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Ölpreisentwicklung
29.04.2015

Der Ölpreis ist in den letzten Monaten wie ein Stein gefallen. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, erläuterte in seinem Vortrag auf der „Scandinavian Shipping & Ship Finance Conference 2015“ in Kopenhagen die Ursachen für den fallenden Ölpreis und gab einen Ausblick für die preisliche Entwicklung des schwarzen Goldes.

Alte Tanksäule.

Ein Barrel – entspricht circa 159 Liter – der Nordseesorte Brent kostet derzeit 65 Dollar, die amerikanische Sorte WTI liegt bei 57 Dollar. (Foto: picture alliance / Bildagentur-online)

Lange Zeit war ganz klar: Die weltweiten Ölreserven und -ressourcen sind endlich, die Ölnachfrage aus Asien steigt immer stärker an, womit das Ölangebot nicht Schritt halten kann. Anders ausgedrückt, Rohöl ist ein knappes Gut und für knappe Güter muss man viel Geld bezahlen. Entsprechend erreichte der Ölpreis (Brent) mit rund 150 US-Dollar pro Fass im Sommer 2008 seinen bisherigen Höchststand. Dann kam die Finanzkrise und damit einhergehend eine weltweite Wirtschaftskrise, die den Ölpreis kurzfristig auf Niveaus von 40 US-Dollar pro Fass drückte. Die Notierung konnte sich relativ schnell erholen und stieg in den Jahren nach der Finanzkrise in der Spitze bis auf über 120 US-Dollar pro Fass an. Der Zustand vor der Krise schien wieder hergestellt, die alten Denkmuster – Rohöl ist knapp und folglich teuer – galten erneut.

Einbruch des Ölpreises im Jahr 2014

Dann kam das Jahr 2014. Der Ölpreis brach ein. Seit Juni 2014 sind die Preise für den wichtigen Rohstoff um gut 50 Prozent gesunken. Zwischenzeitlich kostete die Nordseesorte Brent weniger als 46 Dollar je Barrel (159 Liter), die amerikanische Sorte WTI kostete weniger als 45 Dollar. Das waren die niedrigsten Werte seit der Finanzkrise in 2009. Das erstaunliche an diesem Preisverfall ist, dass er in einem Umfeld großer Spannungen im mittleren Osten (Stichwort IS) und einer zunehmenden politischen Isolierung eines der größten Ölproduzenten, Russland, geschieht.

Was also ist die Erklärung für den drastischen Ölpreisrückgang?

Im Wesentlichen sind es zwei Gründe: das Comeback der USA als Ölproduzent und die Reaktion der OPEC auf die neue Ölschwemme. Die zunehmende Produktion von Schieferöl in den USA führt zu einem Überangebot an Öl auf dem Weltmarkt und drückt die Preise. Nach Schätzungen beträgt dies rund 1,1 bis 1,2 Millionen Barrel täglich. Inzwischen haben sich die Preise etwas stabilisiert. In den vergangenen Wochen notierte Brent-Öl bei 65 Dollar je Barrel. Die OPEC bzw. Saudi Arabien hat jedoch, anders als dies früher der Fall war, keineswegs mit preisstützenden Produktionskürzungen reagiert, sondern hat das Produktionsniveau in etwa gleich gelassen.

Diese Nicht-Reaktion Saudi Arabiens hat mit den Besonderheiten der Schieferölproduktion in den USA zu tun. So ist in der Schieferölproduktion die Zeitspanne zwischen der Investition und der Förderung wesentlich kürzer als bei herkömmlichen Ölprojekten. Während diese Zeitspanne bei den bisher bekannten Fördermethoden durchaus drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen kann, sind es bei den so genannten Fracking-Projekten häufig nur wenige Monate. Das hat zur Folge, dass die Fördermenge sehr schnell auf neue Investitionen reagieren kann.

Ölunternehmen streichen ihre Investitionen zusammen

Das bedeutet, sollte die OPEC heute eine signifikante Kürzung der Fördermenge beschließen, käme es zu einem unmittelbaren Anstieg des Ölpreises, das wiederum hätte einen Anstieg der Investitionstätigkeit zur Folge und damit eine Ausdehnung des Angebots von Schieferöl. Die OPEC würde mit dieser Politik nicht nur Marktanteile einbüßen, sie würde auch die Ölpreise auf einem relativ niedrigen Niveau halten. Umgekehrt bedeutet der niedrige Ölpreis, dass sich für viele Fracking-Projekte die Produktion derzeit nicht lohnt. Laut Baker Hughes – der Konzern rüstet Erdölgesellschaften mit den nötigen Materialien und Geräten aus – fielen diese um 50 Prozent seit Oktober 2014 (damals waren es 1609). Dieser Rückgang wird sich über kurz oder lang auch auf die Produktion niederschlagen. Die Strategie Saudi Arabiens geht für den Moment offensichtlich auf, denn das Land kann zumindest seinen Marktanteil verteidigen.

Gleichzeitig ist festzustellen, dass praktisch alle Ölgesellschaften ihre Investitionen in die Ölförderung zusammenstreichen. Im Durschnitt werden die „Oil Majors“ im laufenden Jahr Einschnitte von 23 Prozent vornehmen. Investitionskürzungem heute bedeuten einen geringeren Öl-Output in der Zukunft. Das sollte die Grundlage für zukünftige Preiserhöhungen sein, zumal die Großprojekte immer komplexer und damit auch teurer werden und die Aussichten für weiteres weltwirtschaftliches Wachstum gut sind.
Die Schieferölproduktion in den USA wird allerdings - auch aufgrund erheblicher Effizienzsteigerungen in diesem Sektor - aufgrund der schnellen Reaktionszeit auf Preissteigerungen den Preisauftrieb dämpfen. Im Ergebnis dürfte frühestens im Jahr 2018 das Niveau von 100 USD/ Barrel (Brent) wieder erreicht werden.

Für die Weltwirtschaft ist das eine gute Nachricht. Gemäß Schätzungen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank dürfte der derzeit sehr niedrige Ölpreis die Weltwirtschaft ceteris paribus um 0,7 bis 0,8 Prozentpunkte schneller wachsen lassen.

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