zu fassen“, resümiert die FAZ. Insgesamt werden die Auslandsaktivitäten deutscher Firmen laut der Studie in diesem Jahr 200.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Damit würden erstmals sieben Millionen Beschäftigte im Ausland bei deutschen Unternehmen arbeiten.

Etwa die Hälfte der Unternehmen wollen nach der Umfrage in besseren Vertrieb und Kundendienst investieren, während etwa ein Drittel die Produktion vor Ort stärken möchte. Durch die daraus resultierenden Aufträge, so kalkuliert der DIHK, dürften auch in Deutschland rund 400.000 neue Industriearbeitsplätze entstehen.

Immerhin: Noch 28 Prozent der befragten Mittelständler gaben an, für den Gang ins Ausland spielten Kostengründe eine Rolle. Ungeachtet dieses nach wie vor überschaubaren Prozentsatzes gewinnt das Kostenargument an Bedeutung, vergleicht man das aktuelle Ergebnis mit den Werten der vergangenen Jahre.

Wenig Impuls durch Euroschwäche

Wie sinnvoll es ist, nahe an die Kundschaft in fernen Ländern zu rücken, zeigt auch eine Übersicht des Kreditversicherers Euler Hermes, aus der das Handelsblatt zitiert. Danach lebt der mehrmalige „Exportweltmeister“ Deutschland zwar immer noch bestens von der starken Nachfrage nach seinen Produkten weltweit – doch das Wachstum nimmt ab.

Laut den Zahlen, die das Handelsblatt heranzieht, können deutsche Firmen in diesem Jahr mit einem zusätzlichen Exportvolumen von 36 Milliarden Euro rechnen. Das Plus fällt mit 2,7 Prozent indessen eher moderat aus – vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass der momentan markant schwache Euro eigentlich für einen starken Ausfuhrimpuls sorgen müsste. Immerhin legten deutsche Firmen 2014 beim Exportvolumen noch 45 Milliarden Euro zu.

Der direkte Gang ins wachstumsstarke Ausland könne auch Geschäftsrisiken wie die Wirtschaftskrise Russlands abfedern, argumentiert der Weltmarktführer für Kreditversicherungen. Euler Hermes empfiehlt Direktinvestitionen in import- und wachstumsstarke Länder und nennt als Beispiele Länder wie Uruguay, Kolumbien, Südkorea und Taiwan.

Asienboom lockt Firmen

Vom Mittelständler mittlerweile zu Konzerngröße herangewachsene Familienunternehmen, etwa der Technikhersteller Bosch, bestätigen den skizzierten Internationalisierungstrend. „Wir gehen davon aus, dass Indien bis 2030 die viertgrößte Volkswirtschaft auf der Welt sein wird – und größer als jede europäische Wirtschaft“, äußert Boschs Indienchef Steffen Berns gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Bosch betreibt bereits elf Produktions- und sieben Entwicklungsstandorte vor Ort. 28.000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mit Hauptsitz in Schwaben derzeit in Indien und erzielte auf dem Subkontinent zuletzt 1,2 Milliarden Euro Umsatz. „Wir sehen großes Potenzial in allen unseren Geschäftsfeldern – ob in Mobilitätslösungen, in der Industrietechnik oder in der Energie- und Gebäudetechnik“, so Berns.

Dass es sich auch einige Nummern kleiner recht erfolgreich internationalisieren lässt, zeigt das Beispiel der beiden norddeutschen Pumpenhersteller EDUR und WITTE. Wie das Handelsblatt berichtet, haben die Mittelständler eine gemeinsam betriebene Ein-Mann-Niederlassung in Kuala Lumpur gegründet, der Hauptstadt des Boomstaats Malaysia. „Früher wurde der Markt nur von Deutschland aus bearbeitet“, sagte Repräsentant Allan Tan. Doch seit seiner Präsenz vor Ort seien die Umsätze um 30 Prozent gestiegen. „Gerade bei den Spezialpumpen, die wir verkaufen, legen eben viele Kunden Wert darauf, dass es auch vor Ort einen Ansprechpartner gibt“, so Tan gegenüber dem Handelsblatt.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat April (beobachteter Zeitraum: 3. bis 17. April 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt und Deutsche Presseagentur.