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Industrie 4.0
01.04.2015

Integrierte Steuerungssysteme für weltweit verteilte Produktionsstätten, treibstoffsparende Hybrid-Traktoren, Roboter mit erstaunlichen feinmotorischen Fähigkeiten und intelligente Leitsysteme, die Kleinkraftwerke zu „Kraftwerksschwärmen“ bündeln: Unter dem Motto „Integrated Industry – Join the Network“ stehen auf der  Hannover Messe 2015 digitale Technologien zur Steuerung von Fertigungs- und Kontrollprozessen sowie Hocheffizienz-Techniken für die Energiewende im Mittelpunkt des Interesses.

Jochen Köckler auf der Hannover Messe 2015

Voller Erwartungen: Nach dem Erfolg des vergangenen Jahres mit 180.000 Fachbesuchern aus 100 Ländern rechnet Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe AG, auch dieses Jahr mit neuen Rekordzahlen. (Foto: picture alliance / dpa)

Zum zweiten Mal in vier Wochen wird Angela Merkel am Abend des 12. April 2015 in Hannover eine große Messe eröffnen – und wieder an der Seite eines prominenten Gastes aus Asien: Am 15. März war die Bundeskanzlerin mit dem chinesischen Vizepremier Ma Kai auf dem Podium der CeBIT gestanden. Am Sonntag nach Ostern wird sie Indiens Premierminister Narendra Modi als internationalen Partner auf der Hannover Messe begrüßen.  Auf der größten Industriemesse der Welt wird vom 13. bis 17. April der aktuelle Innovationsstand der weltweiten Industrieproduktion und ihrer Zulieferbranchen neu definiert.

Fertigungsintegration ohne Grenzen

Ob in der Industrieautomation, der Elektrifizierung von Antriebssträngen, den neuen Techniken zur Erzeugung und Verteilung von Energie oder der Verbindung zwischen Systemherstellern und ihren Zulieferern: Eine erfolgreiche Tätigkeit in der „Industrie 4.0“ ist nicht mehr vorstellbar ohne intelligente digitale Vernetzung. Das Ziel ist der sichere Datenaustausch in Echtzeit – innerhalb von Abteilungen und Unternehmen, aber auch über die Grenzen von Unternehmen, Ländern und Kontinenten hinweg. Doch bis es so weit ist, sind noch erhebliche Anstrengungen notwendig. Unerlässlich dabei sind erhebliche Innovationen bei Produkten und Prozessen.

Weiter Weg bis zur „Industrie 4.0“

Das Bewusstsein, dass noch viele Neuerungen erforderlich sind, ist noch nicht in allen Unternehmen angekommen. Eine aktuelle Studie des Internetdienstleisters CSC zeigt: Rund die Hälfte der befragten Industrieunternehmen auf der ganzen Welt hat den Begriff „Industrie 4.0“ noch nie gehört – und weitere 25 Prozent haben nur eine sehr vage Ahnung davon, wofür er eigentlich steht.

Die Aufforderung „Join the Network“ zieht sich deshalb quer durch alle zehn „Leitmessen“ der unterschiedlichen Industriebereiche, die sich unter dem Dach der Hannover Messe versammeln. Dabei werden auch die Probleme einer verstärkten Vernetzung – Stichwort: „Sicherheit des Datenaustauschs“ – zum Thema gemacht. Dazu appelliert Messevorstand Jochen Köckler, auch im Namen der Vertreter des Ausstellerbeirats, an alle Beteiligten: „Diese Problem müssen wir ernst nehmen – und lösen. Aber keine Industriebranche und kein Unternehmen mit Innovationsdrang kann sich gegen diese Entwicklung sperren.“

„Kraftwerksschwarm“ unter einheitlicher Leitung

Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Messe sind neue Systeme zur regenerativen Erzeugung von Energie und ihre Einbindung in intelligente, sich mehr und mehr selbst regulierende Verteilernetze (Smart Grids). Augenfällig wird das in einem der fünf Produkte, die für den Hermes Award 2015, den weltweit bedeutendsten Industriepreis, nominiert sind: Im Projekt Next Pool hat die Next Kraftwerke GmbH aus Köln erstmals 2.500 kleinere dezentrale Stromerzeuger wie Solardächer, Windkraft- und Biogasanlagen in einem gemeinsamen vollautomatischen Leitsystem gebündelt. Sie bilden so einen „Schwarm von Kleinkraftwerken“, der die Aufgaben großer Kraftwerkseinheiten übernehmen kann – sogar im Regelenergiebetrieb, was einzelne kleine Kraftwerke allein aus Kapazitätsgründen nicht leisten können. Solche Technologien weiterzuentwickeln ist ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der Energiewende in Deutschland und weltweit.

Stromleitfähige Pasten und höfliche Fertigungsroboter

Auch auf anderen Feldern werden in Hannover faszinierende Neuerungen zu sehen sein. So stellt die Continental-Tochter Contitech aus Hannover eine bereits patentierte streichfähige Paste vor, die unter anderem in Oberflächenmaterialien von Autos eingesetzt werden kann. In das Material kann Strom geleitet werden, um einzelne Teile oder das Auto insgesamt zu heizen – mit unmittelbarer und höchst effizienter Wirkung. So soll die Verwendung des neuen Materials in Autositzen 90 Prozent der bisher benötigten Heizenergie einsparen. Ähnlich Fortschritte versprechen flexible Fertigungsroboter. Sie werden inzwischen so exakt gesteuert, dass sie gefahrlos gemeinsam mit Menschen an ungesicherten Arbeitsplätzen eingesetzt werden können und selbst Feinarbeiten mit hoher Präzision durchführen.

Dass die Begegnung mit einem „elektronischen Kollegen“ vergnüglich sein kann – das durfte Angela Merkel kürzlich schon feststellen. Bei ihrem Japanbesuch Anfang März 2015 machte sie im Museum für zukunftsorientierte Wissenschaft in Tokio Bekanntschaft mit dem Roboter Asimo. Der Humanoide begrüßte sie mit freundlichen Worten und wollte sogar mit ihr Fußball spielen. Nur eines verweigerte der auf asiatische Höflichkeitsformen getrimmte Roboter der deutschen Kanzlerin: den angebotenen europäischen Handschlag.